Uniformierte Polizeibeamte hinter einem Dienstwagen.
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In ihrem Kampf gegen den Drogenhandel sieht sich die Polizei mit einem zunehmend gewaltbereiten Gegner konfrontiert.

Mehrere Polizisten verletzt

Drogenkrieg in Andalusien: Banden üben zunehmend Gewalt aus

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die Gewaltbereitschaft der Drogenbanden im Süden von Andalusien scheint zuzunehmen. In jüngster Zeit häufen sich die Vorfälle, in denen Polizisten von Drogenhändlern attackiert und verletzt werden.

  • Innenminister Fernando Grande-Marlaska ist wegen der jüngsten Vorkommnisse nach Cádiz gereist.
  • Spanische Zentralregierung hatte schon im März das Polizeiaufgebot im Campo de Gibraltar erhöht.
  • Personelle und materielle Mittel sollen auch in Málaga und Huelva weiter aufgestockt werden.

Cádiz - Weite Teile der Provinz Cádiz, vor allem das als Campo de Gibraltar bekannte Gebiet im Umfeld der gleichnamigen Meerenge, drohen schon seit Jahren im Drogensumpf zu versinken. Ihre kriminellen Machenschaften weiten die Drogenbanden nicht nur geografisch zusehends weiter aus, auf umliegende Gebiete wie die Costa del Sol der Provinz Málaga und auf das Delta des Guadalquivir der Provinz Huelva. Darüber hinaus scheinen die Bandenmitglieder, um im Kampf gegen die staatlichen Sicherheitskräfte die Oberhand zu gewinnen, auch vor einer Gewaltanwendung immer seltener zurückzuschrecken.

LandkreisCampo de Gibraltar
Fläche1.529 Quadratkilometer
Bevölkerung269.294 Einwohner (Stand 2018)
ProvinzCádiz

In der vergangenen Woche kam es erst in Coto de Bornos (Cádiz) auf einer Marihuana-Plantage zu einem Schusswechsel. Die Hüter der Plantage eröffneten das Feuer, als die Guardia Civil im Rahmen einer Operation gegen den Drogenhandel anmarschierte. Drei Beamte wurden angeschossen, von denen einer schwerer verwundet wurde, woraufhin sie Verstärkung anfordern mussten. Von den Schützen konnten sie lediglich einen erwischen, die weiteren Tatbeteiligten entkamen. Nur wenige Tage später ereignete sich in Algeciras (Cádiz) eine weitere gewaltsame Episode.

Der Fahrer eines mit Haschisch vollgeladenen, luxuriösen Geländewagens, der zuvor in Marbella (Málaga) gestohlen worden war, versuchte sich durch seine Flucht einer Polizeikontrolle zu entziehen. Er rammte dabei ein Dienstfahrzeug der Policía Nacional und verletzte einen Beamten schwer, der beinahe einen Arm verloren hätte. Ein weiterer kam mit leichten Blessuren davon. Der Fahrer konnte in diesem Fall gestellt werden. In Estepona (Málaga) kam es schließlich noch zu einem ähnlichen Vorfall. Auch hier versuchte ein Drogenkurier sich seiner Festnahme mit der immer häufiger angewendeten Methode zu entziehen. In hohem Tempo rammte er zwei Autos der Guardia Civil, wobei erneut zwei Beamte verletzt wurden.

Drogenkrieg in Andalusien: Bandenmitglieder rennen vor der Polizei nicht mehr davon

Die zunehmend um ihre eigene Sicherheit besorgten Polizeikräfte, die eine Aufstockung der personellen und materiellen Mittel fordern, konstatieren ein immer aggressiveres Verhalten der Drogenhändler. Diese würden nicht mehr einfach davon rennen, wenn sie uniformierte Polizeibeamte sichten, sondern sich diesen immer öfter mit Gewalt widersetzen. Selbst wenn ihnen dies neben einer Anklage wegen Drogenhandels noch weitere wegen Verkehrsgefährdung, wegen Körperverletzung oder sogar wegen versuchten Totschlags einbringen kann.

Angesichts der Häufung derartiger Zwischenfälle im Kampf der Sicherheitskräfte gegen den Drogenhandel, ist der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska vor wenigen Tagen nach Cádiz gereist. Grande-Marlaska kam auch nicht allein, sondern mit dem Generaldirektor der Policía Nacional, Francisco Pardo, und der Generaldirektorin der Guardia Civil, María Gámez. Gemeinsam kamen sie in Cádiz nicht nur mit dem Regierungspräfekten José Pacheco zusammen, sondern suchten in der Provinzhauptstadt sowie in Algeciras und Villamartin gleich mehrere Dienststellen der beiden staatlichen Polizeikorps auf.

Und auch im Hospital Universitario Puerta del Mar in Cádiz schaute der Innenminister vorbei, um sich nach dem Gesundheitszustand des in Algeciras überfahrenen Polizisten zu erkundigen, der in dem Krankenhaus sieben Stunden lang notoperiert werden musste. Das zuletzt rabiate Vorgehen der Drogenhändler, manifestierte Grande-Marlaska während seiner Visite, sei vor allem den polizeilichen Erfolgen geschuldet. Die Kriminellen würden, so der Minister, aus Verzweiflung gewaltsamer agieren, da sie sich im Kampf gegen die Sicherheitskräfte zusehends unterlegen fühlen würden.

Drogenkrieg in Andalusien: Polizeikräfte setzen Hebel verstärkt bei der Geldwäsche an

Die spanische Regierung hatte nämlich schon im Sommer 2018 auf die Zunahme der Drogenkriminalität im Campo de Gibraltar mit einem Plan reagiert, der unter anderem eine deutliche Verstärkung der Polizeikräfte in der Region vorsah. Eine Bilanz der damals getroffenen Maßnahme hat der Innenminister nun vorgelegt. Seit dem 1. Juli 2018 seien 9.300 Schmuggler und Bandenmitglieder festgenommen worden. Verstärkt wurde mit 70 polizeilichen Operationen seither auch der Kampf gegen die mit dem Drogenhandel verbundene Geldwäsche.

Zum 1. Juli dieses Jahres, erklärte Grande-Marlaska, sei eine Verlängerung des Plans der Zentralregierung gegen den Drogenhandel beschlossen worden. Mit einer Investition von 48 Millionen Euro für dieses und das kommende Jahr sollen die personellen und materiellen Mittel zusätzlich aufgestockt werden. Und die Polizeipräsenz soll auch noch in Málaga und Huelva deutlich verstärkt werden, da die Drogenbanden zunehmend auf die beiden umliegenden Provinzen ausweichen.

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