Hilfspaket mit fast 23 Millionen Euro

Covid-19: Andalusien will dem Kultursektor aus der Coronavirus-Krise helfen

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In ihrem Plan zur Reaktivierung der Kultur legt die andalusische Regierung ein besonderes Augenmerk auf den Flamenco.
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Wegen der Corona-Krise muss die andalusische Regierung zurzeit nahezu allen ökonomischen Sektoren zu Hilfe eilen. Die Kulturbranche musste bislang hinter anderen, vermeintlich wichtigeren Wirtschaftszweigen anstehen. Nun aber ist auch für sie der Geldhahn aufgedreht worden.

  • Der durch das Coronavirus bedingten Krise im Kultursektor begegnete die Landesregierung zunächst nur zaghaft.
  • Erste Initiativen des Kulturministeriums zielten lediglich auf den Erwerb von Kunstwerken und Büchern ab.
  • Zwei Monate nach Beginn des Notstands ist ein Hilfspaket für die gesamte Branche geschnürt worden.

Sevilla - Die Drosselung und teilweise sogar komplette Stilllegung ökonomischer Aktivitäten aufgrund der Coronavirus-Pandemie hat auch in Andalusien dazu geführt, dass sich eine wirtschaftliche und soziale Krise noch unbekannten Ausmaßes anbahnt. Für die Landesregierung tun sich zurzeit viele Fronten auf, um die Flaute vor allem des Tourismussektors einzudämmen und die zunehmenden sozialen Notlagen abzumildern.

Finanzielle Hilfspakete hat das Kabinett des andalusischen Ministerpräsidenten Juanma Moreno seit der Ausrufung des Notstands Mitte März schon so einige geschnürt. Zur Unterstützung von kleinen und mittleren Betrieben etwa oder auch um eine Verarmung wachsender Bevölkerungsschichten zu verhindern. Ein Sektor ist bislang allerdings eher stiefmütterlich behandelt worden: der Kultursektor.

Knapp 30.000 Kultur schaffende Unternehmen weist Andalusien auf, die immerhin mit 2,5 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Autonomen Gemeinschaft beitragen. Mit der Besonderheit, dass es sich bei den Kulturschaffenden größtenteils um Selbständige oder um Kleinstunternehmen handelt, die unter der Corona-Krise besonders stark leiden und zu ihrer Überwindung entsprechend mehr noch auf Unterstützung angewiesen sind.

Corona-Hilfen: Von der Flickschusterei zum umfassenden Hilfsprogramm

Die andalusische Regierung hatte in dieser Hinsicht bislang jedoch kaum mehr als eine Flickschusterei betrieben. Am 20. April zum Beispiel kündigte sie an, für 500.000 Euro Kunstwerke aufkaufen zu wollen, um Künstler und Galeristen zu unterstützen. Nur drei Tage später erklärte sie, für 430.000 Euro Bücher für öffentliche Bibliotheken erwerben zu wollen, um in diesem Fall Verlagen und Buchhändlern zu helfen.

Nun aber hat sich die Landesregierung doch noch dazu durchgerungen, dem gesamten Kultursektor mit einem umfassenden und finanziell ehrgeizigeren Schockplan zur Seite zu stehen. Mit 22,91 Millionen Euro wird dieser Plan dotiert sein, wobei der Etat des Kulturministeriums hierfür nicht aufgestockt werden muss. Vielmehr sollen, wie Regierungschef Juanma Moreno erklärt hat, Haushaltsposten umdisponiert werden.

Einen finanziellen Handlungsspielraum für eine solche Umdisponierung dürfte das Ministerium ja haben, denn mit der Schließung der vom Land verwalteten Museen, Baudenkmäler und sonstigen kulturellen Stätten seit zwei Monaten sowie der Absage sämtlicher vom Land organisierten Kulturevents in dieser Zeit dürfte die Administration einiges Geld eingespart haben.

Den Plan zur Reaktivierung der Kultur hat der Regierungschef persönlich den führenden Vertretern der Branche vorgestellt, und zwar im Rahmen einer Videokonferenz. Während dieser hob Moreno die Bedeutung der Kultur hervor, da sie nicht nur Arbeitsplätze schaffe und Investitionen anlocke, sondern auch den Tourismus beflügele und außerdem noch zur sozialen Kohäsion beitrage.

