Juanma Moreno während einer Videokonferenz der Länderchefs mit dem spanischen Präsidenten Pedro Sánchez..
+
Der andalusische Präsident plädiert für die Krankenhausdistrikte als territorialen Maßstab für den Ausstieg aus den Corona-Maßnahmen.

Bereit für Phase 1

Ausstieg aus Coronavirus-Maßnahmen: Almería und Huelva in den Startlöchern

  • vonJosé Antonio Nieto
    schließen

Bei der Lockerung der strengen Maßnahmen gegen das Coronavirus sollen die Provinzen in unterschiedlichem Tempo voranschreiten. In Andalusien könnten Almería und Huelva vorausgehen.

  • Andalusien schlägt Krankenhausdistrikte statt Provinzen als Maßstab für die Deeskalation vor.
  • Von 33 Distrikten weisen in der Region 25 eine positive Entwicklung der Pandemie auf.
  • Ihr Manko sind indes ihre zum Teil geringeren medizinischen Kapazitäten.

Almería - Bis zum Mittwoch sollen die Autonomen Gemeinschaften dem spanischen Gesundheitsministerium Vorschläge unterbreiten, welche ihrer Territorien zum 11. Mai gemäß dem Vier-Stufen-Plan der Zentralregierung zur Deeskalation bereits von der Phase 0 in die Phase 1 übergehen könnten. Nach den Plänen der spanischen Regierung sollen zur Lockerung der Regelungen wegen der Coronavirus-Pandemie die Provinzen als territoriale Einheit dienen.

Das Kabinett von Ministerpräsident Pedro Sánchez schließt aber auch andere Alternativen wie etwa die Krankenhausdistrikte nicht aus, was unter anderem die andalusische Landesregierung zuletzt wiederholt gefordert hat. Bleibt es indes dabei, dass das Tempo der Deeskalation nach Provinzen unterschieden wird, haben in Andalusien Almería und Huelva die besten Karten schneller als andere voranzuschreiten. In beiden Fällen ist in der letzten Woche nur mehr die Zahl der wieder geheilten Virusträger stetig angestiegen.

Mehrheit der Infizierten geheilt

In der Provinz Almería liegt die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Personen nach aktuellem Stand bei 595, während an der Covid-19-Krankheit bislang 49 Personen verstorben sind. Da 349 Infizierte schon wieder gesund geschrieben werden konnten, hat sich die Zahl der aktiven Virusträger auf 197 reduziert. In den Krankenhäusern der Provinz, in denen insgesamt 208 Personen behandelt werden mussten, befinden sich zur Zeit nur noch 27 und in den Intensivstationen der Hospitäler, in denen bisher 37 Patienten eingewiesen werden mussten, verweilen nur noch vier von ihnen.

In der Provinz Huelva wiederum sind seit Ausbruch der Pandemie bisher 466 Personen positiv auf das Virus getestet worden und hat das Coronavirus mittlerweile 30 Todesopfer gefordert. Wieder genesen sind 212 Infizierte, sodass die Zahl der aktiven Virusträger mit 211 fast identisch ist. In den Krankenhäusern, in die 220 Infizierte eingeliefert werden mussten, befinden sich noch 16 und in den Intensivstationen, in denen 30 Patienten behandelt werden mussten, liegen nur noch fünf an Covid-19 erkrankte Personen. Wie in der Provinz Almería blieben die Zahlen der Verstorbenen, der Krankenhauseinlieferungen sowie der Einweisungen in die Intensivstationen in den letzten Tagen mehrmals ohne Zuwächse.

Andalusienweit liegt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen bei 14.287, während die Covid-19-Krankheit 1.256 Todesofer gefordert hat und die Zahl der wieder geheilten Virusträger inzwischen auf 6.897 angestiegen ist. Hinsichtlich der Zahl der Neuinfizierten und der Verstorben sind am vergangenen Wochenende die niedrigsten Werte seit Ausrufung des Notstandes registriert worden und die Zahl der aktiven Virusträger liegt mit 6.134 bereits unter jener der vermeintlich Immunisierten.

Auslastung der Hospitäler sinkt

Und auch in den Krankenhäusern der Region entspannt sich die Lage zusehends. Von den insgesamt 5.961 Personen, die einer stationären Behandlung bedurften, befinden sich derzeit nur 597 in den Hospitälern - am 30. März waren es noch 2.708 gewesen.  Und auf den Intensivstationen, die bislang insgesamt 736 Covid-19-Patienten aufnehmen mussten, befinden sich nur 142 Personen – der am 31. März erreichte Spitzenwert hatte noch 438 betragen.

Die Kehrseite zu Almería und Huelva stellen in Andalusien die Provinzen Granada, Málaga und Sevilla dar, wo die Infektionszahlen eine weit weniger positive Entwicklung aufweisen. Aber auch hier gibt es einige überwiegend ländliche Zonen, die von der Pandemie in deutlich geringerem Maße betroffen sind, als etwa die urbanen Ballungsgebiete. Eben deshalb beharrt die Landesregierung darauf, die Krankenhausdistrikte als Maßstab für die Deeskalation zu verwenden, damit auch in diesen Gebieten der „Lockdown“ schneller aufgehoben werden kann.

Laut dem andalusischen Präsidenten kämen 25 der insgesamt 33 Krankenhausdistrikte in Frage, um zum 11. Mai bereits in die Phase 1 eintreten zu können, da in diesen in den letzten 14 Tagen pro 100.000 Einwohner weniger als zehn Neuinfizierte registriert worden seien. Dagegen spricht, dass es sich mehrheitlich um jene Distrikte mit geringeren medizinischen Kapazitäten wie Intensivbetten handelt, die überwiegend auf die großen Hospitäler der Provinzhauptstädte konzentriert sind.

Gesundheitswesen muss gewappnet bleiben

Das spanische Gesundheitsministerium fordert nämlich für die fortschreitende Deeskalation nicht nur eine positive epidemiologische Entwicklung, sondern auch eine ausreichende Ausstattung des Gesundheitswesens, um einen plötzlichen Wiederanstieg der Infektionsfälle kontrollieren zu können. Wobei die als Minimum geforderten Kapazitäten nicht alle permanent vorhanden, sondern bei Bedarf verfügbar sein müssen, um sie innerhalb von fünf Tagen nutzen zu können.

Gefordert werden vom Gesundheitsministerium zum Beispiel zwischen 1,5 und zwei Intensivbetten pro 10.000 Einwohner. Andalusien müssten demnach über eine Reserve von 1.275 bis 1.600 Intensivbetten verfügen. Außerdem fordert das Ministerium, dass während der Coronavirus-Krise in den Hospitälern zusätzlich eingestellte Fachkräfte weiter im Dienst bleiben und dass auch in den Gesundheitszentren das Personal verstärkt wird.

Während eines Mitte April aktivierten Notfallsplans, der mit dem Abfallen der Infektionsfálle wieder deaktiviert wurde, standen in Andalusien bereits fast 1.400 Intensivbetten bereit, 833 in öffentlichen, 244 in privaten und an die 300 in Notkrankenhäusern. So hatte die Landesregierung unter anderem im Sportzentrum Ciudad Deportiva del Carranque in Málaga ein Behelfskrankenhaus eingerichtet, das in der Folge aber nie zum Einsatz kommen sollte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare