Ein Frau mit Schutzmaske geht vor einem Supermarkt vorbei.
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Die schon wieder ansteigenden Corona-Fallzahlen deuten darauf hin, dass die vierte Infektionswelle in Andalusien bereits vor der Tür steht.

Neue Variante entdeckt

Coronavirus in Andalusien: Vierte Welle zeichnet sich bereits ab

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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In Andalusien deuten die Fallzahlen immer mehr auf den Beginn einer vierten Infektionswelle in der Region hin. Den Gesundheitsbehörden bereitet außerdem die Entdeckung einer neuen, bis dato noch unbekannten Coronavirus-Variante Sorgen.

Update, 9. April: Ende des Coronavirus Notstands in Spanien: Kann man zwischen den Regionen wieder frei reisen?

Update, 6. April: Inwieweit sich die Osterfeiertage negativ auf die epidemiologische Entwicklung in Andalusien ausgewirkt haben könnten, wird man erst ab Mitte April richtig einschätzen können. Einen klaren Anstieg verzeichnen die Infektions- wie auch die Patientenzahlen indes schon jetzt. Die 14-Tages-Inzidenz ist bereits auf 155,4 geklettert (Stand 5. April). Eine Woche zuvor hatte sie noch bei 137 gelegen. Die Auslastung der andalusischen Krankenhäuser nimmt ebenfalls deutlich zu. In den Hospitälern der Region befinden sich aktuell 1.218 Covid-Patienten, das sind 233 mehr als sieben Tage zuvor. Und in den Intenisvstationen müssen 282 Corona-Infizierte behandelt werden, 35 mehr als vor sieben Tagen.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Andalusien.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
HymneHimno de Andalucía
AutonomieSeit 11. Januar 1982

Neue Corona-Regeln: Regierungschef gegen Verschärfung der Restriktionen

Die aktuell in Andalusien geltenden Corona-Regeln verfallen am 9. April. Ob sie verlängert oder modifiziert werden, will die Landesregierung am morgigen Mittwoch entscheiden, nach der Sitzung des Expertenkomitees, das sie in der sanitären Krise berät. Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno hat sich, obwohl er die jüngste Entwicklung der Fallzahlen als besorgniserregend bewertet, gegen eine erneute Verschärfung der Restriktionen ausgesprochen. Mit den bisher geltenden Regeln meint Moreno die vierte Welle im Zaum halten zu können. In einem etwas anderen Ton hat sich hingegen sein Vize Juan Marín geäußert, der es in Betracht zieht, die Sperrstunde für Lokale und Geschäfte wieder auf 18 Uhr vorzuziehen.

Erstmeldung, 31. März: Sevilla - Am 28. März wurden in Andalusien 960 in stationärer Behandlung befindliche Covid-Patienten vermeldet. Erstmals seit dem 1. Januar dieses Jahres, als sich die dritte Coronavirus-Welle aufzubäumen begann, fiel die Zahl der Infizierten in den Hospitälern der Region unter die 1.000er-Marke. Ein Grund zur Freude, twitterte daraufhin der andalusische Präsident Juanma Moreno, aber noch lange kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen, räumte er zugleich ein. Denn die Patientenzahlen könnten auch wieder nach oben gehen.

Er sollte recht behalten, denn schon am Tag darauf stieg die Zahl der Covid-Patienten in den andalusischen Krankenhäusern erneut an und am 30. März war sie schon wieder bis auf 1.030 geklettert. In Intensivbehandlung befinden sich derzeit noch 243 Corona-Infizierte. Deren Zahl weist noch einen leichten Abwärtstrend auf, der sich zuletzt aber deutlich abgeschwächt hat. Der erneute Anstieg der Patientenzahlen ist eine logische Konsequenz der schon seit einer Woche wieder ansteigenden Infektionsrate.