Wenn die öffentliche Hand nicht ihre Reaktivierung fördere, werde es die Kultur schwer haben, die Corona-Krise zu meistern, versicherte der Regierungschef schließlich im Verlauf der Videokonferenz, die laut Moreno auch dazu gedient habe, die Sorgen und Nöte der Kulturbranche aus erster Hand zu kennen. Zugleich versicherte er, dass die Vorschläge und Anregungen der Kulturschaffenden im Plan der Landesregierung bereits Eingang gefunden hätten.

Kulturministerin stellt Plan zur Reaktiverung der Kultur im Landtag vor

Die näheren Details des Plans zur Reaktivierung der Kultur legte die andalusische Kulturministerin Patricia del Pozo nur einen Tag später im regionalen Parlament dar. „Die Landesregierung ist überzeugt, dass die Kultur ein essentielles Gut ist, da sie für die Andalusier nicht nur identitätsstiftend ist, sondern auch ein großes ökonomisches Wachstumspotenzial in sich birgt”, schickte die Landesministerin voraus.

Patricia del Pozo nutzte die Gelegenheit ferner dazu, um den Kulturschaffenden, die während des Notstands die Bevölkerung mit online angebotenen Kreationen aller Art unterhalten haben, für ihre Großzügigkeit zu danken. „Mit ihrem uneigennützigen Einsatz haben sie vielen Leuten dabei geholfen, die mit der Ausgangssperre verbundenen Entbehrungen mit guter Laune hinzunehmen”, bekundete die Ministerin.

Der Plan, führte sie letztlich aus, ziele unter anderem darauf ab, die Liquidität im Kulturbereich tätiger Unternehmen zu garantieren und kulturelle Produktionen zu subventionieren, um die Arbeitsplätze in der Branche erhalten zu können. Darüber hinaus soll der Kulturkonsum etwa mit Werbekampganen gefördert werden. Außerdem gelte es, Kulturstätten für die neuen, durch Sars-CoV-2 bedingten Konditionen umzurüsten.

Von den fast 23 Millionen Euro mit denen der Plan dotiert worden ist, werden 12,1 Millionen Euro direkt den Kulturschaffenden zugute kommen und zwar aus nahezu allen Sparten wie Literatur, Musik, Film, Theater sowie Mode und Design. Weitere 5,9 Millionen Euro werden in Museen und archäologische Stätten fließen und mit 4,9 Millionen Euro sollen die kulturellen Angebote verstärkt gefördert werden.

Gratis wegen Corona: Eintritt in Landesmuseen bleibt bis 2021 kostenlos

Die Kulturministerin Patricia del Pozo kündigte außerdem noch an, dass die einschlägigen behördlichen Verfahren für kulturelle Aktivitäten vereinfacht und beschleunigt werden sollen. Außerdem habe die andalusische Regierung die Erhebung von Eintrittsgeldern in den vom Land verwalteten Museen, die ursprünglich noch für dieses Jahr vorgesehen worden war, auf das nächste Jahr vertagt.

Ein besonderes Augenmerk hat die Landesregierung in ihrem Plan zur Reaktivierung der Kultur auf den Flamenco gelegt. Schließlich ist dieses in Andalusien verwurzelte musikalische Genre seit dem Jahr 2010 von der Unesco als Kulturerbe anerkannt. Das zehnte Jubiläum der Erklärung zum immateriellen Weltkulturerbe soll in diesem Jahr noch gefeiert werden und zwar unter anderem mit einem Konzertzyklus, einem Wettbewerb für junge Talente und einer Konferenzreihe mit Fachvorträgen von Flamenco-Experten.

In den Monaten März, April und Juni abgesagte, vom Land organisierte Events wie zum Beispiel Auftritte des Ballet Flamenco de Andalucía oder Konzerte im Rahmen des Zyklus „Flamenco Viene del Sur” sollen nach Möglichkeit im kommenden Herbst nachgeholt werden. Für ausgefallene Shows und Festivals wiederum sollen Künstler, Ensembles oder auch die Veranstalter entschädigt werden.

Ebenso sollen Aktivitäten im Bereich des Flamenco bezuschusst werden, die nicht ins Wasser fallen, sondern wegen der Covid-19-Pandemie ins Internet verlegt werden. So wie zum Beispiel die rund 70 Shows der vom 4. September bis 4. Oktober geplanten Bienal Flamenco de Sevilla, sollten sie nicht in vollen Schauspielhäusern dargeboten werden können, kostenlos per Streaming zu sehen sein sollen.

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