Zwei medizinische Fachkräfte in Schutzausrüstung.
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Das medizinische Fachpersonal ist einer besonders hohen Infektionsgefahr ausgesetzt.

Mit dem Coronavirus Infizierte ermitteln

Coronavirus in Andalusien: Schnelltests für Krankenhäuser und Seniorenheime

  • vonJosé Antonio Nieto
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Wegen ihrer Infektionsrate beziehungsweise ihrer Sterberate bereiten die Hospitäler und die Seniorenresidenzen der andalusischen Landesregierung in der Pandemie besondere Sorgen. Mit Schnelltests sollen Infektionen ermittelt werden.

  • Andalusien führt wenige Labortests, dafür aber umso mehr Schnelltests durch.
  • Im Gesundheitswesen hat sich etwa zehn Prozent des gesamten Personals infiziert.
  • Ärztegewerkschaft fordert mehr Schutzausrüstungen für medizinische Fachkräfte.

Sevilla - Bei der Durchführung von Labortests hinkte Andalusien nach Ausbruch der Coronavirus-Pandemie den übrigen spanischen Regionen hinterher – eher wegen eines Mangels an solchen Tests als aufgrund von fehlenden Laborkapazitäten. In Sachen Schnelltests hingegen sticht die Region im landesweiten Vergleich als Vorreiter hervor. Wobei die Tests in erster Linie auf die Krankenhäuser und die Seniorenheime konzentriert werden.

Im Gesundheitswesen ist nach Angaben der andalusischen Landesregierung mit der Durchführung von etwa 100.000 Schnelltests begonnen worden. Einem Test sollen sowohl Mitarbeiter mit als auch ohne Covid-19- Symptomen unterzogen werden. Fällt der Schnelltest negativ aus, soll er nach sieben Tagen wiederholt werden. Fällt er hingegen positiv aus, wird die Testperson anschließend noch einem Labortest unterzogen, um nach einer Quarantäne und dem Abklingen der Symptome erneut getestet zu werden.

Zuvor waren im Gesundheitswesen bereits an die 13.000 Labortests durchgeführt worden. Dabei waren 2.556 Infektionsfälle bekannt geworden, unter denen sich Ärzte, Krankenpfleger und Pflegehelfer, aber auch sonstiges Krankenhauspersonal wie Reinigungskräfte, Köche, Fahrer oder Verwaltungsangestellte befanden. Mit dem Coronavirus infiziert haben sich demnach etwa zehn Prozent des gesamten medizinischen Personals der Region, wobei 992 der Betroffenen schon wieder als geheilt gelten.

Über dem nationalen Durchschnitt

Von allen in Andalusien bislang nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Personen, sind mehr als 21 Prozent medizinische Fachkräfte. Damit liegt die Region deutlich über dem nationalen Durchschnitt, der sich auf weniger als 16 Prozent beläuft. Anderseits ist die Infektionsrate in Andalusien im landesweiten Vergleich relativ niedrig, da in der Region, obwohl sie rund 18 Prozent der Gesamtbevölkerung auf sich vereint, nur 5,6 Prozent aller in Spanien bisher diagnostizierten Infizierten leben.

Auf der anderen Seite ist in Andalusien aber auch das Personal im Gesundheitswesen knapper bemessen, denn sein Anteil an allen Beschäftigten des Sektors beläuft sich landesweit bloß auf 15 Prozent. Mit Missmut werden in dem Sektor daher die Pläne der Landesregierung gesehen, die nach einem allmählichen Abflachen der Infektionskurve in den Krankenhäusern alsbald zu einem regulären Betrieb zurückkehren will.

Kritisch hat sich vor allem die andalusische Ärztegewerkschaft geäußert, die eine bessere Materialausstattung der Mediziner und Pflegekräfte fordert, wenn in den Hospitälern die Normalität zurückkehren soll. Wegen fehlender Schutzausrüstungen hatte die Gewerkschaft bereits juristische Schritte eingeleitet und vom Obersten Andalusischen Gerichtshof auch schon eine einstweilige Verfügung erwirkt, damit die Landesregierung allen Beschäftigten das benötigte Material bereitstellt.

Zweite Testwelle in Seniorenheimen

An die Seniorenresidenzen der Region hat die andalusische Regierung derweil 79.200 Schnelltests verteilt, um sowohl die Heimbewohner als auch das Personal der Residenzen auf das Coronavirus zu testen. Damit soll eine zweite Testwelle durchgeführt werden, nachdem währende der vergangenen Wochen bereits 73.078 Tests realisiert worden waren. Diesen wurden 43.619 Heimbewohner unterzogen, von denen 761 ein positives Ergebnis lieferten, sowie 29.468 Pfleger und Betreuer, von denen wiederum 266 eine Infektion aufwiesen.

Die Seniorenheime bereiten den andalusischen Gesundheitsbehörden seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie besonders große Sorgen. Zwar liegt die Infektionsrate unter dem regionalen Durchschnitt, in den Residenzen wurden jedoch mehr als 30 Prozent der Covid-19-Todesopfer in Andalusien registriert. Die Landesregierung hatte daher den Heimbewohnern, die nachweislich nicht infiziert sind, freigestellt, die Residenzen zu verlassen, wenn sie eine Möglichkeit haben, bei Angehörigen unterzukommen und gepflegt zu werden.

Zwei Monate Garantie auf Heimplatz

Für all jene Senioren, die diese Option wahrgenommen haben, hat die andalusische Regierung nun eine Garantie auf ihren Heimplatz festgelegt, die erst nach 60 Tagen abläuft. Für die Residenzen hat sie im Gegenzug eine Übernahme der Heimkosten für diese Zeit durch die öffentliche Hand beschlossen, damit die Heimbetreiber durch die Regelung keine finanziellen Einbußen erleiden müssen.

Außerdem hat die andalusische Regierung den Mitte März wegen der Coronavirus-Pandemie beschlossenen Aufnahmestopp für Seniorenresidenzen aufgehoben, was auch für andere Einrichtungen wie Behindertenheime gilt. Ab dem 27. April sollen Neueinzüge wieder erlaubt sein, wobei sich die Senioren vier Tage vorher einem Labortest und am Tag der Aufnahme noch einem Schnelltest unterziehen müssen, um eine Infektion ausschließen zu können. Selbst dann müssten sie nach ihrem Einzug zunächst sieben Tage lang isoliert bleiben.

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