kitesurfer und badegäste am strand valdevaqueros in tarifa
+
Im Kitesurf-Hotspot Tarifa sind wieder die bunten Segel am Himmel zu sehen.

Urlaub an der Costa de la Luz

Kitesurfen in Andalusien: Schwerelos über dem Meer - Tarifa El Dorado für Kitesurfer

  • vonLena Kuder
    schließen

Lange Zeit war es durch die Coronavirus-Krise still an Tarifas Stränden. Im Kitesurf-Eldorado Tarifa haben nun wieder die Kite-Schulen geöffnet. Zwei Kitelehrer bieten einen Blick hinter die Kulissen

Tarifa - Bauch anspannen, mit den Knien federn und die Balance halten – Bernd Jenkner ist zufrieden mit seiner zwölfjährigen Schülerin. Vor seiner Kiteschule Adrenalin Kite Area am Strand von Valdevaqueros, rund zehn Kilometer von Tarifa entfernt, hat er einen Parcours mit sogenannten Indoorboards und einer Slackline parat. Instrumente, die seinen Kitesurfschülern helfen sollen, die Balance zu halten.

Kite-Surfen in Andalusien: Von den Meistern lernen

Bis 1997 war Jenkner Snowboard- und Segellehrer, um schließlich 1999 eine Ausbildung zum Kitesurflehrer zu absolvieren. Auf der griechischen Halbinsel Peleponnes lernte er seine heutige Lebensgefährtin Suzette Richter kennen und baute für den Robinson Club am Halkidiki Beach eine Kiteschule auf. Mit Richter zusammen rief er 1999 auf den Kapverden ein Windsurf-Center für Planet Windsurfing ins Leben. Dort haben sich die beiden immer mehr dem Kiten gewidmet. Und auch heute kommt die Kite-Elite von den Kapverden regelmäßig zur Kite-Meisterschaft Strapless-Competition nach Tarifa. Anfangs hätten seine Schüler noch mit Zweileiner-Kites ohne Depower Bar gelernt. Dies sei noch mit einem großen Kraftaufwand verbunden gewesen, da der Kiter die Bar Richtung Kite vom Körper wegschieben muss.

Bernd Jenkner und Suzette Richter betreiben die Kiteschule Adrenalin Kite Area.

Erste Kiteschule ganz Portugals

Mit Richter, die aus der professionellen Fitnessbranche kommt, ist er anschließend an die portugiesische Algarve und schließlich auf die Kanaren weitergezogen. „In Lagos haben wir 2000 die erste Kiteschule in ganz Portugal eröffnet“, sagt Jenkner. Daraufhin haben die beiden für den Schweizer René Egli die Kite- und Windsurfschule auf den Kanaren im Süden bei Sotavento aufgebaut. Zu der Zeit habe es nur wenige Kitelehrer gegeben, deshalb wurden Richter und er angeheuert, um dort das Kiten zu unterrichten.

„Ich halte nichts von Massenabfertigungen."

Bernd Jenkner, Inhaber der Kiteschule Adrenalin Kite

2001 sind die beiden nach Tarifa gezogen, um hier zunächst den Club Mistral zu übernehmen und kurz danach eine eigene Kiteschule ins Leben zu rufen. „Ich halte nichts von Massenabfertigungen“, unterstreicht Jenkner, „in vielen touristischen Gegenden steht das kommerzielle Element im Vordergrund. Das ist bei uns anders. Für uns ist die Kundenzufriedenheit das A und O. Unsere Kunden sollen zu hundert Prozent betreut werden und sicher lernen.“ Viele Kitesurfschulen seien sehr umsatzorientiert, weshalb die Schüler auf der Strecke blieben, moniert Jenkner.

Tarifa gilt als Kitesurf-Hotspot.

Besser einzeln als in der Gruppe

In seinen Augen ist es kein Sport, den man in Gruppen betreiben sollte, sondern eine Sportart, die besser in Einzelstunden erlernt wird, da sie sehr individuell ist und Gruppen eher Stress oder Druck ausüben. Vier Stunden in der Gruppe hätten den gleichen Effekt wie eineinhalb Stunden Einzelunterricht. Der Nachteil in der Gruppe bestünde darin, dass der Schüler viel herumstehen und warten müsse, bis er an der Reihe sei.

