Málaga und Granada außen vor

Coronavirus in Andalusien: Nicht alle Provinzen dürfen in Phase 1

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Gesundheitsminister Jesús Aguirre fordert eine Differenzierung nach Gesundheitsbezirken.
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Wenn es nach der andalusischen Landesregierung ginge, hätten am 11. Mai alle Provinzen der Region die Phase 0 verlassen, um nach und nach aus den strengen Coronavirus-Regelungen auszusteigen. Das spanische Gesundheitsministerium machte dem einen Strich durch die Rechnung.

  • Landesregierung beklagt fehlende Differenzierung nach Gesundheitsbezirken wie in anderen Regionen.
  • Einschränkungen in der Phase 1 für Geschäfte wegen ihrer Größe will Andalusien aufheben.
  • Zeitfenster für Aktivitäten im Freien sollen wegen der Temperaturen ebenfalls geändert werden.

Sevilla - Die andalusische Landesregierung wollte, dass die Autonome Gemeinschaft zum kommenden Montag im Deeskalationsplan komplett von der Phase 0 in die Phase 1 übergeht. Diesem Wunsch hat das spanische Gesundheitsministerium jedoch nicht enstprochen. Sechs Provinzen werden ab dem 11. Mai die durch den Notstand bedingten Ausgangsbeschränkungen weiter locker können, zwei Provinzen werden indes noch etwas warten müssen.

Dass Almería und Huelva vorneweg marschieren würden, war vorauszusehen, da das Coronavirus dort weit weniger schwer gewütet hatte. Am gestrigen Freitagabend hat das spanische Gesundheitsminsterium außer diesen Provinzen auch noch Cádiz, Córdoba, Jaén und Sevilla seinen Segen für eine weitere Deeskalation erteilt. Den Provinzen Málaga und Granada hat es hingegen verweigert, die Phase 0 bereits hinter sich zu lassen.

Andalusienweit wurde in den letzten 14 Tagen eines der entscheidenden Kriterien zur Lockerung der Ausgangssperren erfüllt mit 9,35 Neuifizierten pro 100.000 Einwohner. Damit liegt die Autonome Gemeinschaft deutlich hinter dem landesweiten Durchschnitt, der bei 38.39 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner liegt.

Sorgenkinder der Autonomen Gemeinschaft

Weit weniger positiv entwickelt sich die Pandemie jedoch in den Provinzen Málága und Granada. Diese vereinen nämlich 56 Prozent der neuen Infektionsfälle in der Region auf sich. Von 555 Personen, bei denen in den letzten zwei Wochen das Coronavirus mit PCR-Test nachgewiesen werden konnte, stammten 313 aus Málaga oder Granada.

Der andalusischen Regierung ist dies auch durchaus bewusst, weshalb sie, als sie für die gesamte Region den Übergang zur Phase 1 beantragt hatte, einige Ausnahmen für Málaga und Granada vorgesehen hatte. Um nicht die gesamten Provinzen in der Phase 0 zu belassen, schlug sie Beschränkungen der Lockerung nur für die Gesundheitsbezirke Málaga-Stadt, Granada-Stadt und Granadas-Ballungsraum vor, in denen die Lage noch akuter ist.

Das spanische Gesundheitsministerium hat eine Differenzierung nach Gesundheitsdistrikten nicht in Betracht gezogen und den beiden Provinzen komplett den Einzug in die Phase 1 verwehrt. Die Landesregierung hat sehr verärgert darauf reagiert, weil in anderen Autonomen Gemeinschaften wie Katalonien, Valencia oder auch Kastilien-Leon sehr wohl die Gesundheistbezirke und nicht die Provinzen zum Maßstab genommen worden sind.

Erneute Prüfung in der nächsten Woche

Die Wogen hat das Gesundheitsministerium indes bereits zu glätten versucht, indem es eine erneute Bewertung der Situation in der kommenden Woche versprochen hat. Málaga und Granada müssten also nicht bis zum 25. Mai warten, sondern könnten eventuell schon zum 18. Mai in die nächste Phase springen. Und die Vorzeichen seien angesichts der jüngsten Entwicklungstendenz auch gar nicht so schlecht hierfür.

Während Málaga und Granada also noch mindestens eine Woche warten müssen, werden die Einwohner der übrigen sechs andalusichen Provinzen schon zum kommenden Montag unter anderem mit Verwandten oder einigen Freunden in Wohnungen oder auch im Freien zusammenkommen, ohne Termin in Geschäften einkaufen oder auch die Außenterrassen der Gaststätten besuchen können.

Was die Änderungen für die Phase 1 anbelangt, hat die andalusische Regierung der spanischen Zentralregierung indes noch einige Änderungsvorschläge unterbreitet. So schlägt sie zum Beispiel vor, dass nicht wie vorgesehen nur Geschäfte bis zu einer Größe von 400 Quadtrameter öffnen können sollten, sondern alle Läden unabhängig von ihrer Größe, Einkaufszentren ausgenommen.

Erweiterung der Maskenpflicht

Außerdem plädiert sie dafür die Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken, die bislang nur in öffentlichen Transportmitteln gilt, auf zwei weitere Fälle auszuweiten. Zum einen auf geschlossene Räume mit Publikumsverkehr und zum anderen auch auf Aktivitäten oder Veranstaltungen im Freien, wenn viele Menschen zusammenkommen und die Wahrung des Mindestabstandes kaum eingehalten werden kann.

Einen weiterer Vorschlag der Landesregierung betrifft die Zeitfenster für die Aktivitäten im Freien. Ändern will sie vor allem die Zeiten, in denen Kinder bislang nach draußen dürfen, nämlich von 12 bis 19 Uhr. Weil vor allem in den südlichen Regionen des Landes die Hitze in diesen Stunden beginnt unerträglich zu werden. Diesen Vorstoß hat die Zentralregierung zur Abwechslung sogar für positiv befunden.

Den Autonomen Gemeinschaften will sie eine größere Freiheit bei der Festlegung der Zeitfenster gewähren, um diese etwa an ihr jeweiliges Klima anzupassen. Die andalusische Regierung erwägt, dass Sportler und Spaziergänger von 6 bis 10 und von 21 bis 24 Uhr raus durfen, ältere Personen von 10 bis 12 und von 18 bis 19 sowie Kinder von 12 bis 14 Uhr und von 19 bis 21 Uhr. Die Zeit von 14 bis 18 Uhr soll wiederum Wassersportlern vorbehalten bleiben.

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