Hügellandschaft mit Wald und Meer.
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In Mijas an der Costa del Sol gibt es viele attraktive Gegenden für Wanderungen.

Urlaub in Andalusien

Wandern an der Costa del Sol: Tour durch die Sierra von Mijas

  • Lena Kuder
    VonLena Kuder
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Für Wanderfreunde hat die Costa del Sol einiges zu bieten. Die Sierra de Mijas etwa ist ideal für Wanderungen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Besonders im Herbst eignet sich das Hinterland von Málaga perfekt zum Wandern.

Mijas - Vor 800 Jahren schulterten die Männer von Mijas in der Provinz Málaga Werkzeuge und einen Proviantbeutel, wenn sie die Sierra de Mijas ansteuerten, um Marmorblöcke aus dem Berg zu hauen oder Trauben zu ernten. Eine bunte Truppe mit Nordic-Walking-Stöcken und Pudelmützen wandelt an diesem Morgen auf ihren Spuren. Denn jetzt, im Herbst, beginnt in Spanien die perfekte Zeit für Wanderungen. Schon in Mijas an der Costa del Sol geht es stetig bergauf durch schmale Gässchen, vorbei an trocknenden Socken und Hunderten von Blumentöpfen, die die weiß gekalkten Hauswände zieren. Noch schnell über die A-387 gewischt, fünf Minuten bergauf gekraxelt, kurz dem Vía Crucis, dem Kreuzweg, gefolgt, und schon steht die Wandergruppe aus Spaniern, Briten und Deutschen vor der Ermita del Calvario, dem Ausgangspunkt der vierstündigen Wanderung, bei der die Wandersleute den roten Markierungen auf der „Ruta Roja“ Richtung Puerto Colorado folgen. Den Weg säumen insgesamt 14 Kreuze bis zum Cruz de la Misión.

Wandern an der Costa del Sol: Die Entstehung von Mijas geht auf die Tartesser zurück

Noch schnell ein paar Fotos mit Blick auf Mijas und dem Meer vor der Costa del Sol geschossen und schon folgt die Wander-Gruppe der roten Route, wobei Mijas zu ihrer Linken liegt. Die Entstehung von Mijas geht übrigens auf die Tartesser zurück. Reste dieser Zivilisation, die 600 v. Chr. in dem Gebiet gelebt hat, sind in der Nähe der Stadtmauer von Mijas gefunden worden. Nachdem die Phönizier in Mijas gesiedelt hatten, folgte um das 1. Jahrhundert vor Christus die Herrschaft der Römer. Unter den Römern trug Mijas den Namen Tamisa. Zu jener Zeit ist der Bergbau enorm bedeutend gewesen. So haben die Römer Edelmetalle wie Blei und Nickel gewonnen. Auch Marmor bauten schon die Römer damals in der Sierra von Mijs ab.

Durch den Einfall von Truppen aus Zentraleuropa war Mijas´ Glanzzeit nach der Herrschaft der Römer für einige Zeit erloschen. Eine neue Blütezeit begann, als im Jahr 714 n. Chr. die Mauren in Algeciras an Land gingen und allmählich Richtung Osten vordrangen. Ab diesem Zeitpunkt sollte die heutige Stadt Mijas 700 Jahre lang unter maurischer Herrschaft bleiben. Aufgrund der vielen Minen in der Umgebung hieß der Ort unter der maurischen Herrschaft Mixas. Eine weitere Siedlung hat es im Gebiet der heutigen Urbanisation El Hornillo gegeben. Nach der Reconquista (dt.: Rückeroberung) durch die Katholischen Könige wurde Mijas ein Teil dieses Königreichs. Aus dieser Zeit stammt die Wallfahrtskapelle Virgen de la Peña. Die Wallfahrtskapelle Ermita del Calvario nutzten die Karmelitermönche als spirituellen Rückzugsort. Doch zurück zur Wanderung.

Wandern an der Costa del Sol: Marmor aus Mijas für den Bau der Kathedrale von Málaga

Nach etwa einem Kilometer reckt sich vor den Wanderern, die das Hinterland der Costa del Sol erkunden, ein riesiger weißer Felsen gen Himmel. Die parallelen Rillen im Gestein machen der Gruppe schnell klar, dass der Stein von Menschenhand bearbeitet wurde. Die Sierra de Mijas ist ein Bergmassiv aus Calciumcarbonat, genauer gesagt handelt es sich um Dolomiten. Auch weißer und blauer Marmor ist dort zu finden. Es handelt sich um Sedimentgestein. Je nach Temperatur und Druck werden die Sedimentschichten zusammengepresst und verbinden sich miteinander. So entstehen Marmor oder Dolomiten. Dolomitgestein ist ein Carbonat-Gestein, das zu mindestens 90 Prozent aus dem Mineral Dolomit besteht. Seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. bauten die Römer hier Marmor ab. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde dann in diesem Steinbruch Marmor und Achatimitat abgebaut. Der weiße Marmor aus Mijas wurde für den Bau des Museums La Aduana und der Kathedrale von Málaga verwendet. Und auch der Palast des Erzbischofs von Sevilla, die Sitzbänke der Leandro-Kapelle in der Kathedrale von Sevilla und die Sakristei der Kirche San Pedro in Granada sind aus diesem Marmorgestein geschaffen. Über die Vía Appia, die Málaga einst mit Cádiz verband, wurden die Marmorblöcke transportiert. Einige Blöcke wurden gar nach Italiens gebracht.

Parallel zum Marmorabbau spielte auch die Landwirtschaft in diesem Teil von Andalusien, der sich heute so gut zum Wandern eignet, eine tragende Rolle. Zunächst dominierte hier im Hinterland der Costa del Sol der Feigenanbau als Monokultur, ab dem 14. Jahrhundert setzten die Mijeños auf den Weinanbau. Damals gab es in der Sierra de Mijas vor allem Kermes- und Steineichen. Durch den Weinanbau und den Bedarf an Brennholz sind diese Baumarten inzwischen jedoch fast vollkommen verschwunden. In den 1950er Jahren ist ein Aufforstungsprogramm gestartet worden. Vor allem Eukalyptusbäume, Latschenkiefern und Pinien sind angepflanzt worden. Eine Schautafel am Wegesrand gibt Wanderern Informationen zur cabra montesa (dt.: Bergziege), die ebenfalls in der Sierra de Mijas zu finden ist. Ihre Hufe sind so geformt, dass sie agil über die Felsen springen kann. Hauptsächlich ernährt sie sich von Gräsern, Johannisbrot, Eicheln und Beeren. Die Bergziege sieht ziemlich schlecht, doch hat sie einen ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn. Wer sie beobachten möchte, so steht auf der Tafel, der solle sich ihr leise nähern und aufpassen, dass ihn die cabra montesa nicht sofort wittert oder hört.

Wandern an der Costa del Sol: Von Espartogras gesäumte Wege

Den Weg säumen lange Gräser, die im Frühjahr blühen. Eine Tafel mit Schaubildern gibt ergänzende Erklärungen. Vor etwa 100 Jahren gab es noch keine künstlichen Textilfasern. Die Mijeños stellten Körbe, Sattelzeug und Schuhe, die legendären Alpagatas, aus Espartogras her. Bis in die 1970er Jahre wurde das Espartogras noch häufig verwendet, um robuste Körbe und Zaumzeug vor allem für die Esel und Maultiere herzustellen, erfahren die Wanderer. Zum Espartogras gibt es eine kuriose Anekdote: Diese Grasart heißt auch tocha, weshalb die Bahnstation in Madrid, die zu den zehn schönsten Bahnhöfen in Spanien gehört, Atocha getauft wurde. Als mit dem Bau des Bahnhofs im Jahr 1846 begonnen wurde, befanden sich dort viele tochas.

Nach der nächsten Wegbiegung auf der Wanderung im Hinterland der Costa del Sol bietet sich erneut ein Einblick in die Historie. Zu sehen ist ein Kalkmeiler, in dem Kalk gebrannt wurde. Die Wanderer entdecken einen kleinen Hügel, der mit Zweigen bedeckt ist. Er wurde mit Tonerde versiegelt. Danach wurde der Meiler angezündet, auf eine Temperatur von etwa 2.000 Grad erhitzt und musste nun zwei Tage lang brennen. Den Kalk benutzten die Mijeños für den Hausbau und für das Kalken von Wänden. Nach dreieinhalb Stunden kommen die Wanderer wieder an der Ermita del Calvario an. Wären sie Mijeños, die im 12. Jahrhundert lebten, hätten sie nun Maultiere mit Körben voller Trauben dabei, um Wein zu keltern. Nach dem Wandern im 21. Jahrhundert haben sie es dagegen viel einfacher: Sie können einfach in eines der Lokale gehen und den Wein der Region Mijas kosten.

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