Zwei Krankenpfleger in Schutzanzügen bereiten Impfspritzen vor.
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Die Vierte Welle hat in Andalusien längst nicht so stark gewütet wie die vorherigen, was nicht zuletzt wohl auch an der langsam aber stetig voranschreitenden Impfkampagne gelegen hat.

Licht am Ende des Tunnels?

Coronavirus in Andalusien: Vierte Welle verliert an Kraft

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Die Corona-Fallzahlen befinden sich in Andalusien wieder im Abwärtstrend, während die Impfkampagne an Fahrt aufnimmt. Ab Mai sind Lockerungen der Restriktionen zu erwarten. Die Mobilitätsbeschränkungen ziwischen den andalusischen Provinzen sind bereits aufgehoben worden.

Update, 7. Mai: Am gestrigen Donnerstagabend hat die andalusische Landesregierung einen Deeskalationsplan beschlossen, mit dem die Corona-Restriktionen bis zum Sommeranfang nach und nach gelockert werden sollen. Ab dem 9. Mai, mit dem Ende des Nostands in Spanien wird die Abruegelung Andalusiens aufgehoben.

Update, 30. April: Die 14-Tages-Inzidenz ist in Andalusien in den letzten Tagen weiter zurückgegangen. Mit einem Wert von 225,7 (Stand 29. April) liegt sie nun auch wieder unter dem landesweiten Mittelwert, der sich auf 230 beläuft. Und sie dürfte in den nächsten Tagen auch noch weiter absinken, da die 7-Tage-Inzidenz bei 95,9 liegt. Reduziert hat sich auch die Zahl der Gemeinden, die derzeit aufgrund einer 14-Tages-Inzidenz über 500 abgeriegelt sind, und zwar von zuletzt 104 auf nun 94. Mehr als ein Drittel dieser Gemeinden befinden sich in der Provinz Granada, die bei den Infektionszahlen im regionalen Vergleich nach wie vor negativ herausragt. Wegen einer 14-Tages-Inzidenz über 1.000 sind bis aktuell nur noch in 20 Gemeinden die Gaststätten und nicht systemrelevanten Geschäfte geschlossen. Bis zum gestrigen Donnerstag war dies noch 43 Gemeinden der Fall.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
AutonomieSeit 11. Januar 1982

Update, 28. April: Die Infektionskurve setzt in Andalusien ihre Talfahrt weiter fort. Die 14-Tages-Inzidenz ist bereits auf 237,7 (Stand 27. April) abgefallen, obwohl die Provinz Granada mit einer weit über den regionalen Durchschnitt herausragenden Inzidenz von 416 den Gesundheitsbehörden noch reichlich Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Rückläufig ist inzwischen auch die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern, die bis auf 1.464 gesunken ist. Einzig die Zahl der Corona-Infizierten, die sich auf 334 beläuft, steigt zurzeit noch an. Dafür kommt die Impfkampagne immer besser in die Gänge. Mittlerweile sind knapp 2,6 Millionen Impfdosen verabreicht worden. Über 737.000 Andalusier - rund 8,5 Prozent der Bevölkerung - konnten schon immunisiert werden. Zieht man nur die Einwohner über 16 Jahre in Betracht, auf die der Impfplan abzielt, sind es sogar schon zehn Prozent. Zumindest eine erste Dosis der One-Shot-Vakzine, mit der ein Immunsierungsgrad von etwa 70 Prozent erreicht wird, haben bereits 1,9 Millionen Andalusier erhalten, das sind mehr als 22 Prozent der Gesamtbevölkerung und fast 27 Prozent aller Einwohner über 16 Jahre.

