Nach Madrid, Santiago, Salamanca und San Sebastián

Granada will europäische Kulturhauptstadt werden - im Jahr 2031

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die andalusische Stadt Granada will sich für 2031 als europäische Kulturhauptstadt bewerben. In elf Jahren steht nämlich das 500-jährige Gründungsjubiläum der lokalen Universität an.

  • Granadas Bewerbung wird seit bald einem Jahr bereits vorbereitet.
  • Andalusische Landesregierung unterstützt die Initiatve der Stadt.
  • Mit 23 Millionen Euro will das Land Granadas Altstadt aufwerten.

Granada - Granada hat ein ehrgeiziges Ziel anvisiert: die geschichtsträchtige, andalusische Stadt in der die katholischen Könige Fernando und Isabel 1492 die christliche Rückeroberung der iberischen Halbinsel vollendeten, will Kulturhauptstadt Europas werden. Wann? 2031, also in elf Jahren. Und warum erst dann? Weil 2031 die traditionsreiche Universität von Granada ihr 500-jähriges Bestehen feiert und dieses runde Jubiläum der Kulturhauptstadt, wenn Granada schließlich auserwählt werden sollte, zusätzlichen Glanz verleihen würde.

Stadt Granada
Einwohnerzahl232.462 (Stand: 2019)
Bevölkerungsdichte2644,51 Einwohner/Quadratkiloemter
RegionAndalusien

Granada wäre die fünfte Kulturhauptstadt Europas aus Spanien

Europäische Kulturhauptstadt, ein Titel der von der Europäischen Union seit 1985 alljährlich an eine oder auch mehrere Städte gleichzeitig vergeben wird, sind in Spanien bisher erst vier Städte gewesen: Madrid (1992), Santiago de Compostela (2000), Salamanca (2002) und zuletzt San Sebastián (2016). Granada bereitet sich schon seit bald einem Jahr darauf vor, die fünfte spanische Stadt zu werden, der diese Ehre zuteil wird.

Für Touristen ist Granada untrennbar mit der Alhambra verbunden, eines der meistbesuchten Baudenkmäler Spaniens.

Im August letzten Jahres wurde eine Kommission eingerichtet, die Comisión Granada 2031, die auf die ersehnte Ernennung seitens der EU-Institutionen hinarbeiten soll. Der Kommission gehören neben Politikern der im Rathaus vertretenen Parteien und Sachverständigen der Stadtverwaltung auch Experten aus der Kulturszene an. Aufgabe der Kommission ist es, einen strategischen Plan für die Bewerbung Granadas zu erstellen.

Hierfür werden von der Kommission immer wieder Vertreter des Kultursektors angehört, um deren Ideen und Vorstellungen zu kennen. Und auch die Einwohner können in dem partizipativen Prozess ihre Anregungen zur Verbesserung des kulturellen Lebens in der Stadt kundtun, damit auch die Ansichten des einfachen Volks in den strategischen Plan einfließen.

Granada rivalisiert mit Jérez de la Frontera um den begehrten Titel

Granada kann für die Bewerbung außerdem auf die Unterstützung der andalusischen Regierung bauen. Diese hat der Landesministerpräsident Juanma Moreno (PP) Granadas Bürgermeister Luis Salvador (Cs) jüngst öffentlich zugesichert hat. Zum Leidwesen von Jérez de la Frontera, der als Wiege des Flamenco geltenden Stadt in der Provinz Cádiz, die es ebenfalls auf den Titel Kulturhauptstadt Europas abgesehen hat.

Punkten kann Granada im Rennen um den Titel vor allem mit seinem besonders reichen kulturhistorischen Erbe. Als Schwachpunkte gelten hingegen die kulturelle Infrastruktur. Und verbessern will man im Hinblick auf die Bewerbung schließlich auch das kulturelle Angebot der Stadt, welches nicht erst 2031 auch im Ausland stärker wahrgenommen werden soll.

Aus dem kulturhistorischen Erbe ragt neben der Kathedrale, in der die Katholischen Könige Fernando und Isabel ihre letzte Ruhestätte fanden, vor allem die Alhambra heraus, die seit 1984 von der Unesco als Weltkulturerbe anerkannt ist. Die mittelalterliche Palastanlage aus der Epoche der Nasriden ist schließlich Jahr für Jahr mit rund 2,7 Millionen Besuchern die publikumsträchtigste Sehenswürdigkeit in Andalusien, noch vor der Giralda in Sevilla oder der Mezquita in Córdoba.

Hauptattraktion der Alhambra sind die prunkvollen Nasriden-Paläste.

