Infoca-Einsatzkräfte beobachten das „kontrollierte“ Feuer in der Sierra Bermeja
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Infoca-Einsatzkräfte beobachten das „kontrollierte“ Feuer in der Sierra Bermeja am Dienstagmorgen.

Katastrophe in Andalusien

Waldbrand in Sierra Bermeja bei Estepona, Málaga, nach Regen „unter Kontrolle“ - Erste Bilanz

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Sechs Tage lang brannte es lichterloh in der Sierra Bermeja, unweit von Estepona in der Provinz Málaga. Tausende Menschen mussten evakuiert werden, fast 10.000 Hektar Wald sind verbrannt. Andalusiens Landeschef will die „Mörder jagen“, während hunderte Helfer aus ganz Spanien den Brand bekämpften. Ein Feuerwehrmann starb, zwei wurden verletzt. Am Dienstag eine erste Entwarnung: Der Brand ist dank Regen „unter Kontrolle“.

Update, Dienstag, 14. September: Es hat im Raum Málaga die ganze Nacht geregnet, „das erschwerte das Entstehen neuer Brandherde durch Funkenflug und hat uns ermöglicht, sämtliche Kräfte auf die Bekämpfung des Feuers an vier Fronten zu konzentrieren“, so Infoca. Um 7 Uhr am Dienstagmorgen melden die Brandbekämpfer: Brand unter Kontrolle. Aber noch nicht gelöscht. Rund 1.000 Infoca-Mitarbeiter, Polizisten, Feuerwehren aus anderen Orten Andalusiens sowie die UME-Notfalleinheit des spanischen Militärs waren im Dauereinsatz, dazu rund 50 Flugzeuge und Hubschrauber. Ein Helikopter hatte am Montag beim Landeanflug eine Havarie und legte eine Bruchlandung hin, die 19 Menschen an Bord kamen mit dem Schrecken davon. Die meisten evakuierten Menschen - insgesamt über 3.000 - konnten mittlerweile in ihre Häuser zurückkehren.

Die Bilanz des „größten Feuers seit 30 Jahre in Andalusien“: Ein Toter Feuerwehrmann, mehrere Verletzte, knapp 10.000 (offiziell: 9.936) Hektar Wald- und Grünflächen verbrannt, eine unbekannte Zahl teils geschützter Tiere ebenfalls. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Brandstiftung, die andalusische Landesregierung hat zunächst 8 Millionen Euro für die Aufforstung und Renaturierung des Gebietes zugesichert. Politische Debatten gibt es über den verspäteten Einsatz der UME, Andalusien hätte sie zu spät angefordert, Landesministerpräsident Juanma Moreno rechtfertigte sich damit, dass er „der Infoca vertraue“, die ihm zunächst gesagt hätte, dass die eigenen Mittel ausreichen würden.

Brandexperten sprechen von einem Feuer der „sechsten Generation“, das - befeuert durch erhöhte Temperaturen durch den Klimawandel, die Aufgabe der Wald- und Flurpflege durch die Landflucht und andere Faktoren „sein eigenes Wetter produziert“ und gefährliche , potentiell explosive Wolken aufbaut. Hatte man früher diese Phänomen nur punktuell beobachtet, war es nun bei den letzten drei Großbränden in Spanien zu sehen gewesen.

Großfeuer bei Estepona weiter außer Kontrolle - Mehrere Brandherde vereinigen sich, tausende weitere Menschen in vier Orten werden evakuiert - Ascheregen an Costa del Sol. Zwei Feuerwehrleute werden verletzt.

Update, Montag, 13. September, 13 Uhr: Wie ein „hungriges Monster“ frisst sich das Großfeuer in der Sierra Bermeja noch immer durch die Landschaft. Die Feuerwehrleute haben an zwei Fronten gegen das Flammenmeer anzukämpfen: im Valle der Genal und nahe der Gemeinde Casares. Zu den beiden Brandherden kam es am Sonntag, durch Flugasche, die die Brandschneise überquerte. Somit wurde ein zweites Feuer ausgelöst. Dieses vereinigte sich mit dem ersten Feuer. Die Orte Genalguacil, Jubrique, Faraján, Pujerra und Alpandeire mussten am Sonntag evakuiert werden. Derzeit hält das Feuer noch die Orte Algatócín, Benaularía, Benadalid und Atajate in Atem.

Die Infoca-Feuerwehrleute haben darüber informiert, dass bis Montagvormittag 7.780 Hektar Waldgebiet den Flammen zum Opfer gefallen waren. In der Nacht von Sonntag auf Montag hat die Luftfeuchtigkeit zugenommen und leichter Nieselregen unterstützte die Löscharbeiten der Feuerwehrleute ein wenig. Nach Angaben des spanischen Wetterdienstes Aemet ist ab Montagmittag mit starken Regenfällen zu rechnen, Diese sollen auch am Dienstag noch anhalten und dabei helfen, das Feuer zu löschen. Aemet zufolge werden 15 Liter pro Quadratmeter und ein Sinken der Temperatur erwartet. Die Löscharbeiten werden Aemet zufolge im Laufe des Tages erneut durch einen starken Südwest- und Südwind mit einer Stärke von bis zu 50 km/h erschwert. Bis Montagvormittag wartetetn noch 1.616 Bewohner des Valle del Genal darauf, in ihre Häuser zurückkehren zu können. In Estepona und Benahavís waren am Donnerstag 1.054 Personen in Sicherheit gebracht worden. Sie konnten am Donnerstagabend in ihre Häuser zurückgebracht werden.

Auch etliche Straßen mussten wegen der Feuer und Rauchmassen bei Estepona gesperrt werden.

Update, Sonntag, 12. September, 16:30 Uhr: Das Großfeuer in der Sierra Bermeja bei Estepona, Málaga, hat "eine neue Dimension" erreicht, etwas "was wir bisher in diesem Land noch nicht gesehen haben", sagt Alejandro García, Einsatzleiter der Infoca-Feuerwehrleute. Im Laufe des Morgens habe sich ein neues Feuer zwischen den zwei Hauptbrandherden gebildet und mit diesen mittlerweile vereinigt. Die Flammen dringen nun, angefacht durch Levante-Winde, Richtung Nordwesten ins Valle de Genal vor und machen die Evakuierung von vier weiteren Ortschaften mit bis zu 2.500 Einwohnern nötig: Faraján, Pujerra, Alpandeire und Júzcar. Die über Nacht "relativ erfolgreichen Bemühungen" zur Eingrenzung der Flammen von vier Seiten aus wären durch das neue Übersprungfeuer und die Vereinigung der einzelnen Brände "weitgehend zunichte gemacht" worden, so García. Mittlerweile gelten 7.000 Hektar Land als vom Feuer vernichtet. Asche fällt über Málaga und säumt die Strände entlang der Costa del Sol von Benalmádena bis Marbella. 

Nur mit äußerster Vorsicht können sich die Feuerwehrleute den Flammen im schwer zugänglichen Gebiet der Sierra Bermeja nähern.

Update, 12. September, 12.30 Uhr: Das spanische Verteidigungsministerium hat am Sonntag die Notfalleinheit des Heeres, UME, zur Brandbekämpfung nach Málaga in Marsch gesetzt. Die Zahl der evakuierten Personen im betroffenen Gebiet um die Sierra Bermeja bei Estepona hat sich binnen eines Tages auf über 2.000 verdoppelt, rund 6.000 Hektar Natur gelten jetzt als vernichtet.

Ascheregen in Marbella:

Am Sonntagmorgen mussten auch die Ortschaften Jubrique und Genalguacil vollständig geräumt werden. Während die Feuer an einigen Stellen eingedämmt werden können, facht sie der Wind und Funkenflug an anderen Stellen wieder an. Der Großbrand gilt nach wie vor als „nicht kontrolliert“. Umweltschützer kritisieren, dass das Red Natura 2000-Gebiet längst offiziell unter Naturschutz gestellt hätte werden müssen, dann wäre es auch besser zu schützen gewesen.

Erstmeldung, 11. September - Estepona. Mittlerweile kämpfen 41 Löschflugzeuge und Helikopter sowie 400 Feuerwehrleute am Boden gegen das verheerende Feuer in der Sierra Bermeja unweit von Estepona in der andalusischen Provinz Málaga. Die Brände, die am Donnerstag ausbrachen, verteilen sich mittlerweile über ein Gebiet von über 40 Kilometer Breite, rund 5.000 Hektar Wald und Busch in dem äußerst schwer zugänglichen Gebiet sind den Flammen mittlerweile zum Opfer gefallen, ebenso über ein Dutzend Häuser und Fincas. Die Zahl der Evakuierten beläuft sich auf mittlerweile über 1.050 Menschen, am Freitag starb ein Feuerwehrmann aus Almería bei den Löscharbeiten.

Großbrand in Andalusien: Über 1.000 Menschen bei Estepona evakuiert

Am Freitag mussten die Löscharbeiten durch die Infoca-Teams am Nachmittag zum Teil reduziert und eingestellt werden, weil sich ein riesiger Aschekegel über dem Gebiet aufbaute und die Experten eine Art Feuerexplosion sowie den Niederschlag von toxischem Rauch über bewohntem Gebiet befürchteten, was sich glücklicherweise nicht bestätigte. Die Orte Jubrique und Genalguacil stehen faktisch unter Ausgangssperre, die Menschen müssen in ihren Häusern bleiben.

Schaurige Lichtspiele: Die Sierra Bermeja bei Estepona ist durch Schluchten zerklüftet und an vielen Stellen unzugänglich.

In der Nacht zum Samstag wurden auch Menschen aus Quiñones evakuiert, das sich bereits auf dem Gemeindegebiet von Estepona befindet. Weitere von Evakuierungen betroffene Zonen sind: Urbanisation Forest Hill, Abejeras, Benehavís, Charca de la Extranjera, Zonen an der MA-8301, Huerta Padrón, Río Velerín, Río Castor und Charca de las Nutrias.

Waldbrand bei Estepona: "Feuer einer neuen Dimension", "Strafen zu mild"

Die Einsatzkräfte setzen auf eine Wetterverbesserung am heutigen Samstag, vor allem die Winde sollen nachlassen. Außerdem haben Helfer mittlerweile eine Reihe Feuerschneisen geschlagen und hoffen so, die betroffene Fläche eingrenzen und die Feuer dann besser bekämpfen zu können. Bisher jedoch breitet es sich immer noch weiter aus (Stand Samstag 14.00 Uhr).

Probleme bereiten indes Bewohner, die trotz Evakuierungsanordnung in ihre Fincas und Häuser zurückkehren aus Angst vor Plünderungen. Die Polizei kann das riesige Gebiet nur schwer absperren. Doch diese Menschen würden "sich in akute Lebensgefahr begeben", die nicht nur direkt durch das Feuer, sondern vor allem durch den Rauch ausgehe.

Andalusiens Ministerpräsident Juanma Moreno beschrieb in den Medien die apokalyptischen Ausmaße des Feuers und verglich es mit den Ereignissen in Kanada im Frühsommer sowie in Portugal vor zwei Jahren, wo über 60 Menschen ums Leben kamen. "Das sind nicht die Feuer, die wir früher hatten, das sind Feuer einer neuen Dimension", sagte der Regierungschef über den Brand in dem Gebiet, das im Red Natura 2000 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Brandstiftung bei Großfeuer in Andalusien wahrscheinlich: Streit um Kooperation zwischen Land und Staat

Nach bisherigem Ermittlungsstand gibt es zwei Brandherde, weshalb die Behörden von Brandstiftung ausgehen. Moreno wählte martialische Worte: "Wir werden diese Mörder jagen. Und wir sollten darüber nachdenken, das Strafrecht bei Umweltdelikten zu verschärfen, denn zur Zeit ist es sehr schwer, diesen Verbrechern das Handwerk zu legen. Die Strafen sind einfach zu milde", so Moreno. An beiden Brandherden hätten sich klare Belege für Entzündung durch Feuerzeuge gefunden, so Moreno.

Die Rauchschwade des Brandes in Málaga ist bis ins Weltall sichtbar. Hier eine Aufnahme des Satteliten Sentinel 3 des Projektes Kopernikus.

Polemik gab es auch zum Einsatz der Notfalleinheit des spanischen Militärs, UME. Laut Medienberichten hätte die andalusische Landesregierung (PP/Cs/Vox) deren Einsatz zunächst abgelehnt bzw. verspätet beantragt, um nicht auf Hilfe der "linken" Zentralregierung in Madrid angewiesen sein zu müssen. Die Junta, Andalusiens Landesregierung, bestreitet diese Vorwürfe, es sei allein das Verteidigungsministerium das darüber entscheidet, ob ein Einsatz opportun sei. Madrid wiederum meldete, dass UME und andere Hilfsgruppen stünden auf Abruf bereit. Mittlerweile hat das Umweltministerium erste Gruppen in Bewegung gesetzt, Feuerwehreinheiten aus ganz Andalusien sind ebenfalls auf den Weg geschickt worden.

Erstbericht zum Großbrand bei Estepona.

Zum Thema: Großbrand in der rosa Lagune von Torrevieja hinterlässt große Schäden.

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