Strände wieder geöffnet

Coronavirus und Badeurlaub: In Teilen Andalusiens dürfen Leute wieder an den Strand

  • vonJosé Antonio Nieto
    schließen

Die meisten Provinzen haben die Phase 2 erreicht, und die Bewohner dürfen im Meer baden. Der große Ansturm auf Andalusiens Strände bleibt aber aus.

Almería/Sevilla - Im Vier-Stufen-Plan der spanischen Zentralregierung zur schrittweisen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie war die Öffnung der Strände für Badegäste ursprünglich erst in der Phase 3 vorgesehen. Die andalusische Landesregierung hatte jedoch beharrlich daruf gedrängt, das Baden im Meer schon in der Phase 2 zu erlauben. Ihrem wiederholt geäußerten Wunsch wurde schließlich auch entsprochen.

Seit dem 25. Mai befinden sich sechs der acht andalusischen Provinzen – Almería, Cádiz, Córdoba, Huelva, Jáen und Sevilla bereits in der Phase 2. Drei von ihnen – Almería, Cádiz und Huelva – liegen auch an der Küste. Dort konnten die Einwohner bereits im Wasser planschen. In Málaga und Cádiz, die sich noch in der Phase 1 befinden, wird man sich noch ein wenig gedulden müssen. Nicht allzu lange, denn am 1. Juni dürften auch diese beiden Provinzen in die Phase 2 nachrücken.

Baden in Zeiten des Coronavirus: Strände füllen sich nur mäßig

Der ganz große Ansturm auf die Strände ist zumindest am ersten Tag, an dem das Baden nicht mehr verboten war, meistenorts ausgeblieben. Zum einen weil noch keine ausländischen Touristen ins Land dürfen und zum anderen weil auch innerhalb Spaniens die Mobilität noch auf die Provinzen beschränkt ist. In der Provinz Almería kam außerdem noch hinzu, dass die Temperaturen zwar schon sehr angenehm waren, zugleich aber auch ein recht starker Wind ging, der wie zum Beispiel in Roquetas fast mehr Kite-Surfer als Schwimmer anlockte.

Am ersten Tag nach der Öffnung der Strände für Badegäste hielt sich das Besucheraufkommen noch in Grenzen.

Das Notstandsekret der Zentralregierung lässt das Baden im Meer zwar zu, wenn auch mit einigen Einschränkungen, die Entscheidnung über eine Öffnung der Strände für Badegäste obliegt indes den jeweiligen Gemeinden. In der Provinz Almería hatten sich alle 13 Küstengemeinden letztlich dazu durchgerungen, das Baden zu genehmigen. Wobei sich einige von ihnen, wie etwa Níjar oder Carboneras, mit der Entscheidung schwerer taten als andere.

Offizielle Badesaison ist noch nirgends eingeläutet worden

Die Bürgermeisterin von Níjar, Esperanza Pérez (PSOE), stellte klar, dass die Genehmigung des Badens nicht bedeutet, dass die offizielle Badesaison bereits begonnen hat. Will heißen, dass die Strände zumeist noch nicht mit den im Sommer üblichen Seriveceleistungen wie zum Beispiel die Überwachung durch Rettungsschweimmer ausgestattet sind. In Níjar beginnt die offizielle Badesaison für gewöhnlich erst Anfang Juni, mancherorts sogar erst Mitte Juni.

Die kommunalen Pläne für die Strände, in denen unter anderem die Infratsrukturausstattung sowie die Serviceleistungen an den Stränden geregelt werden, sind in der Provinz Almería in diesem Jahr bislang noch von fast keiner Gemeinde erlassen worden. Die Provinzhauptstadt Almería hat auf dieses Manko reagiert, in dem sie ad hoc eine Intensivierung der Strandreinigung sowie eine verstärkte Überwachung der Ortspolizei angeordnet hat.

Installationen wie die Duschen oder die Toiletten können an den Stränden der Stadt Almería bis auf weiteres noch nicht genutzt werden. Die Stadt Roquetas hat für ihre Strände ebenfalls beschlossen, die Toiletten vorsichtshalber geschlossen zu lassen und auch die Duschen noch nicht in Betrieb zu nehmen. Wie in Almería sollen auch hier die Ortspolizisten ein Auge auf die Badegäste haben, um etwa größere Menschenaufläufe zu verhindern.

Kommunale Pläne zur Regulierung der Strände müssen Corona-Auflagen beachten

Die besagten Pläne für die Strände fielen bisher alle Jahre mehr oder weniger ähnlich aus, von der ein anderen Infratsrukturerweiterung oder neu aufgenommen Serviceleistung abgesehen. In diesem Jahr aber wird es ihre Ausarbeitung in sich haben. Schließlich gilt es eine Reihe von Maßnahmen aufzunehmen, mit denen in Zeiten des Coronavirus unter anderem eine strikte Hygiene oder auch die Einhaltung des Mindestabstandes unter den Strandbesuchern gewährleistet werden kann.

