Der Bürgermeister der Stadt an der Costa del Sol, Joaquín Villanova, nahm an dem "Regentanz" teil und kommentierte: "Wenn wir den Traditionen folgen, dann tut es San Francisco auch, im Frühjahr holten wir ihn nach 40 Jahren heraus und es hat einen Monat lang viel geregnet." Dass Wunder könnte sich wiederholen, das staatliche Wetteramt Aemet hat für diese Woche mehrere Tage, wenn auch bescheidene Niederschläge für Málaga, Andalusien und weite Teile Spaniens, angekündigt, auch mit himmlischer Unterstützung: von Satellitendaten.
Wie berichtet, wurde den Bauern in den östlichen Provinzen Málagas bereits das Wasser abgestellt, weil die großen Stauseen wie La Viñuela praktisch leer sind, vor allem auch wegen der Bewässerung von extrem durstigen tropischen Früchten wie Mangos und Avocados, für die seit Jahren die Niederschläge der Region nicht genügen und deren Verbrauch sogar die Versorgung der Bevölkerung gefährdet. Die Provinz Sevilla musste daher bereits für 2 Millionen Bürger Verbote beim Wasserverbrauch aussprechen.
Dennoch forderten am Montag die Bauern, dass der Staat ausreichend Wasser bereitstellen möge, sonst "würden unsere Betriebe Stück für Stück sterben", so die Unión de Pequeños Agricultores y Ganaderos (UPA), die Vereinigung der Kleinbauern und -züchter. Die Kosten der Produktion seien durch die Inflation ohnehin bereits so hoch, "dass der Gewinn praktisch Null" sei. Durch den "Wasserstress" würden zudem bis zur Hälfte der diesjährigen Olivenernte ausfallen, auch die Vorhersagen der Orangen- und Zitronenernte seien "katastrophal" und die sonst hohen Preise bei Mangos und Avocados, weswegen die Bauern auf diese tropischen Früchte umgestiegen sind, wurden von Großproduzenten und Zwischenhändlern "in ruinöser Absicht" gedrückt.
"Unsere Kleinbauern können die Kosten nicht mehr decken und niemand kann vernünftig erklären, warum man ihnen 30 Cent für ein Kilo Mangos bezahlt, die im Laden den Konsumenten dann 3,50 Euro kosten", so UPA-Chef Francisco Moscoso. 3-4 Euro erhielten Mango-Bauern noch vor einigen Jahren. Auch die Produktionskosten der "Oliven haben sich fast verdreifacht, der Preis von um die 80 Cent pro Kilo ist nicht kostendeckend, aber die Bauern, denen das Wasser bis zum Hals steht, sind gezwungen zu verkaufen". Händlerkartelle nutzen diese Gemengelage gezielt zur Profitmaximierung aus, große Agrarinvestoren wiederum unterstützen sie dabei, um die kleinen Konkurrenten zu zermürben und ihre Flächen schließlich übernehmen zu können.
Die Politik, die sich in fetten Jahren möglichst nicht einmischen soll, habe das Dilemma nun zu richten, aber nicht durch Restriktionen beim Anbau, sondern durch mehr Wasser und Protektionsismus. Die UPA, die damit eine ähnliche Strategie verfolgt, wie die Tourismusindustrie, der zweite ungezügelte Wasserverbraucher der Region, traf sich vorige Woche mit einem Vertreter des Landwirtschaftsministeriums und forderten direkte Subventionen und Nothilfen, das Verbot der Einfuhr von Früchten "aus Peru oder Brasilien während unserer Saison", während die Landesregierung mehrere Dutzend Projekte zur besseren Nutzung des vorhandenen Wassers ankündigte, die teils schon seit Jahrzehnten in den Schubladen vergilben.
Den Groß- und Einzelhandel direkt anzugehen, das trauen sich die Bauern allerdings nicht, ein Überdenken ihrer Anbaupolitik, der Umstieg auf andere Früchte, die (subevntionierbare) Investition in neue Methoden, kündigen weder der Großverband Asaja, noch die UPA an. Die Bauern könnten zudem durch Zusammenschluss in Verkaufsgemeinschaften und durch Direktvertrieb auf Märkten, in kleinen Obsthandlungen oder ab Hof die strangulierenden Preise umgehen. Machen sie aber nicht oder noch zu selten und zaghaft. Ein Ausnahme-Beispiel: Bio-Olivenöl aus historischer Mühle bei Málaga.
"Der Handel erlegt uns ästhetische und Volumen-Vorgaben auf, die irreal sind. Eine Mango unter 300 Gramm wird als schlecht bewertet, angeblich, weil der Konsument sie groß will. Aber nicht immer muss das Auge mitessen, das muss auch der Konsument lernen. Sie bringen uns in eine unmögliche Lage", so UPA.
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