Esel-Taxis von Mijas
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Tradition, Business und Quälerei: Esel-Taxis von Mijas.

Tourismus und Tierschutz

Esel-Taxis von Mijas: Eine Tradition als „permanente Quälerei“

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Seit 60 Jahren tragen Esel als lebendige Taxis unter Qualen Touristen durch das malerische Mijas an der Costa del Sol. Die Tierschutzpartei will, die Touristen können es beenden.

Mijas - Die Tierschutzpartei Pacma kämpft seit 2015 aktiv gegen die aus ihrer Sicht „inakzeptable Tierquälerei“, die von der Stadtverwaltung Mijas in Form der Esel-Taxis „geduldet und gefördert“ werde. 2018 machten die burro taxis auch international Schlagzeilen, als einer der Esel während seines Dienstes zusammenbrach und qualvoll verendete, weil weit und breit kein Tierarzt einsatzbereit war.

Tierarzt dokumentiert Qual für Taxi-Esel von Mijas

„Seitdem hat sich an der Ausbeutung und Quälerei nichts geändert“, so Pacma, die nicht nur ein Tierschutzverein ist, sondern auch eine politische Partei. „Sie haben nichts getan“, so deren Urteil, jetzt, da die Esel nach zwei Jahren Corona-Pause wieder in ihre bunten Geschirre gespannt werden. Dabei gibt es in Spanien seit 2022 ein modernisiertes Tierschutzgesetz.

Wären sich Touristen der Qualen der Taxi-Esel von Mijas bewusster, wäre die Quälerei vielleicht bald zu Ende.

Die Videos und Zeugenaussagen, die Pacma seit 2015 über die Esel-Taxis in Mijas sammelte, würden sich 2022 genauso wieder machen lassen, ist Carmen Sánchez überzeugt, Koordinatorin von Pacma für Málaga. Damals hatte der Veterinär Agustín González im Auftrag der Partei ein minutiöses Gutachten zur Gesundheit der Tiere angefertigt. Neben Erschöpfung und Verhaltensstörungen diagnostizierte der Tierarzt damals entzündete und daher eitrige Hautabschürfungen und unnatürlich deformierte Körperteile, Folge der metallenen Geschirre. „Sie stehen den ganzen Tag, auch in den Ruhepausen können sie ihre Position nicht wechseln.“ Die Tiere seien daher „permanent erschöpft“ und würden „schnell zu Invaliden“, so der Tierarzt im Auftrag von Pacma.

Geht auch ohne Esel: Wanderung durch die Sierra von Mijas.

Esel-Taxis in Mijas: Stadt habe kein Interesse an Beendigung der Tierquälerei

„Außerdem werden sie irre, sie starren stundenlang gegen eine Wand, ohne jede Stimulation, dabei sind Esel hochsensible und soziale Tiere“, ergänzt Sánchez, „nach dem Dienst werden sie in kleine Ställe gepfercht, wo sie genauso stehen wie den ganzen Tag.“ Nach dem Vorfall 2018 initiierte die Partei die Kampagne „Corta su cuerda“, also „Zerschneide seine Leine“, doch Demos und ein direktes Gespräch mit der Stadtverwaltung brachten nichts.

Den ganzen Tag auf den Beinen: Seit den 60er Jahren gibt es die Burro-Taxis in Mijas.

„Die Stadt hat an dem Thema kein Interesse“, glaubt die Pacma-Aktivistin und fährt mit „ihrer chronischen Tierquälerei fort“. Dabei „gibt es viele Alternativen, das malerische Mijas zu erkunden, ohne dafür Tiere zu benutzen. Von der Stadt könnte man zumindest erwarten, dass sie sich den drängendsten Problemen annimmt“, so die Partei. Am einfachsten beenden ließe sich die Tierquälerei indes, wenn die Touristen einfach nicht mehr auf die Esel stiegen.

Seit den 60er Jahren gibt es die Esel-Taxis von Mijas. Sie entstanden, als Urlauber aus Großbritannien und Deutschland die Esel der Bauern bestaunten, wenn die von den Feldern zurückkamen. Sie machten Fotos mit ihnen gegen kleine Trinkgelder. Als dann zunächst Kinder, dann auch Erwachsene auf den Tieren reiten wollten, entstand ein Geschäftszweig mit zwischenzeitlich über 50 Lizenzen in den Händen von zehn Besitzern. Weltweit berühmt wurden die Esel-Taxis als Brigitte Bardot durch Mijas auf einem Esel zum Stierkampf ritt. Das Geschäft wird vererbt oder die Lizenzen wie eine Altersversicherung teuer verkauft, wie bei motorisierten Taxis auch. Nur dass diese keinen Schmerz spüren.

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