Deutsche bei Málaga verhaftet

Kriminalität an der Costa del Sol: Deutsche betrieben Waffenlager und Nazi-Museum

Schlag gegen die organisierte Kriminalität in Spanien: Zwei Deutsche und ein Brite sollen an der Costa del Sol ein Waffenlager und ein wahres Nazi-Museum betrieben haben.

Málaga (dpa/fin) - Der Polizei ist in Spanien ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen. An der Costa del Sol haben Ermittler der Guardia Civil ein großes Waffenlager und zahlreiche Nazi-Devotionalien gefunden. Die Anführer der Bande, bei denen es sich um zwei Deutsche und einen Briten handele, seien festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press am Dienstag unter Berufung auf die Polizei. Bei einem der Deutschen, der Verbindungen in rechtsextreme Kreise habe, sei laut der Polizei in Alhaurín el Grande (Málaga) ein wahres „Museum“ mit Nazi-Uniformen, Fahnen und anderen Nazi-Objekten an der Costa del Sol gefunden worden. Wie die spanische Zeitung La Razón am vergangenen Freitag berichtete, soll es sich bei dem Inhaber der Waffen und der Nazi-Devotionalien um den 54-jährigen Deutschen Tilo Kranzler handeln.

Costa del Sol Küste im Süden von Spanien
Längecirca 300km
LandSpanien
ProvinzenCádiz, Málaga

Kriminalität an der Costa del Sol: Angeblicher deutscher Rentner wurde wegen Waffenlagers gesucht

In Kooperation mit dem Bundeskriminalamt (BKA) habe die Polizei bei dem Einsatz gegen die organisierte Kriminalität festgestellt, dass der andere der beiden Deutschen, ein 70-jähriger Rentner an der Costa del Sol - nämlich in Coín bei Málaga - lebte, in Deutschland wegen eines Waffenlagers bei Hannover per Haftbefehl gesucht wurde.

Das Waffenlager der Bande an der Costa del Sol, die offenbar Drogenschmuggler im Süden von Spanien mit Waffen versorgte, sei ungewöhnlich umfangreich gewesen. Insgesamt wurden 121 Pistolen, 22 Sturmgewehre, acht Maschinenpistolen, 9976 Schuss Munition unterschiedlicher Kaliber, acht Schalldämpfer, 273 Magazine und sogar eine Granate mit eineinhalb Kilogramm Sprengstoff beschlagnahmt, wie Europa Press schrieb.

Bei dem Schlag gegen die organisierte Kriminalität an der Costa del Sol fand die Polizei Waffen und ein Nazi-Museum.

Kriminalität an der Costa del Sol: Deutsche verkauften Kriegswaffen an Drogenbanden

Die Bande habe unbrauchbar gemachte Kriegswaffen in Osteuropa aufgekauft, in einer geheimen Werkstatt wieder funktionsfähig gemacht und dann an der Costa del Sol gelagert. Die Ermittlungen hätten in Spanien schon im vergangenen Jahr begonnen, als bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Drogenbanden in Südspanien immer mehr und gefährlichere Waffen zum Einsatz kamen. Erst im September machte auch ein Nachtclub in Vélez-Málaga wegen illegalen Waffenhandels Schlagzeilen. Der Betreiber und ein Kunde wurden festgenommen.

In einem Interview des Programms „Informe Enigma“ des Radiosenders Radio Platja d´Aro sagte Tilo Kranzler Ende Oktober 2019, dass sein Großvater Adolf Hitler persönlich gekannt und ihn gelegentlich chauffiert habe. Im Gespräch mit dem Journalisten meinte Kranzler, dass er sehr stolz darauf sei, dass sein Großvater Hitlers Chauffeur gewesen sei. Die NSDAP bezeichnete er in dem Gespräch als Arbeiterpartei, die Deutschland dazu verholfen habe, nach dem Krieg wieder auf die Beine zu kommen. Er sprach auch darüber, Nazi-Uniformen, Helme, Abzeichen und Flaggen zu besitzen. Diese verleihe er gelegentlich für Filme über den Zweiten Weltkrieg, wie dem Kinofilm „Der Untergang“.

Die Ermittler stellten fest, dass die beschlagnahmten Waffen des Typs Zastava M70 alle im ehemaligen Jugoslawien produziert worden waren. Sie haben einen kurzen Griff, somit sind sie für die Narcos sehr handlich. Damit die Ermittler die Herkunft der Waffen nicht erkennen, war die Seriennummer entfernt worden. Die Drogenschmuggler lackierten sie außerdem, damit sie wie neu aussahen. Der 70-jährige Rentner kaufte die Sammlerstücke aus Osteuropa im Internet für etwa 600 Euro. Seit 2013 lebte er mit seiner Frau in Coín. Nur selten verließ der Rentner sein Haus, das er in eine Werkstatt umgewandelt hatte, um die Waffen gebrauchsfähig zu machen und anschließend auf dem Schwarzmarkt für bis zu 8.000 Euro zu verkaufen. Hierbei half ihm ein 34-jähriger Brite, der seit 2008 mit Drogen handelt. Er war das Bindeglied zwischen den beiden Deutschen und den Drogenbanden. Der Brite besaß drei gefälschte Pässe. In seinem Haus fand die Polizei zudem eine Marihuana-Plantage. Das Amtsgericht von Coín hat für die drei Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Waffen-, Munitions- und Drogenschmuggel sowie Urkundenfälschung vorgeworfen.

Rubriklistenbild: © Guardia Civil

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