Coronavirus in Andalusien: Region bleibt abgeriegelt - Provinzen wieder offen

Angesichts der insgesamt doch Anlass zum Optimismus bietenden Evolution der Corona-Fallzahlen hat die andalusische Landesregierung am gestrigen Dienstagabend – nach Konsultation des Expertenkomitees, das sie in der sanitären Krise berät – beschlossen, die seit Anfang des Jahres geltenden Mobilitätsbeschränkungen zwischen den acht Provinzen der Region wieder aufzuheben. Nach außen bleibt die gesamte Region hingegen abgeschottet, das heißt ein- oder ausreisen darf man weiterhin nur mit triftigem Grund. Auch alle anderen Restriktionen wie die nächtliche Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr oder die Limitierung der sozialen Treffen auf sechs Personen im Freien und vier in Innenräumen bleiben unverändert. Lediglich für die Gastronomie hat es eine kleine Änderung gegeben. Während nicht essenzielle Geschäfte weiterhin um 22.30 Uhr schließen müssen, dürfen Bars und Restaurants ebenfalls nur bis 22.30 Uhr Gäste empfangen, diese nun aber bis zum Beginn der Sperrstunde um 23 Uhr bewirten. Die neuen Corona-Regeln gelten bis zum 9. Mai, dem Tag an dem auch der nationale Notstand ausläuft.

Erstmeldung, 23. April: Sevilla – Die vierte Coronavirus-Welle scheint in Andalusien allmählich abzuebben. Die 14-Tages-Inzidenz liegt mit 251,6 (22. April) nicht mehr ganz so weit über dem nationalen Durchschnitt von 232. Die Region befindet sich damit an der Schwelle vom extremen zum hohen Infektionsrisiko, die durch den Grenzwert von 250 markiert wird. Am 19. April hatte die Inzidenz noch 263,7 betragen, seither fiel sie stetig ab. Und der Rückgang dürfte sich weiter fortsetzen, denn die 7-Tages-Inzidenz beläuft sich auf 107,8. Beträchtlich sind allerdings die Unterschiede zwischen den einzelnen andalusischen Provinzen. Diese reichen vom Sorgenkind Granada, das eine 14-Tages-Inzidenz von 446,8 aufweist, bis zum Musterschüler Málaga, der mit einer Inzidenz von 138,2 relativ gut dasteht.

Ein Abwärtstrend bahnt sich auch hinsichtlich der Auslastung der andalusischen Krankenhäuser an. Aktuell befinden sich in den Hospitälern der Region 1.530 Covid-Patienten, zwar 44 mehr als noch vor einer Woche, aber deren Zahl ist in den letzten Tagen ebenfalls nach und nach gesunken. Lediglich die Zahl der Intensivpatienten, steigt zurzeit noch leicht an, zuletzt bis 321, das sind 28 mehr als sieben Tage zuvor. Zum einen, weil sich der Rückgang der Infektionszahlen hier erst zeitversetzt niederschlägt und zum anderen, weil das Durchschnittsalter der Covid-Patienten mit fortschreitender Durchimpfung der älteren Bevölkerung zunehmend abnimmt. Und die Chancen der jüngeren Corona-Infizierten in kritischem Zustand, die Krankheit zu überleben, sind zwar höher als die der älteren, zumeist aber erst nach längerem Aufenthalt auf der Intensivstation.

Coronavirus in Andalusien: Impfkampagne kommt immer besser in Gang

Die Impfkampagne nimmt in Andalusien derweil immer mehr an Fahrt auf. 2.392.181 Impfspritzen sind schon gesetzt worden, womit bislang 93,8 Prozent aller erhaltenen Dosen aufgebraucht worden sind. Bereits immunisiert oder kurz davor sind 669.416 Personen, was knapp 7,9 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Und die Zahl aller bisher nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Personen, nämlich 536.932, bereits deutlich übertrifft. Außerdem haben knapp über 20 Prozent der Andalusier zumindest schon eine erste Impfdosis erhalten, mit der bereits ein Immunisierungsgrad zwischen 70 und 80 Prozent erreicht wird. Eine zusätzliche Beschleunigung der Impfkampagne ist durch das Vakzin von Janssen (Johnson & Johnson) zu erwarten, da von diesem nur eine Spritze verabreicht werden muss. Eine erste Ladung mit 26.000 Dosen dieses Impfstoffes, dessen Auslieferung sich verzögert hatte, ist diese Woche in Andalusien angekommen.

Rückgang der Fallzahlen und voranschreitende Impfkampagne lassen auf eine baldige Besserung der epidemiologischen Entwicklung hoffen, was eine mögliche Lockerung der Corona-Restriktionen nahelegt. Das Expertenkomitee, das die andalusische Landesregierung in der sanitären Krise berät, sollte eigentlich Mitte dieser Woche zusammentreten, seine Sitzung war im Vorfeld aber auf die kommende Woche vertagt worden. Weshalb die bislang geltenden Corona-Regeln, wie etwa die Abschottung der Region sowie die Abriegelung der einzelnen Provinzen untereinander, oder auch die nächtliche Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr vor ihrem Ablauf mit Ende des gestrigen Tages bis einschließlich 30. April verlängert worden sind.

Coronavirus in Andalusien: 104 Gemeinden abgeriegelt - 43 ohne Gastronomie

Ab dem heutigen Tag sind in Andalusien außerdem 104 Gemeinden, sechs mehr als bislang, wegen einer 14-Tages-Inzidenz über 500 zumindest für eine Woche isoliert. In 43 von ihnen, zehn mehr als bisher, müssen Gaststätten und nicht systemrelevante Geschäfte aufgrund einer Inzidenz über 1.000 geschlossen bleiben. In jenen Gemeinden wiederum, deren Gesundheitsdistrikte sich in der Alarmstufe 3 oder 4 befinden - in 18 der 34 andalusischen Distrikte ist dies der Fall – dürfen sie nur bis 20 Uhr anstatt bis 22.30 Uhr öffnen. Betroffen sind davon unter anderem auch vier der acht andalusischen Provinzhauptstädte, und zwar Almería, Córdoba, Granada und Sevilla.

Welche Corona-Regeln ab Mai gelten werden, wird die Landesregierung erst in der nächsten Woche beschließen. Wobei sie vor deren Festlegung erst noch den Obersten Andalusischen Gerichtshof konsultieren will. Denn mit Ablauf des nationalen Notstands am 9. Mai liegt in der Schwebe, welche Freiheiten von den Regionen auf Grundlage ihrer gesetzlichen Kompetenzen überhaupt noch in welcher Form eingeschränkt werden dürfen. Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno kritisierte denn auch die Entscheidung des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez, den Notstand nicht weiter zu verlängern. Ohne diesen hätte er keine rechtliche Handhabe mehr, um auf negative epidemiologische Entwicklungen zu reagieren. Wenn eine Gemeinde etwa einen Rummel oder eine Wallfahrt veranstalten will, könne er das ohne das Notstandsgesetz nicht verbieten, meint Moreno. Nicht einmal mehr eine Zwangsquarantäne für Corona-Infizierte könne er dann noch anordnen. 

Coronavirus in Andalusien: Ministerpräsident fordert Reisefreiheit für Immunisierte

In Andalusien stehen die Zeichen aber ohnehin eher auf Lockerungen der Restriktionen.  Das hat Juanma Moreno erst am gestrigen Donnerstag wieder durchblicken lassen. Ostern habe sich auf die Infektionskurve bei weitem nicht so negativ ausgewirkt wie das Weihnachtsfest, die Situation sei aktuell weitgehend unter Kontrolle und am Ende des Tunnels sei auch schon ein Licht auszumachen. Der andalusische Regierungschef ist daher zuversichtlich die Mobilitätsbeschränkungen ab Mai nach und nach reduzieren zu können. Nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Sommersaison, die dem Tourismussektor auf keinen Fall erneut vermiest werden soll. Moreno hat sich sogar dafür ausgesprochen den bereits immunisierten Personen schon jetzt innerhalb Spaniens eine Reisefreiheit einzuräumen. Die Oppositionsführerin Susana Díaz hält dies für keinen guten Einfall, während der andalusische Vizepräsident Juan Marin seinen Kabinettschef verteidigt und darin keine Diskrimierung zu sehen vermag.

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