Badegäste an einem Strand in Almería.
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In der Phase 2 können die Strände wieder für Badegäste geöffnet werden, eine geringe Mobilität hält den Andrang indes in Grenzen.

Mehr Mobilität soll Branche reaktivieren

Coronavirus und die Tourismusindustrie: Andalusien pocht auf Öffnung

  • vonJosé Antonio Nieto
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Andalusien denkt bereits an die Phase 3 und will ab 8. Juni auch Reisen zwischen den Provinzen erlauben. Das sieht der Deeskalationsplan jedoch nicht vor.

  • Corona-Deeskalation: Málaga und Granada sollen Rückstand aufholen.
  • Andalusischer Tourismusminister Juan Marín izt zuversichtlich, dass die Urlaubssaison in diesem Sommer noch zu retten ist.
  • Covid-Free-Siegel und Strandwächter sollen Urlaubern Angst vor Infektionsgefahr nehmen.

Sevilla - Während der wöchentlichen Videokonferenz der Gesundheitsminister der Autonomen Gemeinschaften mit dem spanischen Gesundheitsminister Salvador Illa hat der andalusische Ressortleiter Jesús Aguirre erneut darauf beharrt, dass die Provinzen Málaga und Granada im Deeskalations-Plan der Zentralregierung zur Lockerung der Ausgangsbeschränkungen wegen des Coronavirus unverzüglich in die Phase 2 eintreten müssten.

Zum Montag, 25. Mai, waren die übrigen sechs andalusichen Provinzen – Almería, Cádiz, Córdoba, Huelva, Jáen und Sevillabereits in die Phase 2 übergegangen, während Málaga und Granada der Phasenwechsel verwehrt geblieben war. Schon in die Phase 1 hatten Málaga und Granada erst eine Woche später als die restlichen Provinzen Andalusiens einziehen dürfen.

In die Phase 2 werden Málaga und Granada mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ebenfalls mit einer Woche Verzögerung eintreten, also zum Montag, 1. Juni. Früher aber, wie es nicht nur Jesús Aguirre, sondern auch der andalusische Vizepräsident Juan Marín oder der Regierungssprecher Elias Bendodo gefordert haben, wird dies wohl kaum passieren.

In der Phase 2 des Deeskalations-Plans der spanischen Regierung dürfen unter anderem Einkaufszentren wieder öffnen.

Wofür die Karten besser stehen, ist dass alle acht andalusischen Provinzen zum 8. Juni geschlossen in die dritte und letzte Phase des Deeskalationsplans einziehen. Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre hat bereits erklärt, dass er dies in der kommenden Woche beantragen wird, nachdem der spanische Gesundheitsminister Salvador Illa jüngst die Prämisse aufgehoben hatte, wonach alle Provinzen mindestens zwei Wochen in jeder Phase verweilen müssen.

Andalusische Regierung will Mobilität zwischen Provinzen schon in Phase 2

Ob der spanische Gesundheitsminister der andalusischen Regierung noch in einer anderen Frage entgegenkommen wird, bleibt abzuwarten. Die Landesregierung hat nämlich wiederholt verlangt, dass in der Phase 2 eine Mobilität zwischen den verschiedenen andalusischen Provinzen wieder erlaubt wird, zumindest zwischen jenen, die sich in der gleichen Phase befinden.

Im Deeskalations-Plan der spanischen Regierung war die Aufhebung des Verbots der Mobilität zwischen Provinzen erst für nach dem Ende der Phase 3 vorgesehen worden. Eine Ausnahme von der Regel hatte sie dann aber doch gemacht. Dem Baskenland nämlich war eine Bewegungsfreiheit zwischen seinen drei Provinzen gewährt worden, sogar schon in der Phase 1.

Auf die Genehmigung einer Mobilität zwischen den Provinzen, legt die andalusische Regierung so großen Wert, weil diese für eine möglichst schnelle Reaktivierung des Tourismussektors unabdingbar sein dürfte. Mit Urlaubern aus der gleichen Provinz wird man die Hotels nämlich kaum halbwegs füllen können, mit jenen aus umliegenden Provinzen indes schon eher.

Urlaub in Corona-Zeiten: Optimistischer Tourismusminister schürt Hoffnung

Und Touristen aus dem Rest des Landes werden nicht vor Ende Juni nach Andalusien kommen können, während ausländische Touristen sogar erst ab Anfang Juli nach Spanien einreisen dürfen. Ab dann dürfte der Tourismussektor dann aber doch wieder einigermaßen auf die Beine kommen. Das prognostiziert zumindest der andalusische Vizepräsident und zugleich Tourismusminister, Juan Marín.

Dieser ist zuversichtlich, dass sich die Urlaubssaison in Andalusien besser entwickeln wird, als noch vor wenigen Wochen abzusehen war. Juan Marín versichert, sich nach eigener Aussage auf Angaben der Reiseveranstalter stützend, dass die Hotels der Region im Juli immerhin zu 60 Prozent und im August sogar zu 75 Prozent ausgebucht sein werden.

“Überall auf der Welt besteht zurzeit ein großes Interesse daran, in diesem Sommer der Realität ein wenig zu entfliehen”, erklärte Juan Marín auf einer telematischen Pressekonferenz nach der Sitzung des andalusischen Corona-Krisen-Kabinetts. “Der internationale Reisemarkt ist schon wieder sehr aktiv und die Fluggesellschaften werden bereits im Juni anfangen, ihre Flüge wieder aufzunehmen und im Juli zur Normalität zurückkehren, ist Marín überzugt.

Andalusien will Urlauber von der Sicherheit der Hotels und Restaurants überzeugen

Die andalusische Regierung will auch ihren Beitrag dazu beisteuern, dass sich die Touristen in dem sich anbahnenden Konkurrenzkampf der Destinationen verstärkt für Andalusien entscheiden. Begünstigen will sie dies mit einem Covid-Free-Siegel, den unter anderem Hotels und Gaststätten sowie alle weiteren Unternehmen aus der Tourismusbranche werden beantragen können.

Dieses zertifiziert, dass im Hotel, Lokal oder sonstigen Unternehmen sämtliche von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. Juan Marín hat angekündigt, dass dieses “Andalucía Segura” (Sicheres Andalusien) getaufte Siegel, das vor wenigen Wochen erst angekündigt worden war, ab dem 1. Juni bereits erhältlich sein wird.

Das Covid-Free-Siegel sollen im übrigen auch die Rathäuser beantragen können, um ihre Strände zertifizieren zu lassen, damit die Besucher auch das Bad im Meer möglichst ohne Angst vor einer Corona-Infektion genießen können. Zur Beruhigung der Strandbesucher soll noch eine weitere, von der Landesregierung jüngst angekündigte Maßnahme beitragen und zwar die Einstellung von bis zu 3.000 Strandwächtern.

ABM-Programm: Sicherheit am Strand sollen Arbeitslose gewährleisten

Diese sollen entlang der gesamten andalusischen Küste darüber wachen, dass an den Stränden etwa die Einhaltung des Mindestabstandes eingehalten wird und die Badegäste die neuen wegen der Corona-Pandemie geltenden Sicherheitsvorschriften befolgen. Nähere Details zu dem ABM-Programm – für die Tätigkeit sollen Erwerbslose rekrutiert werden – hat der andalusische Regierungssprecher Elías Bendodo geliefert.

Mit der Auswahl des Personals ist in dieser Woche bereits begonnen worden. Die Joboffensive lässt sich die andalusische Regierung insgesamt 23,8 Millionen Euro kosten. Die Strandwächter sollen nämlich mit einer monatlichen Vergütung von etwa 1.900 Euro Netto ein ansehnliches Gehalt bekommen. Dafür wird ihr Job indes auf drei Monate, vom 15. Juni bis 15. September befristet sein.

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