Blick in die Einkaufsmeile von Malaga.
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Wie ausgestorben ist wegen der Sperrstunde die Calle Larios im sonst so quirligen Zentrum von Málaga. Die Quarantänen in Andalusien wurden drastisch ausgeweitet.

Andalusien unter Quarantäne

Coronavirus in Andalusien: Quarantäne für 4,3 Millionen Menschen - Region macht dicht

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die andalusischen Provinzen Sevilla, Granada und Jaén stehen im Fokus der neuen, drastischen Schritte, die Andalusien gegen die explodierenden Covid-Fälle unternimmt. 450 Orte in der gesamten Region stehen unter Quarantäne, es gibt Kontaktsperren. Bis 9. November gilt für ganz Andalusien: Möglichst niemand rein oder raus.

Update, 5. November: Nach jüngsten Informationen des andalusischen Gesundheitsministeriums zählt die Autonomieregion 157.380 Personen, die positiv auf das Coronavirus gestet wurden. In Andalusien sind innerhalb der letzten 24 Stunden 60 Personen an Covid-19 gestorben. Nach Angaben des Andalusischen Statistikinstituts (IECA) ist dies die höchste Zahl während der zweiten Welle. 3.770 Neuinfizierte sind seit gestern hinzugekommen. Gestern lag die Zahl der Neuinfizierten noch bei 2.363. 3.198 Covid-19-Patienten werden im Krankenhaus behandelt, 422 davon auf der Intensivstation. Am 1. November sah es noch ganz danach aus, als würden die Zahlen zurückgehen. Den Höhepunkt hatten die Infektionszahlen am 31. Oktober erreicht, als die Zahl der Neuinfizierten bei 5.622 lag.

Zur neuesten Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien.

Update, 31. Oktober: Die Infektionszahlen steigen in Andalusien mit zunehmendem Tempo weiter an. Den bisherigen Spitzenwert vom 23. Oktober mit 3.503 Neuinfizierten ließ die Statistik vom 29. Oktober mit 5.202 Neuinfizierten schon wieder mickrig erscheinen und am Tag darauf kamen dann noch einmal 5.104 hinzu. Besonders ragen noch immer die Provinzen Sevilla und Granada heraus, von denen an beiden Tagen mehr als 1.000 Infektionsfälle vermeldet wurden. Die Infektionsrate der letzten 14 Tage ist in der Region inzwischen auf 423 pro 100.000 angestiegen (Stand 30. Oktober), womit sie sich dem Durchschnitt Spaniens, der zurzeit bei 468 liegt, zunhemend annähert.

Negativ ist weiterhin auch die Tendenz hinsichtlich der Krankenhausauslastung. Allein am 30. Oktober kamen 126 weitere Covid-Patienten hinzu, womit ihre Zahl mittlerweile auf 2.471 angestiegen ist. Von diesen befinden sich 325 auf den Intensivstationen der Hospitäler, 106 mehr als noch vor einer Woche. Abzuwarten bleibt, wie sich die Maßnahmen zur Beschränkung der Mobilität auswirken werden, die erst seit dem gestrigen Tag gelten. Die spanische Zentralregierung hat für das verlängerte Brückenwochenende zu Allerheiligen massive Polizeikontrollen angekündigt, um die Einhaltung zu überwachen.

Bei weiter steigenden Fallzahlen könnte „Hausarrest“ folgen

Nur wenige Stunden nach Inkrafttreten der Abschottung von mehr als der Hälfte der andalusischen Gemeinden (siehe unten) hat der Ministerpräsident Juana Moreno einmal mehr der Bevölkerung ins Gewissen geredet. Wenn die einschneidenden Restriktionen, die ergriffen worden sind, nicht ausreichen, um die Fallzahlen wieder abzusenken, müssten noch gravierendere Maßnahmen ergriffen werden. Moreno hat es nicht direkt aussprechen wollen, aber als letzte Option käme fast nur noch eine häusliche Quarantäne für alle Einwohner wie auf dem Höhepunkt der ersten Infektionswelle in Frage.

Erstmeldung, 29. Oktober: Sevilla - Die Coronavirus-Infektionsrate der letzten 14 Tage ist in Andalusien mittlerweile auf 396 pro 100.000 Einwohner angestiegen, eine Entwicklung, die sich in der Region über Wochen abzeichnete. In den Krankenhäusern der Region Andalusien befinden sich bereits 2.312 Covid-Patienten (Stand 28. Oktober), 293 von ihnen auf der Intensivstation. Der andalusische Ministerpräsident Junma Moreno hebt hervor, dass die Werte jenen von Anfang April entsprechen, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: „Damals hatten die Infektionskurve und die Patientenzahlen schon zu sinken begonnen, während sie jetzt noch am Steigen sind und man noch nicht weiß, wann sie ihren Höhepunkt erreichen werden.“

Andalusien macht bis 9. November dicht, vorerst

Andalusiens Regierungschef Juanma Moreno versucht angesichts des Corona-Chaos Entschlossenheit auszustrahlen, als er am 28. Oktober die neuen, drastischen Maßnahmen verkündet.

Deshalb hat das Kabinett der Regierungskoalition von PP und Ciudadanos am gestrigen Mittwochabend, 28. Oktober, einschneidende Maßnahmen ergriffen: Zum einen wird, wie die Landesregierung bereits seit Tagen durchblicken ließ, Andalusien von den umliegenden Regionen abgeschottet, so wie am gleichen Tag große Teile Spaniens wegen der Coronavirus-Entwicklung dicht machten, darunter auch Murcia, Kastilien-La Mancha und Kastilien-León verfügt hatten.

Die Maßnahme tritt heute um Mitternacht in Kraft und gilt zunächst bis zum 9. November. Würde die Isolierung anschließend verlängert werden, soll alle zwei Wochen die Beibehaltung oder Aufhebung geprüft werden. Abgeschottet hat die Landesregierung indes nicht nur die Region als Ganzes sondern auch die Provinzen Granada, Jaén und Sevilla, was auch eine Isolierung aller Gemeinden dieser drei Provinzen untereinander impliziert.

Provinzen Granada, Jaén und Sevilla im Fokus der neuen Covid-Welle in Andalusien

Bislang waren einzig die Provinzhauptstadt Granada und 32 Gemeinden in ihrem Einzugsgebiet sowie die Kleinstadt Écija in der Provinz Sevilla abgeschottet worden. Eine Isolierung ist außerdem noch für die Gemeinden aus vier Gesundheistdistrikten angeordnet worden: La Vega de Málaga in der Provinz Málaga, Córdoba-Sur in der Provinz Córdoba sowie Sierra de Cádiz und Jérez-Costa Noroeste in der Provinz Cádiz.

Der folgende Tweet des andalusischen Gesundheitsministeriums bietet eine Übersicht über die Zonen, die in der Region unter Quarantäne gestellt worden sind.

Damit sind in Andalusien seit Donnerstag, 29. Oktober, bis auf weiteres 450 Gemeinden mit insgesamt 4,3 Millionen Einwohnern von ihren jeweiligen Nachbargemeinden abgeschottet. Den eigenen Wohnort dürfen sie nur mit einem triftigen Grund wie etwa Arbeit, Schulunterricht, Arztbesuch, wichtiger Behördentermin oder Pflege einer hilfsbedürftigen Person verlassen. An die Einwohner der restlichen 355 Gemeinden der Region hat Juanma Moreno außerdem appelliert, es freiwillig genauso zu halten und ihre Ortschaften möglichst nur zu verlassen, wenn es unbedingt nötig ist.

„Eine der Waffen, die wir gegen das Coronavirus haben, ist die Beschränkung der Mobilität“, erklärt der andalusische Regierungschef Juanma Moreno, wobei er diese mit einem Wasserhahn vergleicht. „Wenn wir diesen öffnen und die Mobilität zunimmt, steigen auch die Infektionszahlen und wenn wir ihn zudrehen, nimmt die Mobilität ab und sinken die Infektionszahlen“, fügt Moreno hinzu. Nur müsse die Waffe mit Bedacht eingesetzt werden, da mit der Beschränkung der Mobiliät auch die ökonomische Aktivität abnehme.

Kein Deal mit Gastronomie: Sperrstunde wird nicht verschoben

Eine weitere Entscheidung traf das Kabinett von Juanma Moreno am gestrigen Abend hinsichtlich der nächtlichen Sperrstunde. Am vergangenen Wochenende war sie von der Zentralregierung landesweit für die Zeit von 23 bis 6 Uhr eingeführt worden. Den Autonomen Gemeinschaften wurde jedoch eingeräumt, Beginn und Ende der Sperrstunde jeweils um eine Stunde vor oder zurückverlegen zu können. In Andalusien deutete vieles daraufhin, dass der Beginn der Sperrstunde wie in der Region Madrid auf 24 Uhr verschoben werden könnte.

Andalusiens Regierungschef Moreno hatte nämlich erklärt, vor einer Entscheidung das Gaststättengewerbe dazu anhören zu wollen. Und die Gastronomen hatten sich mit Nachdruck für eine Verlegung auf 24 Uhr ausgesprochen. Am Ende aber hat die Landesregierung den Beginn der Sperrstunde bei 23 Uhr belassen. Außerdem hat sie verfügt, dass Bars, Cafés und Restaurants spätestens um 22.30 Uhr schließen müssen, damit deren Gäste nicht nach dem Beginn der Sperrstunde noch draußen unterwegs sind.

Kontaktsperre in Andalusien: Mehr als sechs Personen verboten

Zu guter Letzt hat die andalusische Regierung noch eine weitere, die gesamte Bevölkerung der Region betreffende Maßnahme ergriffen. Soziale Treffen sind fortan auf maximal sechs Personen limitiert, es sei denn es handelt sich um Personen, die im gleichen Haushalt zusammenleben. Bislang galt diese Obergrenze lediglich in jenen Städten und Gemeinden, in denen die Corona-Restriktionen wegen einer besonders hohen Infektionsrate verschärft worden waren. Für den Rest der andalusischen Gebiete war die Beschränkung auf sechs Personen lediglich als Empfehlung ausgesprochen worden.

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