In diesem Jahr, in dem sich die Erklärung der Alhambra zum nationalen Baudenkmal zum 150. Mal jährt, hat die Landesregierung das Budget des Patronats, welches die Palastanlage verwaltet, mit fast 34 Millionen Euro ausgestattet. Allein 2,5 Millionen Euro werden in den vorgesehenen Ausbau des an der Anlage gelegenen archäologischen Museums fließen, dessen Kollektion deutlich erweitert werden soll.

Granada soll endlich von den Einnahmen der Alhambra profitieren

Mit weiteren knapp 23 Millionen Euro hat die Landesregierung den “Plan Alhambra” dotiert, der indes nicht, wie sein Name glauben lassen könnte, der Palastanlage dienen wird. Ganz im Gegenteil, handelt es sich um Geld, das von der Alhambra generiert wurde und nun der Stadt zugutekommen soll. Womit eine langjährige Forderung der Stadtbevölkerung erfüllt wird, die stets beklagte, dass Granada kaum von den oftmals in Bussen von andalusischen Küstenorten oder von Kreuzfahrtschiffen herbeigeschafften Besucherscharen in ihren maurischen Palästen profitierte.

Die Carrera del Darro am gleichnamigen Bach passieren die meisten Besucher, die von der Stadt aus zu Fuß zur Alhambra hinaufsteigen wollen.

Mit den Mitteln des “Plan Alhambra” sollen vor allem die umliegenden Stadtviertel Albaicín, Realejo und Sacromonte herausgeputzt werden, deren einstiger Glanz zusehends verfallen war und vergleichbar dem Umfeld der Burg Alcazaba in Almería mit jenem der Palastanlage nicht mehr Schritt gehalten hatte. Aber auch in historische Gebäude des Stadtzentrums wie die Kathedrale oder das Rektorat der Universität soll ein Teil des Geldes investiert werden.

Alles in allem sollen mit den annähernd 23 Millionen Euro des “Plan Alhambra”, der im Rahmen einer in der Palastanlage abgehaltenen Kabinettssitzung beschlossen wurde, insgesamt 38 Projekte zur Inwertsetzung des kulturellen Erbes finanziert werden. So sollen zum Beispiel im Palacio de los Córdova sowie in der Casa Agreda Restaurierungen vorgenommen und  Zugangswege zur Alhambra wie der Paseo de Romayla oder der Paseo de la Muralla Zirí ausgebessert werden.

Das gleiche gilt für die Fassaden der typischen Höhlenwohnungen des Barrio de Sacromonte. Und im angrenzenden Albaícín sollen wiederum die an den Häuserfassaden entlang verlaufenden Stromkabel entfernt und unterirdisch verlegt werden, da diese die Attraktivität des seit 26 Jahren als Welterbe der Unesco anerkannten Viertels doch erheblich mindern.

Granada erhofft sich internationale Bekanntheit und mehr Besucher

Der Bewerbung Granadas als Kulturhauptstadt Europas dürfte die Umsetzung all dieser Vorhaben sicherlich nicht schaden. Von einer Ernennung zur europäischen Kulturhauptstadt erhofft man sich schließlich eine Erhöhung des internationalen Bekanntheitsgrades der Stadt und einen entsprechenden Anstieg der Besucherzahlen.

Der mit Abstand wichtigste Besuchermagnet Granadas, die auf einem Hügel über der Stadt thronende Alhambra, kann derzeit ihre Kapazitäten nicht voll ausschöpfen. Seit die Palastanlage, die wegen des Corona-Notstands drei Monate geschlossen bleiben musste, Mitte Juni wiedereröffnet wurde, darf sie am Tag maximal 4.250 Personen Einlass gewähren, 50 Prozent ihres bisherigen Fassungsvermögens.

Damit die Besucherzahlen aber auch nicht darunter bleiben, ist ein Werbespot gedreht worden, der in den sozialen Medien verbreitet wird. In diesem ist die Stimme der Flamencosängerin Estrella Morente zu hören, die in dem Video das Lied „Volver a la Alhambra“ (zur Alhambra zurückkehren) anstimmt.

Die Flamencointerpretin Estrella Morente unterstützt mit ihrer begnadeten Gesangsstimme eine Werbekampagne für die Alhambra.

Für diese Verwendung hatte die selbst in Granada beheimatete Musikerin, Tochter des legendären Flamencosängers Enrique Morente, die Rechte an dem Song gratis abgetreten. Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno dankte es ihr mit einigen Lithografien der Alhmabra, die er Estrella Morente für ihre großzügige Geste überreicht hat.

Rubriklistenbild: © Marco Schicker

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