Coronavirus in Andalusien: Infektionskurve biegt sich erneut nach oben

Am 29. März lag die 14-Tages-Inzidenz in Andalusien bei 137,7, etwas unter dem landesweiten Mittelwert, der sich an diesem Tag auf 149,3 belief – die weit niedrigere Inzidenz vom Tag darauf ist zu vernachlässigen, weil am 30. März wegen technischer Fehler bei der Datenübertragung nur ein kleiner Bruchteil der Infektionsfälle registriert werden konnte. Eine Woche zuvor, am 22. März, hatte die 14-Tages-Inzidenz noch bei 122,5 gelegen. Zuvor schwankte der Wert tagelang und lag mal knapp unter und mal knapp über 120.

Angesichts der nun wieder klar steigenden Tendenz der Infektionsrate musste der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre eingestehen, dass sich eine vierte Infektionswelle bereits deutlich abzeichnet. Aguirre appellierte auch einmal mehr an die Bevölkerung, auf Kontakte außerhalb der Wohngemeinschaften zu verzichten, um den Anstieg der Infektionszahlen möglichst im Zaum halten zu können. Vor Ostern hatte die Landesregierung daher auch von weiteren Lockerungen abgesehen und die Abschottung der gesamten Region sowie der acht andalusischen Provinzen untereinander beibehalten.

Den andalusischen Gesundheitsbehörden bereitet indes nicht nur die wohl kaum noch zu vermeidende vierte Welle große Sorgen, sondern auch die zunehmende Verbreitung neuer Coronavirus-Varianten. Nachdem die britische Variante in der Region bereits zur dominanten geworden ist und mit der südafrikanischen und einer aus Uganda stammenden noch zwei weitere Varianten festgestellt worden waren, ist nun noch eine ganz neue, bis dato unbekannte und auch noch unbenannte Variante entdeckt worden. Darüber, ob sie mehr oder weniger infektiös ist, ob die Infektion mehr oder weniger gravierend verläuft oder ob die vorhandenen Vakzine vor einer Ansteckung schützen oder nicht, weiß man noch gar nichts.

Corona-Schutzimpung in Andalusien: Erst knapp sechs Prozent der Bevölkerung immun

Den Andalusiern werden noch einige komplizierte Wochen und Monate bevorstehen, mutmaßt denn auch ihr Regierungschef Juanma Moreno. Zumindest bis wenigstens die Hälfte der Einwohner immun gegen das Coronavirus ist, meint Moreno. Und bis jetzt konnten gerade mal 5,8 Prozent der Bevölkerung immunisiert werden. Verabreicht wurden in der Region bisher 1.404.287 Impfdosen (Stand 30. März), immerhin 95,4 Prozent aller erhaltenen Dosen. Und die zweite zur Immunisierung erforderliche Impfspritze haben schon 505.191 Personen erhalten, bereits mehr als die 500.585 Andalusier, die sich bislang nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben. Demnach müssten schon über eine Million der insgesamt knapp 8,5 Millionen Einwohner der Region über Antikörper verfügen.

Die andalusische Impfkampagne konzentriert sich zurzeit vor allem auf die Senioren. Die Personen der Altersgruppe über 80 Jahre sind schon bald durchgeimpft.

Ausgeliefert wurden in Andalusien bislang 1.472.070 Impfdosen, 999.270 von Pfizer, 111.200 von Moderna und 111.200 von AstraZeneca. Die Impfkampagne konzentriert sich aktuell vor allem noch auf die Personen in der Altersgruppe über 80 Jahre und auf die systemtragenden Beschäftigten wie etwa Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute oder Zivilschützer. Die Durchimpfung der Personen über 80 Jahre mit dem Impfstoff von Pfizer nähert sich bereits ihrem Ende. Ab Mitte April soll dann die Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen an die Reihe kommen.

Bei den genannten systemrelevanten Berufsgruppen steht nun die Impfung der 55- bis 65-Jährigen an, die zunächst außen vor geblieben waren, da sie mit dem Vakzin von AstraZeneca geimpft werden, das zunächst nur an Personen unter 55 Jahre verabreicht werden durfte, unlängst aber auch für Personen bis 65 Jahre freigegeben wurde. Mit dem Impfstoff von AstraZeneca hat man in Andalusien auch schon begonnen, die allgemeine Bevölkerung zu impfen, beginnend mit der Altersgruppe der 55-bis 65-Jährigen, und zwar ab Geburtsjahr 1956 abwärts.

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