Gleichzeitige Impfung einer Betreuerin und einer Bewohnerin eines Seniorenheims.
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Die Durchimpfung der Bewohner und Betreuer der andalusischen Seniorenheime konnte bereits weitgehend zu Ende gebracht werden.

Zu wenig Impfdosen

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Kampagne gerät ins Stocken

  • José Antonio Nieto
    vonJosé Antonio Nieto
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Andalusien kritisiert, bei der Verteilung der Impfdosen durch den spanischen Staat benachteiligt zu werden. Ernste Sorgen bereitet den Gesundheitsbehörden außerdem die zunehmende Ausbreitung neuer Coronavirus-Varianten.

Sevilla – In Andalusien sind bislang 1.165.989 Schutzimpfungen gegen das Coronavirus verabreicht worden (Stand 18. März), das sind 88,71 Prozent der in der Region ausgelieferten Impfdosen. Die zweite zur Immunisierung erforderliche Spritze haben bereits 383.633 Personen erhalten, das sind rund 4,3 Prozent der andalusischen Bevölkerung. Immunisiert sind vorwiegend Senioren, Heimbewohner und deren Betreuer, Pflegefälle sowie Beschäftigte des Gesundheitswesens, die in der Impfkampagne Priorität haben. Von allen Einwohnern über 80 Jahre haben rund 25 Prozent bereits beide Impfspritzen und mehr als die Hälfte zumindest eine Dosis bekommen.

Corona-Schutzimpfung in Andalusien: Durchimpfung gefährderter Berufsgruppen verzögert sich

Nach diesen Kollektiven genießen besonders gefährdete Berufsgruppen wie Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute oder Zivilschützer Vorrang. Deren bereits angelaufene Durchimpfung ist jedoch schwer ins Stocken geraten, weil für sie größtenteils das in Spanien Personen unter 55 Jahren vorbehaltene Vakzin von AstraZeneca vorgesehen worden war. Und dessen Nutzung war landesweit ausgesetzt worden, nachdem sich drei Fälle von Thrombosen ereignet hatten und in Marbella zuletzt sogar eine 43-jährige Lehrerin nach Erhalt der Impfspritze gestorben war. 123.210 bereits verfügbare  Impfdosen von AstraZeneca bleiben in Andalusien vorerst noch in den Regalen der Lagerhallen, ab Mittwoch kommender Woche soll das Vakzin von AstraZeneca indes schon wieder verabreicht werden.

Sehr verärgert ist der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre zurzeit indes aus einem ganz anderen Grund. Und zwar, weil er sich bei der Verteilung der Impfdosen durch die spanische Zentralregierung benachteiligt fühlt. Entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße würden der Region 17,9 Prozent der Impfdosen zustehen, mit denen Spanien von der Europäischen Union bedacht wird. Bisher sei der Verteilungsschlüssel auch befolgt worden, zuletzt aber nicht mehr. Zwei Wochen lang, von Ende Februar bis Mitte März, habe Andalusien nämlich nur 15,5 Prozent der an Spanien gelieferten Impfdosen erhalten. Laut Aguirre sind das insgesamt 417.095 Impfdosen weniger als der Region zugestanden hätten.

Verteilung der Impfdosen: Andalusien prangert Benachteiligung gegenüber anderen Regionen an

Im Gegenzug seien andere Regionen begünstigt worden, obwohl Andalusien hinsichtlich der Nutzung der verfügbaren Dosen im landesweiten Vergleich stets an erster Stelle rangiere. Einen überschüssigen Anteil habe dem Landesgesundheitsminister zufolge zum Beispiel Katalonien erhalten, wohin trotz einer geringeren Bevölkerungszahl mit knapp 830.000 Einwohnern weniger als Andalusien 15,7 Prozent der Impfdosen verschickt worden seien. Oder auch Asturien wo 154 Impfdosen pro 100.000 Einwohner angekommen seien, während der Anteil in Andalusien lediglich bei 105 lag.  Jesús Aguirre hat sich daher mit einem Protestbrief an die spanische Gesundheitsministerin Carolina Darias gewandt, zumal der veränderte, Andalusien benachteiligende Verteilungsschlüssel auch für die im April anstehenden Lieferungen vorgesehen sei.

Landesgesundheitsminister Jesús Aguirre ist verärgert, weil Andalusien weniger Impfdosen erhalte, als der Region aufgrund ihrer Bevölkerungsgröße zustehen würden.

Die Zahl der verfügbaren Impfdosen ist auch nicht das einzige, das dem Landesgesundheitsminister momentan ernste Sorgen bereitet. Noch mehr dürfte ihn die zunehmende Ausbreitung neuer Coronavirus-Varianten plagen, und zwar längst nicht mehr nur der britischen Virusmutation. „Neue Varianten, neue Komplikationen“, resümiert Aguirre kurz aber prägnant diesen Umstand, der eine erneute Verschärfung der epidemiologischen Entwicklung mit sich bringen könnte. Die britische Variante ist mit einem Anteil von etwa 60 Prozent an allen Infektionsfällen bereits dominant in der Region. In Almería und Granada liegt ihr Anteil sogar bei über 80 Prozent, weshalb diese beiden Provinzen zurzeit auch maßgeblich dazu beitragen, dass sich die Infektionskurve in Andalusien seit einigen Tagen wieder nach oben biegt.

Neue, exotische Mutationen im Umlauf: Erste Infektionsfälle mit afrikanischen Corona-Varianten

Zu allem Überfluss sind in der Region auch schon drei durch die südafrikanische Variante verursachte Infektionsfälle registriert worden, die alle auf dem Luftweg importiert worden sind. Diese Virusmutation konnte in Personen nachgewiesen werden, die aus dem Senegal, aus Tansania und aus Äquatorial-Guinea eingereist sind. Wobei nur eine der drei Personen mit einem Flug von Marokko nach Málaga direkt einreiste und die beiden anderen nach Madrid geflogen und von dort nach Andalusien gekommen waren. Bei dem aus Tansania stammenden Infizierten, der sich zurzeit in Osuna (Sevilla) befindet, gestalte es sich obendrein schwierig, alle Kontaktpersonen aufzuspüren, da die Person eine starke Mobilität aufgewiesen habe.

Und am gestrigen Donnerstag hat das andalusische Gesundheitsministerium auch noch einen Infektionsfall mit einer neuartigen, aus Uganda stammenden Coronavirus-Variante bestätigt, die bislang nur in dem afrikanischen Land selbst und sehr vereinzelt auch noch in Großbritannien nachgewiesen werden konnte. Wie die britische Virusmutation soll diese noch ansteckender sein als das Sars-CoV-2. Ob sie auch virulenter ist und schwerere Krankheitsverläufe oder gar eine höhere Sterblichkeit impliziert, ist noch nicht hinreichend geklärt.

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