Pro Saison arbeiten bei Adrenalin Kite Area in der Regel fünf Kitelehrer. „Heutzutage ist das Kitesurfen aufgrund der modernen Kites, der Sicherheitssysteme und der einfachen Handhabung fast schon ein Breitensport geworden“, so Jenkner. Er erinnere sich noch an den Werbeslogan einer Kitemarke: „Kiting is definately not for 99,9 per cent of the people“ (dt.: Kitesurfen kommt für 99,9 Prozent der Leute definitiv nicht in Frage). Darin spiegle sich wider, dass das Kiten noch vor etwa 15 Jahren als Extremsport betrachtet wurde. Kinder ab acht Jahren mit einem Gewicht ab etwa 26 Kilogramm könnten mit dem Kiten beginnen. Eine Altersgrenze gebe es nicht. Sein bislang ältester Schüler sei 75 Jahre alt gewesen.

Spezielle Ausrüstung für Kinder

Für Kinder hat die Kiteschule ein kindgerechtes Equipment parat. „Für uns ist es wichtig, den Schülern eine passende Ausrüstung zu geben“, sagt Jenkner. Deshalb bekämen auch Frauen und Männer spezielle Anzüge. Zudem gibt es Sommer- und Winteranzüge. Für die Schulung verwenden Jenkners Lehrer Kites der Marke Airush, die mit Abstand die besten Kites zum Lernen bauten, da sie leichter als herkömmliche Kitesegel und einfach in der Handhabung seien. Das sei für das Lernen wichtig, weil hierdurch die Erfolgschancen für den Schüler am Größten sind. Zunächst einmal lernt der Schüler den Umgang mit dem Kite am Strand. Je nachdem ob der Schüler möchte, geht es dann am zweiten Tag ins Wasser. „Wir produzieren auch Kiteboards für unsere eigene Marke Seatech Tarifa, sodass wir für verschiedene Körpertypen die adäquaten Boards mit verschiedenen Pads (Fußpads) und Straps (Fußschlaufen) da haben“, betont Jenkner.

Auch auf das Fliteboarden hat sich die Kitesurfschule spezialisiert. Das „Fliteboard“ gleicht einem Surfboard. Es wird über einen Elektromotor betrieben und schwebt scheinbar über das Wasser. Der verbaute bürstenlose Elektromotor - mit 3,7 kW Leistung - sorgt für reichlich Schub. Ab etwa 15km/h genügt der Auftrieb des Foils (der Flügel) und das Board beginnt zu Schweben. Außerdem kann man sich dort auch Stand-Up-Paddle Boards, Kajaks, E-Onewheel Boards und E-Step-Scooter ausleihen.

Die Wellen lesen lernen

In der Surfschule Pata Negra Surf spielt das Kiten auch eine Rolle, wenngleich nicht die Hauptrolle. Die beiden Inhaber Javier Palacios und Jana Kovarikova bieten zudem Windsurf, Standup-Paddle-Surf, Klettern und Mountainbike-Touren an. Sogar Standup-Paddle-Surf-Touren bei Vollmond stehen gelegentlich auf dem Programm. „Für uns steht im Mittelpunkt, dass wir bei den Aktivitäten auch die Umwelt respektieren“, erklärt Kovarikova. Wer bei Pata Negra Surf aufs Surfbrett steigt, der bekommt auch erklärt, wie die Wellen entstehen und lernt, diese zu lesen. „Der Surfprofi Carlos Huidobro unterrichtet bei uns das Surfen“, erklärt Palacios.

Javier Palacios und Jana Kovarikova bieten außer Kitesurf auch Windsurf, Standup Paddle Surf, Klettern und Mountainbike-Touren an.

Wer sich für das Leben im Meer interessiert, der erhält auch Informationen über die Almadraba, den für die Costa de la Luz so typischen Thunfischfang. Die Touren führen abseits der touristischen Pfade auf jahrhundertealten Wegen entlang und unterwegs erfährt der Radler, welcher Zugvogel über seinem Kopf hinwegschwebt.

Adrenalin Kite Are, Kontakt. Geöffnet von Ende März jeweils vor der Semana Santa bis Anfang November. Im Herbst/Winter bietet die Schule Trainingsstunden nach telefonischer Absprache. Bei Adrenalin Kite Area kann man auch individuelle Boards anfertigen lassen. Kitesurf-Lexikon, Pata Negra Sur, Kontakt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare