Zunahme der Infektionsausbrüche

Coronavirus an der Costa del Sol: In Andalusien gilt absolute Maskenpflicht

  • vonJosé Antonio Nieto
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20 Infektionsherde mit etwa 350 neuen Coronavirus-Infizierten bereiten Andalusien Sorge. Die Landesregierung ruft daher die allgemeine Maskenpflicht aus.

  • Neue Infektionsausbrüche konzentrieren sich auf die Provinzen im Osten Andalusiens.
  • Abschottung der Infektionsherde wird von der Landesregierung bislang nicht erwogen.
  • Mit einer Maskenpflicht sollen die Infektionszahlen gering gehalten werden.

Málaga – Wie in den schlimmsten Wochen der Coronavirus-Pandemie, zwischen Mitte März und Mitte April, als an manchen Tagen über 600 Neuinfizierte registriert wurden und zum Teil mehr als 50 Personen am Tag an Covid-19 verstarben, ist die augenblickliche Lage in Andalusien gewiss nicht. Und doch bereiten die neuen Corona-Ausbrüche, die sich in den letzten Wochen in der Region zunehmend häufen, Anlass zur Sorge. Auf 20 ist ihre Zahl zuletzt angestiegen und die Zahl der von diesen Ausbrüchen hervorgebrachten Neuinfizierten auf 362. Der Entwicklung steuert Andalusien mit der Einführung einer allgemeinen Maskenpflicht entgegen.

“Die Infektionsherde sind unter Kontrolle und die Betroffenen werden alle isoliert”, versichert der andalusische Regierungschef Juanma Moreno. Die Infektionsherde konzentrieren sich derzeit vor allem auf die Provinzen Granada, Málaga und Almería. Die Situation könne aber jederzeit umschlagen und aus dem Ruder laufen, räumt Moreno ein. “Das Beste, was wir daher tun können, ist präventiv vorzugehen und alle entsprechenden, uns zur Verfügung stehenden Maßnahmen zu ergreifen”, fügt Moreno hinzu.

Coronavirus in Andalusien: Isolierung der Infektionsherde wird nicht ausgeschlossen

Eine mögliche präventive Maßnahme wäre eine erneute Verschärfung der Corona-Restriktionen, wie es die Autonome Gemeinschaft Aragón zum Beispiel für die Provinzen Huesca und Zaragoza beschlossen hat. Oder eine Abschottung konkreter Gebiete, in denen sich Infektionsherde befinden, wie es Katalonien in der Provinz Lleida gemacht hat. Die andalusische Regierung hat ein ums andere Mal beteuert, nicht davor zurückzuschrecken, einzelne Gemeinden, Stadtbezirke oder Landkreise notfalls ebenfalls dicht zu machen, falls die Situation dies erfordere. Bislang hat sie diese Möglichkeit indes noch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen.

Immer mehr Regionen in Spanien machen die Masken auch im Freien zu Pflicht, wobei diese korrekt getragen werden sollten.

Stattdessen belässt es die Landesregierung vorerst bei einer anderen, wohl weniger einschneidenden Maßnahme: die Einführung einer allgemeinen Maskenpflicht. Womit sie den Regionen Katalonien, Aragón, La Rioja, Asturien, Murcia, Extremadura sowie den Balearen folgt, die in den letzten Tagen nach und nach eine Maskenpflicht beschlossen haben. Kantabrien und Navarra und wohl auch Kastilien-Leon könnten noch in dieser Woche nachziehen, sodass der Mundschutz bald beinahe im ganzen Land vorgeschrieben sein könnte.

“Trotz der Hitze müssen wir uns daran gewöhnen, die Atemschutzmaske permanent zu tragen”, erklärt der andalusische Regierungschef. Die Maske soll nämlich in der Öffentlichkeit immer zur Pflicht werden, in geschlossenen Räumen wie auch im Freien, unabhängig davon, ob man die soziale Distanz wahren kann oder nicht. Ablegen wird man sie nur noch können, wenn man sich im Familienkreis aufhält. “Mit der Schutzmaske können wir das Infektionsrisiko auf bis zu einem Prozent minimieren”, versichert Juanma Moreno.

Maskenpflicht in Andalusien: Expertenkomitee stimmt der Maßnahme zu

Angekündigt hatte der Ministerpräsident Juanma Moreno die Maskenpflicht am 11. Juli, während eines Besuchs in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika. Dort teilte er mit, dass er ihre Einführung dem Expertenkomitee vorschlagen wolle, welches die Landesregierung in allen Corona-Fragen berät. Das Komitee trat zwei Tage später zusammen und stimmte der Maskenpflicht einstimmig zu. Am Tag darauf stand dann die wöchentliche Sitzung des Kabinetts an, auf der die Einführung der Maskenpflicht abgesegnet wurde, woraufhin sie auch im offiziellen Gesetzesblatt der Region veröffentlicht worden ist. Zum 15. Juli tritt sie schließlich in Kraft.

Der andalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre schreibt der Maskenpflicht außer der Verminderung des Infektionsrisikos noch einen wichtigen psychologischen Nebeneffekt zu. Die allgemeine Tragepflicht könne dazu beitragen, dass die Corona-Pandemie von den Bürgern weiterhin ernst genommen werde. Vor allem auch von der Jugend, die in Sachen Vorbeugung nachlässiger werde, was sich vor allem in der Rückkehr der impulsiven Begrüßungen mit Küsschen und innigen Umarmungen manifestiere. Nicht von ungefähr hätten die meisten Infektionsherde ihren Ursprung in privaten Feiern und Treffen mit Freunden udn Verwandten, meint Aguirre.

Der Gesundheitsminister Jesús Aguirre hat auf der Pressekonferenz nach der jüngsten Kabinettssitzung auch die wenigen Ausnahmen von der Maskenpflicht benannt:

  • Kinder unter sechs Jahren müssen keine Atemschutzmasken tragen.
  • Menschen mit Atembeschwerden und jene mit Behinderungen, die die Maske nicht selbständig auf- und absetzen können, sind von der Pflicht ebenfalls entbunden.
  • Beim Individualsport im Freien gilt keine Maskenpflicht, beim Sport treiben in Gruppen allerdings schon, sofern die Maske keine größeren Probleme bereitet.
  • Beim Baden im Meer und auch beim Sonnenbad muss keine Maske getragen werden, sehr wohl aber beim Spazieren gehen am Ufer des Strandes.

Zu guter Letzt sieht der Beschluss der andalusischen Regierung auch vor, das sein Nichttragen der Schutzmaske mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro geahndet wird. Eingespannt hat die Landesregierung diesbezüglich auch die Städte und Gemeinden. Denn die Einhaltung der Tragepflicht zu überwachen und bei einer Nichtbefolgung Sanktionen zu verhängen, obliegt den Kommunen. Zur Einführung der Maskenpflicht hat sich schließlich auch die in Andalusien oppositionelle PSOE geäußert. Wenn ihr Tragen vorgeschrieben wird, müssten die Schutzmasken für die Bürger gratis erhältlich sein.

Rubriklistenbild: © Junta de Andalucía

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