Es ist dies der Punkt, weshalb sich einige Küstengemeinden mit der Öffnung der Strände für Badegäste etwas schwer getan haben. Weil sie nämlich hinischtlich der zu treffenden Sicherheitsvorkehrungen noch keine klaren Anweisungen erhalten hatten. So haben sie sich letztenendes darauf beschränkt, an die Besucher zu appellieren, am Strand den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Und die zum Teil recht vagen Vorgaben des spanischen Gesundheitsministeriums an die Badegäste weiterzugeben, die unter anderem folgende Regeln beinhalten:

  • Zwischen den Handtüchern und sonstigen Utensilien der Badegäste sollte eine Entfernung von mindestens zwei Meter eingehalten werden.
  • Sport darf am Strand nur individuell und ohne Körperkontakt ausgeübt werden.
  • Die Gemeinden können den Zugang zum Strand limitieren und auch die Verweildauer beschränken, um das Besucheraufkommen zu regulieren.
  • Die Gemeinden haben die Sauberkeit des Strandes und die Desinfektion aller Installationen zu gewährleisten.
  • Die Verleiher von Jetskis, Tretrollern oder anderen Sportgeräten haben die Hygiene des Materials zu garantieren.
  • Die Strandbesucher müssen über die neuen, aufgrund des Coronavirus eingeführten Regelungen informiert werden. Sollte eine Person auf Covid-19 hinweisende Symptome aufweisen, hat sie den Strand unverzüglich zu verlassen.
Vor dem Bad im Meer sollte man das Kleingedruckte lesen, um die neuen Corona-Regeln für die Strände zu kennen.

Die Kritik verschiedener Gemeinden aus der Provinz Almería, insbesondere der von der PSOE regierten, betraf nicht nur das Fehlen detallierter Anweisungen etwa zur Limitierung der Besucherzahlen oder auch zur Regulierung des Zugangs. Kritisiert wurde auch, dass auf die Kommunen durch die notwendige Überwachung der Strandbesucher, zwecks Einhaltung der neuen Besuchsregeln, oder auch durch die erforderliche Intensivierung der Strandeinigung, inclusive regelmäßiger Desinfizierungen von Duschen und Toiletten, zusätzliche Ausgaben zukommen werden.

Küstengemeinden fordern sanitäre Vorgaben und finanzielle Unterstützung

Die Frage, wie diese Mehrkosten geschultert beziehungsweise verteilt werden sollen, richtete nicht zuletzt auch Almerías Bürgermeister Ramón Fernández (PP) an die Landesregierung. Den Unmut zahlreicher Gemeinden, griff schließlich auch die im andalusischen Landtag oppositionelle PSOE auf. Diese warf der Regierungskoalition von PP und Ciudadanos ihre Eile zur Öffnung der Strände für Badegäste vor, da es ihr an einer eigenen Planung mangele, wie diese Öffnung von statten gehen sollte.

Leidtragende seien die Gemeinden, die von der Landesregierung im Stich gelassen worden seien. Diese hätte sich nur darauf beschränkt, die kommunalen Pläne für die Strände des letzten Jahres, als Sars-Cov-2 noch niemandem ein Begriff war, für dieses Jahr zu verlängern. Gleichzeitig verlange die andalusische Regierung von den Küstengemeinden aber bis Mitte Juni eine Art Notfallplan für die Strände, der die Vorgaben zur Vorbeugung von Corona-Infektionen enthalten soll. Ohne jedoch den Kommunen detaillierte Leitlinien an die Hand zu geben.

Die Landesregierung hatte den Gemeinden für die Ausarbeitung lediglich ein eine Reihe von inhaltlichen Empfehlungen gegeben, die in den Plänen Einzug finden sollten, wie zum Beispiel folgende Auflagen:

  • Die Badegäste sollten sich vor dem Strandbesuch gründlich abduschen.
  • Am Strand sollte besondere Acht auf die Hygiene gegeben werden. Kleidung und Mitbringsel sollten sauber sein, Handtücher nicht mit anderen geteilt und Hände mit Desinfektionsgel gereingigt werden.
  • Strandbesucher sollten zueinander einen sicheren Mindestabstand einhalten.
  • Objekte wie Spielsachen sollten nicht mit Mitgliedern anderer Besuchergruppen geteilt werden.
  • Der Aufenthalt am Strand sollte auf höchstens vier Stunden am Vormittag oder am Nachmittag beschränkt werden.
  • Abfälle sollten in einer verschlossenen Tüte verstaut und in einem Papierkorb oder Mülleimer entsorgt werden.
  • Die Badegäste sollen die Informationen der Hinweisschilder mit Auskünften zu den Corona-Regeln zur Kenntnis nehmen und die vorgegebenen Regeln beachten.

Bis zu 3.000 Strandwächter sollen Badegäste informieren und kontrollieren

Zumindest in einem Punkt, hinsichtlich der Überwachung des Verhaltens der Strandbesucher, wird die Landesregierung den andalusischen Küstengemeinden wohl doch zur Seite stehen. Der Regierungschef Juanma Moreno hat nämlich die Einstellung von 3.000 Strandwächtern angekündigt, die entlang der gesamten andalusischen Küste dafür sorgen sollen, dass Badegäste etwa den geforderten Mindestabstand einhalten und auch sonst keinen gesundheitsgefährdenden Unfug anstellen.

Das ABM-Programm soll gleichzeitig auch dazu dienen die im Zuge der Corona-Krise galoppierende Arbeitslosigkeit in der Region ein wenig im Zaum zu halten. Die Strandwächter sollen nämlich aus einer Jobbörse der andalusischen Regierung rekrutiert werden, in der bis zu 564.000 Erwerbslose eingetragen sind. Die Wächter, die Ortspolizei und Rettungsschwimmer unterstützen sollen, müssen vor der Aufnahme ihrer Arbeit noch geschult werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare