Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt von Málaga.
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Ruhig und beschaulich soll das Fest sein: Zu Weihnachten gilt es in diesem Jahr vor allem, große Menschenansammlungen zu verhindern.

Angst vor dritter Welle

Coronavirus in Andalusien: Was wird aus Weihnachten?

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die Infektionskurve ebbt in Andalusien bereits deutlich ab, und auch die Belegungszahlen der Krankenhäuser sinken langsam. Vor Weihnachten will die Landesregierung die Corona-Restriktionen lockern, aber nicht zu sehr, denn die Angst vor einer neuen Infektionswelle ist groß.

  • Fallzahlen entwickeln sich in Andalusien positiv, befinden sich aber noch auf relativ hohem Niveau.
  • Landesregierung will zu Weihnachten geltende Corona-Restriktionen erst am 10. Dezember beschließen.
  • Vorgaben der Zentralregierung legen landesweit einheitlichen Rahmen vor.

Update, 7. Dezember: Gespannt blicken viele Andalusier dem 10. Dezember entgegen. An diesem Tag nämlich will Andalusiens Ministerpräsident Juanma Moreno bekannt geben, welche Restriktionen ab Samstag, 12. Dezember, gelten sollen. Auch die Regelungen für die Weihnachtsfeiertage will er am Samstag darlegen. Moreno appellierte an die Vernunft und erinnerte daran, dass sich jegliche Exzesse und unverantwortliches Handeln im Dezember sich im Januar negativ bemerkbar machen wird.

Mehr zur Corona-Deeskalation zu Weihnachten in Andalusien.

AndalusienSpanische autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 km²
Bevölkerung8,427 Millionen (Stand 2019)
HauptstadtSevilla

Sevilla – Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist in Andalusien mittlerweile auf 270 pro 100.000 Einwohner gesunken, weniger als die Hälfte des am 9. November mit 620 erreichten Höchstwertes, aber noch immer über dem landesweiten Mittelwert, der sich zurzeit auf 251 beläuft (Stand 2. Dezember). Über dem regionalen Durchschnitt liegen fünf der acht andalusischen Provinzen. Neuer Spitzenreiter ist Jaén, mit einer Infektionsrate von 363,7, vor Cádiz mit 348,87 und dem bisherigen Sorgenkind Granada mit 342,7. Dahinter folgen die einstigen Musterschüler Huelva mit 327,9 und Almería mit 304,5. Unter dem regionalen Durchschnitt liegen Córdoba mit 230,4, Sevilla mit 212,4 sowie Málaga - der Coronavirus-Hotspot der ersten Infektionswelle im Frühjahr – mit 187,4. Die klar abnehmende Tendenz belegt die Infektionsrate der letzten sieben Tage, die sich in Andalusien auf 96 pro 100.000 Einwohner beläuft. Jetzt gilt es, die absteigende Tendenz auch über Weihnachten beizubehalten.

Coronavirus in Andalusien kurz vor Weihnachten: Neuinfektionen gehen deutlich zurück, Hospitäler noch stark ausgelastet

Kontinuierlich zurückgegangen ist zuletzt auch die Auslastung der andalusischen Krankenhäuser. In diesen befinden sich wenige Wochen vor Weihnachten derzeit 1.998 Covid-Patienten, das sind 689 weniger als noch vor einer Woche. Auf den Intensivstationen der Hospitäler müssen 404 Corona-Infizierte behandelt werden, 79 weniger als sieben Tage zuvor. Von allen Krankenhausbetten sind aktuell 11,89 Prozent mit Covid-Patienten belegt, knapp über dem landesweiten Mittelwert von 11,52 Prozent. Und von den Intensivbetten sind 24,13 Prozent mit Corona-Infizierten in kritischem Zustand belegt, während der Durchschnitt in Spanien bei über 26,3 Prozent liegt. Neue Infektionsfälle sind am gestrigen Mittwoch 1.352 vermeldet worden. Die Zahl der wieder genesenen Infizierten übertraf jene der Neuinfizierten mit 3.126 deutlich, während 87 Personen mit Covid-19 – vierthöchster Wert überhaupt – verstarben. Da seit Beginn der Pandemie in Andalusien 233.921 Infektionsfälle registriert wurden, von diesen 130.076 wieder geheilt und 4.208 verstorben sind, beläuft sich die Zahl der aktiven Virusträger in der Region momentan auf 99.637.

Vor diesem Hintergrund eröffnet sich die Frage, inwieweit die Landesregierung die Corona-Restriktionen, auch im Hinblick auf Weihnachten, lockern oder aufrechterhalten wird. Die aktuellen Corona-Regeln gelten noch bis zum 10. Dezember. Diese besagen unter anderem, dass Andalusien nach außen abgeschottet ist und nach innen alle Gemeinden voneinander isoliert sind. Außerdem dürfen nicht systemrelevante Geschäfte – ausgenommen Spielzeugläden und jene mit Haustierbedarf – sowie Gaststätten nur bis 18 Uhr öffnen. Über diese Zeit hinaus dürfen Bars und Restaurants lediglich Essen ausgeben oder ausliefern, aber keine Kunden mehr in ihren Lokalen bedienen. Welche Regeln nach dem 10. Dezember gelten werden, will die Landesregierung erst an diesem Tag entscheiden, nach einer neuerlichen Sitzung des Expertenkomitees, welches das Regierungskabinett in der Corona-Krise berät und in dem neben Gesundheits- auch Wirtschaftsexperten sitzen.

Positive Entwicklung der Corona-Fallzahlen in Andalusien - aber noch kein Grund zur Euphorie

Nicht zu leugnen ist, dass die jüngste Entwicklung der Fallzahlen in Andalusien eine sehr positive ist. Ebenso wenig umstritten ist aber auch, dass sich die Belastung der Krankenhäuser noch auf einem relativ hohen Niveau befindet, was für die täglich Zahl der Todesfälle noch umso mehr gilt. Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre erklärt daher auch, dass seine Aufgabe nicht sei, Weihnachten zu retten, sondern Menschenleben. Und auch sein Vorgesetzter, Ministerpräsident Juanma Moreno, warnt, dass die schweren, über Monate gebrachten Opfer - womit er auf die Mobilitätsbeschränkungen und sonstigen Restriktionen anspielt -, in nur wenigen Wochen aufs Spiel gesetzt werden könnten, wenn man über Weihnachten alle Corona-Vorsichtsmaßnahmen wieder außer Acht lässt und das Fest zu ausgelassen feiert.

Einerseits will die andalusische Landesregierung den Bürgern mehr Freiheiten einräumen, um ihnen mehr Spielraum zu gewähren, wie sie Weihnachten und den Jahreswechsel letztlich verbringen können. Und auch dem Handel und der Gastronomie will man gerne längere Öffnungszeiten zugestehen, zumal sie seit Monaten unter der Krise leiden und das Weihnachtsgeschäft für viele einen großen Anteil an ihrem Umsatzvolumen hat. Andererseits aber fürchtet die Landesregierung die dritte Infektionswelle, die umso früher und heftiger über die Region schwappen könnte, je mehr man die Zügel jetzt schweifen lässt. Die Entscheidung über die Corona-Restriktionen zum Jahreswechsel vertagt das Kabinett von Juanma Moreno auf den 10. Dezember, um sie mit Daten in der Hand treffen zu können, die möglichst nah an die Weihnachtstage heranreichen. Und vieles, so der Regierungssprecher Elías Bendodo, werde davon abhängen, wie sich die Fallzahlen bis dahin weiter entwickeln – und wohl auch wie sich die Bürger am bevorstehenden, verlängerten Brückenwochenende verhalten.

Einheitliche Regelungen für das ganze Land und Spielraum für regionale Restriktionen

Was hinsichtlich der Corona-Restriktionen bereits feststeht, sind jene Regelungen für Weihnachten, auf die sich Gesundheitsminister Salvador Illa am gestrigen Mittwoch mit einem Großteil der Landesregierungen geeinigt hat. Demnach werden alle spanischen Regionen vom 23. Dezember bis 6. Januar abgeschottet sein. Für Familienzusammenschlüsse wird man die regionalen Grenzen indes schon passieren dürfen, nicht aber für Urlaubsreisen. Und Familienfeiern wie Weihnachtsessen werden auf maximal zehn Personen, einschließlich Kinder beschränkt sein. Die nächtliche Sperrstunde wird zumindest für die Feiertage (am 25. und 26. Dezember sowie 1. Januar) bis 1.30 Uhr verlängert, um von den Familientreffen nicht ganz so früh zurückkehren zu müssen. Die einzelnen Regionen können diese Rahmenbedingungen aber durch eigene Regeln ergänzen. Die Region Valencia etwa hatte bereits vor dem Treffen mit Illa angekündigt, wie sie sich die Corona-Regeln an der Costa Blanca über Weihnachten vorstellt.

Was bislang noch offen ist und die Autonomen Gemeinschaften selbst werden festlegen können, sind etwa die Öffnungszeiten von Handel und Gastronomie, sofern sie überhaupt öffnen dürfen, sowie die Mobilität innerhalb der Regionen über Weihnachten. Die andalusische Regierung tendiert einer Aussage des Vizepräsidenten Juan Marín zufolge dazu, eine Mobilität innerhalb der einzelnen Provinzen, aber nicht zwischen diesen zuzulassen. Und was Geschäfte und Lokale anbetrifft, hält Marín eine Verlängerung der Öffnungszeiten bis 20 oder 21 Uhr für möglich. Für den andalusischen Gaststättenverband Horeca ist dies entschieden zu wenig. Dieser fordert, bis Mitternacht öffnen zu dürfen, wofür auch die nächtliche Sperrstunde, die in Andalusien aktuell ab 22 Uhr gilt entsprechend verlängert werden müsste. Das wirtschaftliche Überleben etlicher Bars und Restaurants und damit auch deren Arbeitsplätze würden laut Horeca davon abhängen, nicht nur tagsüber, sondern auch an den Abenden zu funktionieren.

Weihnachten in Corona-Zeiten: Kreativ sein, zuhause bleiben und im Familienkreis feiern

Die Regelungen, die letztlich getroffen werden, sollen möglichst in ganz Andalusien einheitlich gelten. Festlegen will sich die Landesregierung dahingehend aber nicht ganz. Denn sollte eine Provinz oder auch ein Gesundheitsdistrikt hinsichtlich der Fallzahlen aus dem Rahmen fallen, könnten für diesen verschärfte Restriktionen gelten. Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno appelliert schließlich an die Bevölkerung  jetzt, über Weihnachten und auch danach verantwortungsbewusst zu handeln - und sich für die festlichen Tage Alternativen einfallen zu lassen, denn zu großen Menschenansammlungen dürfe es nicht kommen und Massenevents, wie die vor Corona üblichen Silvesterpartys oder die Dreikönigsumzüge, das stehe jetzt schon fest, werde es keine geben. Er hoffe, dass man den fürchterlichen Albtraum, der die Pandemie letztlich sei, bald vergessen könne, aber Weihnachten werde man in diesem Jahr auf keinen Fall wie noch im letzten feiern können.

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