Andalusien mit Filmstar als Tourismus-Werbung

Urlaub trotz Coronavirus: Andalusien setzt auf Nahtourismus - und Antonio Banderas

  • vonJosé Antonio Nieto
    schließen

Die Sommersaison könnte in Andalusien weniger schlecht verlaufen, als noch vor wenigen Wochen zu befürchten war. Mit mehreren Werbekampagnen wollen Landesregierung und Kino-Star Antonio Banderas ihren Beitrag dazu leisten.

  • Zur Reaktivierung der Branche setzt die andalusische Regierung vor allem auf den einhemischen Markt.
  • Eine erste Werbekampgane wird sich auf die Medien aus der Region konzentrieren.
  • In der Folge soll vor allem in angrenzenden Regionen um Urlauber geworben werden.

Sevilla - Der Sommer wird in Andalusien in touristischer Hinsicht ganz bestimmt nicht so sein, wie in anderen Jahren, Das räumt auch der andalusische Vizepräsident und zugleich Tourismusminister, Juan Marín, ein. Die Besucherzahlen vorheriger Jahre einmal mehr zu übertreffen und neue Rekorde aufzustellen, werde 2020 sicherlich nicht möglich sein. Und doch, ist Marín zuversichtlich, werde der Sommer trotz Coronavirus besser verlaufen, als noch vor wenigen Wochen zu erwarten war.

Im Monat Juli könnten die Hotels der Region immerhin zu 60 Prozent und im August sogar zu 75 Prozent ausgebucht sein. Um die optimistischen Prognosen möglichst noch zu übertreffen will die andalusische Regierung die Werbetrommel kräftig rühren. In verschiedene Kampagnen, mit denen Andalusien als Urlaubsdestination angepriesen werden soll, will die Landesregierung insgesamt 22,5 Millionen Euro investieren.

Als Werbefigur konnte das andalusische Tourismusministerium mit dem Hollywood-Star Antonio Banderas ein sehr prominentes Gesicht gewinnen. Der in Málaga geborene Schauspieler, Regisseur und Produzent, der immer wieder seine Heimatverbundenheit bewiesen hat, stellt nicht zum ersten Mal seinen berühmten Namen unentgeltlich in den Dienst einer solchen Reklame für Andalusien.

Werbespots animieren Zuschauer, nach Corona intensiver zu leben

Für die touristischen Werbekampagnen sind mit Antonio Banderas zwei Spots gedreht worden, ein kürzerer, halbminütiger und ein längerer, eineinhalbminütiger. In diesen animiert der Filmstar die Zuschauer das Leben nach der Corona-Pandemie, die ein Einschnitt im Leben aller Menschen gewesen sei, noch intensiver zu leben, so wie er es sich nach seinem vor drei Jahren erlittenen Herzinfarkt vorgenommen hätte.

Die Werbespots sowie deren Audio-Versionen für Hörfunksender sind von der regionalen Tourismusbehörde Turismo Andaluz in Kooperation mit dem Marketing-Unternehmen Contrapunto produziert worden. Für die für Fersehen, Radio und digitale Medien konzipierte Kampagne wird die Landesregierung 400.000 Euro ausgeben.

“Mit seiner Unterstützung wird die Marke Andalusien wieder zu alter Stärke zurückfinden”, ist der andalusische Tourismusminister überzeugt. “Die emotionale Videobotschaft schürt die Hoffnung, nach Monaten der Ungewissheit, gestärkt aus der Krise herauszukommen”, fügt Juan Marín hinzu.

Zur Präsentation der Werbespots mit Antonio Banderas wurde der Protagonist per Videokonferenz zugeschaltet.

Der Präsentation der von ihm protagonisierten Kampagne konnte Antonio Banderas persönlich nicht beiwohnen. Der Schauspieler ließ sich zur Pressekonferenz aber per Videokonferenz live zuschalten, um seine andalusischen Landsleute zu animieren, zusammenzustehen und mit Herzblut und Willensstärke voranzuschreiten.

Werbung erst in Andalusien und danach in umliegenden Regionen

Eine erste Werbekampagne will die Landesregierung vorerst nur auf die regionalen Medien fokussieren. Da mit dem bevorstehenden Eintritt Andalusiens in die Phase 3, der letzten im Stufen-Plan der spanischen Zentralregierung zur Deeskalation der Coronavirus-Restriktionen, eine Mobilität zwischen den andalusischen Provinzen bald wieder erlaubt sein wird.

Eine Mobilität zwischen verschiedenen Autonomen Gemeinschaften dürfte hingegen erst zum Ende des Monats wieder möglich sein und zwar zunächst auch nur unter jenen, die die Phase 3 bereits überwunden haben. Dann soll eine zweite, landesweite Werbekampagne gestartet werden, die sich indes vor allem auf die nächstgelegenen Region Murcia, Kastilien-La Mancha und Extremadura konzentrieren wird.

An die andalusischen Strände will man in diesem Sommer vor allem inländische Urlauber locken.

Mit der Werbung um Urlauber von außerhalb der spanischen Grenzen will man hingegen noch warten, zumal ausländische Touristen nach aktuellem Stand nicht vor Juli werden einreisen dürfen. Anlocken will man in erster Linie Besucher aus Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und dem Benelux. Traditionell stellen zwar die britischen Urlauber die Mehrheit der ausländischen Touristen, wegen der noch vergleichbar schlechten epidemiologischen Situation in ihrem Land, will man dort die Werbetrommel derzeit aber noch nicht rühren.

Covid-Free-Siegel soll Urlaubern Angst vor einer Ansteckung nehmen

Die verschiedenen Werbekampagnen sind nicht die einzigen Maßnahmen, mit denen die andalusische Regierung die Reaktivierung des Tourismussektors in der Region begünstigen will. Eine weitere Initiative war die Einführung des Covid-Free-Siegels “Andalucía Segura” mit dem touristischen Unternehmen die Einhaltung aller hygienischen Anforderungen und sonstigen Sicherheitsvorkerhungen zur Minimierung eines Infektionsrisikos zertifiziert wird.

Dem andalusische Tourismusminister zufolge haben sich bereits 15.000 Unternehmen für das Zertifikat interessiert und 170 von ihnen haben es auch schon ausghändigt bekommen. Die spanische Tourismusministerin Reyes Maroto, versichert Juan Marín, habe das Covid-Free-Siegel sogar den übrigen spansichen Regionen zur Nachahmung empfohlen.

In einer am 8. Juni startenden Kampagne soll das Siegel “Andalucía Segura” in den Sozialen Medien unter den hierfür in Frage kommenden Unternehmen bekannt gemacht werden. Zum 22. Juni soll dann eine weitere Kampagne starten, die sich an die Allgemeinheit richten wird, damit die pontenziellen Kunden erfahren, welche Unternehmen positive zertifiziert worden sind.

Andalusische Regierung plant Veranstaltung einer virtuellen Reise-Messe

Zu guter Letzt will die andalusische Regierung auch den Reiseveranstaltern nach der Corona-Krise wieder auf die Beine helfen. Hierfür plant sie unter anderem die Organisation einer virtuellen Tourismusmesse, die Anbieter und Konsumenten zusammenbringen soll, um die Reservierungen wieder anzukurbeln. “Die Reiseveranstalter sind schließlich ein fundamentaler Akteur, da sie Urlauber und Tourismusunternehmer zueinander führen”, erklärt Juan Marín.

Von allen diesen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Urlauber nach Andalusien zurückzubringen, würden nicht zuletzt auch die Beschäftigten des Tourismsussektors profitieren. Berufsgruppen wie Hotelrezeptionisten, Kellner oder auch Reiseleiter waren schließlich jene, die mit am stärksten unter der Krise gelitten haben”, meint Juan Marín.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare