Politiker besichtigen einen Operationssaal des Hospital Clinico Universitario in Málaga.
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Da nicht dringende Operationen zurzeit ausgesetzt sind, werden in vielen Krankenhäusern Operationssäle für die Aufnahme kritischer Covid-Patienten genutzt.

Druck auf Hospitäler wächst

Covid-Fälle in Andalusien: Notfallplan soll Krankenhäuser aufrüsten

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die Zahl der Covid-Patienten in Andalusien hat den Höchststand der ersten Corona-Welle bereits überschritten und nähert sich dem Rekordwert der zweiten Welle. Ein Notfallplan der Landesregierung soll das Gesundheitswesen auf das Schlimmste vorbereiten.

Update, 27. Januar: Der Plan 4.500 der andalusischen Landesregierung, der das Gesundheitswesen der Region auf einen Höchststand von bis zu 4.500 Covid-Patienten vorbereiten sollte, droht nur eine Woche nach seiner Verabschiedung bereits hinfällig zu werden. In den regionalen Krankenhäusern befinden sich aktuell bereits 4.268 Corona-Infizierte, 606 von ihnen in Intensivbehandlung (Stand 27. Januar). Und die Zahlen dürften Experten zufolge noch weiter ansteigen, sodass die 4.500 schon bald überschritten werden könnte. Weshalb das Kabinett des Ministerpräsidenten Juanma Moreno am gestrigen Dienstag bereits einen Nachfolgeplan beschlossen hat, den Plan 7.500.

Dieser soll das Gesundheitswesen auf bis zu 7.500 Covid-Patienten vorbereiten. Zu diesem Zweck soll die Zahl aller verfügbaren Krankenhausbetten auf 15.384 und jene der Intensivbetten auf 2.622 aufgestockt werden. Hierfür sollen unter anderem mehr als 500 Operationssäle vorübergehend in Intensivstationen verwandelt werden. Außerdem sollen alle Hospitäler jeweils ihre eigenen Notfallpläne aktivieren. In diesem Sinne hat das Hospital de Torrecárdenas in Almería zum Beispiel schon begonnen Patienten in das anliegende Mutter-Kind-Krankenhaus zu verlegen, um Platz für Covid-Patienten zu schaffen und schult das Hospital Regional in Málaga Ärzte anderer Fachrichtungen in der Behandlung von Corona-Infizierten.

Notfallplan der Landesregierung: Verlegung von Patienten in private Kliniken

Außerdem bezieht der Plan 7.500 erstmals auch das private Gesundheitswesen mit ein und unterstellt dieses quasi dem Kommando des Landesgesundheitsministeriums. So ist etwa vorgesehen, zwischen zehn und 15 Prozent der Nicht-Covid-Patienten in den öffentlichen Krankenhäusern zu deren Entlastung in private Kliniken zu verlegen. Erwogen wird auch eine Verlegung von Covid-Patienten in andere Provinzen. In erster Linie jene aus den Provinzen Málaga und Cádiz, wo die Krankenhäuser am ehesten an die Grenzen ihrer Kapazitäten zu gelangen drohen. Diese könnten in Hospitäler der Provinzen Granada, Córdoba oder Sevilla gebracht werden.

Erstmeldung, 21. Januar: Sevilla – Die Auslastung der Krankenhäuser in Andalusien wegen der Coronavirus-Pandemie nimmt stetig weiter zu. Momentan befinden sich in der Region 2.894 Covid-Patienten in einem Hospital, 406 von ihnen in Intensivbehandlung (Stand 21. Januar). Zurzeit werden Tag für Tag über 200 neue Einlieferungen von Corona-Infizierten registriert und müssen täglich mehr als 20 in kritischem Zustand auf die Intensivstation verlegt werden. Die Ende März erreichten Höchststände der ersten Infektionswelle, als 2.708 Covid-Patienten stationär behandelt werden mussten und 438 auf der Intensivstation um ihr Leben rangen, werden bereits eingeholt. Und die Mitte November erzielten Rekordwerte der zweiten Welle mit 3.487 Corona-Infizierten in den Krankenhäusern, davon 528 auf der Intensivstation könnten auch noch gebrochen werden, denn Experten schätzen, dass die Zahlen noch mindestens zwei bis drei Wochen weiter anwachsen dürften. Während sich die Durchimpfung der Bevölkerung noch um einiges länger hinziehen wird.

Notfallplan der Landesregierung: Vorbereitung der Spitäler für bis zu 4.500 Covid-Patienten

Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung der Patientenzahlen und der noch dramatischeren Prognosen hat die andalusische Regierung - wie schon in der ersten und zweiten Corona-Welle - wieder einen Notfallplan aktiviert, der einen Zusammenbruch des Gesundheitswesens verhindern soll. Der „Plan 4.500“ benannte Notfallplan soll die Krankenhäuser der Region darauf vorbereiten, bis zu 4.500 Covid-Patienten versorgen zu können. Hierfür könnte die Zahl der Krankenhausbetten um 2.013 auf bis zu 15.280 und jene der Intensivbetten um 1.179 auf bis zu 2.605 erhöht werden. Die neuen Intensivplätze sollen unter anderem in Operationssälen geschaffen werden, die derzeit keine chirurgische Aktivität aufweisen. Dem Notfallplan entsprechend haben die Hospitäler nämlich wieder begonnen Operationen zu verschieben, ausgenommen Notfall- und Krebsoperationen.

Der Plan 4.500 der Landesregierung schlüsselt die vorgesehene Erhöhung der sanitären Kapazitäten auch nach Provinzen auf. In der Provinz Málaga zum Beispiel soll die Zahl der Krankenhausbetten von 2.226 auf 2.506 aufgestockt werden und jene der Intensivbetten von 266 auf 441. Das Hospital Clínico Universitario beispielsweise hat bereits den Fitnessraum der Reha-Abteilung hierfür in Beschlag genommen. Zuvor bereits war auch schon eine ehemalige Cafeteria des Personals für die Unterbringung von Patienten hergerichtet und mit 22 Betten gefüllt worden. Die Corona-Schutzimpfungen, die bislang dort durchgeführt wurden, mussten in den Konferenzsaal des Spitals verlegt werden. Für den Höhepunkt der dritten Welle rechnen die andalusischen Gesundheitsbehörden in der Provinz Málaga mit einem Spitzenwert von 982 Covid-Patienten, von denen bis zu 147 eine Intensivbehandlung erfordern könnten.

Notfallplan der Landesregierung: Hotels, Herbergen oder Sporthallen als Ersatzhospital

Der Notfallplan sieht außerdem vor, dass eine Reihe von Einrichtungen, vornehmlich zurzeit geschlossene Hotels oder Jugendherbergen, bei Bedarf in Nothospitäler verwandelt werden könnten. Auf diese Weise könnten andalusienweit bis zu 5.271 zusätzliche Betten für Covid-Patienten bereitstehen. In der Provinz Málaga etwa würde neben der Residencia de Tiempo Libre in Marbella das Feldlazarett zur Verfügung stehen, dass schon im vergangenen Frühjahr in der Sporthalle Centro Deportivo El Carranque eingerichtet worden war, bisher aber noch nicht genutzt werden musste. In der Provinz Almería könnten im Hotel AR Almerimar in El Ejido oder in der Residencia de Tiempo Libre de Aguadulce in Roquetas notfalls Covid-Patienten untergebracht werden, während in Granada wiederum das ehemalige Krankenhaus Hospital San Cecilio bereit stehen würde.

In Málaga steht für den Fall, dass die Zahl der Covid-Patienten weiterhin drastisch ansteigen sollte, ein Feldlazarett bereit, das in einer Sporthalle eingerichtet worden war.

In der dritten Corona-Welle steige die Infektionskurve quasi vertikal an, bedauert der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno die aktuelle epidemiologische Entwicklung. Mit dem Plan 4.500 bereite sich die Landesregierung aber auf das Schlimmste vor. Das Gesundheitswesen, so Moreno, werde mit dem Plan gestärkt, um die beschleunigte Ausbreitung der Pandemie im Griff behalten zu können.

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