Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes in einer Hüttenseidlung afrikanischer Immigranten.
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Im Umfeld der Gewächshausplantagen leben Tausende Zuwanderer in elendigen Verhältnissen.

Versorgung mit dem Nötigsten

Hilfsorganisationen unterstützen Bewohner der Hüttensiedlungen in Almería

  • vonJosé Antonio Nieto
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Unter der Coronavirus-Pandemie leidet in der Provinz Almería ein Kollektiv ganz besonders: die Immigranten, die ihr Dasein in den Agrargebieten in prekären Behausungen fristen.

  • In den Hüttenvierteln leben vor allem Zuwanderer aus dem Maghreb und Schwarzafrika.
  • Ihre Unterkünfte zimmern sie sich zum Teil aus Brettern, Kartons und Plastikfolien.
  • Ohne fließendes Wasser ist eine stenge Hygiene in den Vierteln kaum einzuhalten.

Almería - Die seit bald sieben Wochen in Spanien geltenden Ausgangsbeschränkungen setzen auch in der Provinz Almería den Einwohnern psychisch mehr oder weniger zu, jenen die über ein Haus mit Garten verfügen eher weniger, jenen die in einer kleinen Wohnung leben dafür umso mehr. Und in ökonomischer Hinsicht hat die Coronavirus-Pandemie auch in Almería die meisten Wirtschaftssektoren in eine tiefe Krise gestürzt und breite Bevölkerungsschichten in eine Notlage gebracht. Ein Kollektiv indes steht in der Provinz in der aktuellen Situation besonders schlecht da und zwar jene Immigranten, die in den unzähligen, in landwirtschaftlichen Anbaugebieten entstandenen Hüttensiedlungen zu Hause sind.

Bei den Bewohnern der Hüttenviertel handelt es sich fast ausnahmslos um afrikanische Zuwanderer, die vor allem im Umfeld von Níjar sowie in den Gemeinden der Westküste Almerías auf den Gewächshausplantagen arbeiten. Ein Zugang zu normalem Wohnraum bleibt ihnen aus verschiedenen Gründen verwehrt: weil sie sich diesen nicht leisten können, weil sie keine gültigen Aufenthaltspapiere haben oder schlicht und einfach weil sie Ausländer sind. Im besten Fall leben sie in leer stehenden, mehr oder weniger ruinösen Cortijos. Im schlimmsten Fall aber fristen sie in prekären Behausungen ihr Dasein, die sie sich mit Brettern, Kartons und Plastikfolien zusammengezimmert haben.

Zumeist müssen sie ohne Stromanschluss auskommen und auch ohne fließendes Wasser. Dieses besorgen sie sich oftmals in den Becken zur Bewässerung der Felder. Ihr dringendstes Problem in Zeiten des Coronavirus liegt damit auf der Hand: Das momentan geltende Gebot einer strikten Sauberkeit und körperlichen Hygiene, um eine Ausbreitung des Virus möglichst zu verhindern, können sie kaum hinreichend erfüllen. Hinzu kommt, dass ihre Arbeitssituation zurzeit auch nicht die allerbeste ist, so dass selbst Grundbedürfnisse wie eine ausreichende Ernährung mitunter nicht gewährleistet sind.

Betroffene von der Coronakrise vor allem in Níjar und an der Westküste

In dieser prekären Situation leben allein in der Gemeinde Níjar an die 4.000 aus dem Maghreb oder Schwarzafrika stammende Immigranten, im Raum El Ejido und Roquetas weitere 3.000. Das versichert die linke Partei Adelante Andalucía, die angibt sich in ihrer Kalkulation auf die Daten diverser Hilfsorganisationen zu stützen, die sich in den Hüttenvierteln zugunsten ihrer Bewohner engagieren. In geringerem Maße ist das Phänomen auch in einigen landwirtschaftlich geprägten Gemeinden im Nordosten der Provinz Almería präsent. Die Situation sei auch keineswegs neu, nur hätten die staatlichen Instanzen, bedauert Adelante Andalucía, bislang stets weggeschaut und die Betroffenen im Stich gelassen.

Nun aber, wo die Bewohner der Hüttenviertel, sollte es in ihren Siedlungen zu Infektionen kommen, dem Coronavirus besonders schutzlos ausgliefert wären, sei eine staatliche Intervention unabdingbar geworden. Das sehen auch die Hilfsorganisationen Almería Acoge, Fundacion Cepaim, Medicos del Mundo sowie das Rote Kreuz so, die in einer gemeinsamen Erklärung die staatlichen Institutionen zum Handeln aufgefordert haben, da die Situation in den Hüttensiedlungen, in deren Umfeld sich mangels einer Mülllabfuhr nicht zuletzt auch Abfälle ansammeln, vor allem in hygienischer Hinsicht absolut unhaltbar sei.

Trinkwasser, Lebensmittel und Hygieneartikel

Die genannten Hilfsorganisationen versorgen die Bewohner der Siedlungen mit dem Nötigsten: Trinkwasser, Lebensmittel, Hygieneartikel und desinfizierende Reinigungsmittel. Außerdem klären sie die Einwanderer über die Infektionsgefahren und die Covid-19-Symptome auf und informieren sie über die aufgrund der Pandemie angebrachten Hygienemaßnahmen. Außerdem nehmen sie in Kooperation mit Landwirten aus der Umgebung zum Teil sogar Desinfektionen in den Hüttenvierteln vor oder kümmern sich darum, Unterkünfte zu besorgen, in denen Infzierte ohne Symptome, gebracht werden könnten, um sie zu isolieren.

Auf die akute Situation in den Hüttensiedlungen der Provinz Almería hat mittlerweile auch die andalusische Regierung reagiert, die zur Linderung der Not ihrer Bewohner unlängst eine Investition in Höhe von 1,16 Millionen Euro beschlossen hat. Das Geld wird den Gemeinden zugute kommen, in denen sich Hüttenviertel befinden und zwar gestaffelt nach der jeweiligen Anzahl an Siedlungen und Bewohnern. Zunächst waren Níjar, Roquetas, El Ejido, Vícar, Cuevas del Almanzora sowie Antas von der Landesregierung bedacht worden. Nachträglich wurde indes noch die Gemeinde La Mojonera hinzugenommen, nachdem sich dessen Rathaus beklagt hatte, bei der Verteilung vergessen worden zu sein.

Installation mobiler Duschen und Toiletten

Von den Mitteln sollen bis zu 2.300 Immigranten profitieren, die in insgesamt 84 verschiedenen Hüttensiedlungen leben. Mit dem Geld wollen die Gemeinden zum Beispiel Wasserleitungen istalllieren und die Siedlungen unter anderem mit mobilen Toiletten und Duschen ausstatten, wie sie etwa bei Musikfestivals verwendet werden. Ob die Höhe der beschlossenen Investition angemessen ist, um die Situation hinreichend zu verbessern, ist sicherlich diskutabel.

Außer Frage steht hingegen, dass nicht alle Betroffenenen berücksicht worden sind, denn das Rote Kreuz hatte im vergangenen Jahr bis zu 4.400 in Hüttensiedlungen lebende Immigranten betreut. Nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung der Stadt Almería wie auch des Fußballclubs UD Almería, hat die Hilfsorganisation in den ersten sechs Wochen nach der Ausrufung des Notstands bereits mehr als 3.000 Personen aufsuchen und mit dem Nötigsten versorgen können.

Der Hilfsorganisation Almería Acoge gehen die staatlichen Interventionen auch nicht weit genug. Sie fordert, dass die Bewohner der Hüttenviertel provisorisch anterweitig untergebracht werden, etwa in Sporthallen, öffentlichen Gebäuden oder leer stehenden Sozialwohnungen. So wie zum Beispiel Obdachlose in Almería in einer öffentlichen Herberge oder Bootsflüchtlinge in einem zur Zeit geschlossenen Hotel untergekommen sind. Vor allem aber plädiert Almería Acoge wie auch die übrigen erwähnten Hilfsorganisationen dafür, dass man die betroffenen Immigranten nach der Pandemie nicht wieder vergisst, sondern für das seit Jahren schwehlende Problem der prekären Hüttensiedlungen ein für alle Mal eine Lösung findet.

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