Drei Männer stehen knietief auf einem grünen Feld.
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Der andalusische Präsident Juanma Moreno präsentiert sich gerne als Umwelthüter, in seiner Politik aber stellt er den Naturschutz schon mal hinten an.

Pioneer oder Nachzügler?

Klimaschutz in Andalusien: grüne Revolution oder großer Bluff?

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Der andalusische Regierungschef Juanma Moreno propagiert eine grüne Revolution und wähnt seine Region an vorderster Front im Kampf gegen den Klimawandel. Umweltexperten und politische Opposition sehen das indes ganz anders.

Sevilla - Vier Tage lang weilte der andalusische Regierungschef Juanma Moreno in der vergangenen Woche anlässlich des Klimagipfels COP 26 in Glasgow. Dort brüstete er sich mit der von seinem Kabinett vor zwei Jahren angestoßenen grünen Revolution, mit der die Ökonomie der Region nachhaltiger und sauberer werden soll. Andalusien sei schließlich die erste Region in Spanien gewesen, die einen Aktionsplan für das Klima in die Wege geleitet habe. Was allerdings auch Sinn ergibt, da Andalusien auch die spanische Region ist, die am stärksten vom Klimawandel betroffen ist. Ihr drohen ein anhaltender Rückgang der Niederschläge und immer häufigere und länger andauernde Dürreperioden sowie eine Erhöhung der Waldbrandgefahr und auch der Bodenerosion, was eine fortschreitende Desertifikation nach sich ziehen dürfte.

AndalusienAutonome Gemeinschaft in Spanien
Fläche87.268 Quadtratkilometer
Einwohner8,427 Millionen (Stand: 2019)
HauptstadtSevilla

Zurück zum erwähnten Klimaschutzplan der andalusischen Regierung: Mit einer Investition von 6,2 Milliarden Euro, die von der EU bezuschusst wird, sollen im Zeitraum der Jahre 2021 bis 2030 bis zu 150 verschiedene Maßnahmen umgesetzt werden. Diese zielen unter anderem auf eine Förderung der zirkulären Ökonomie zur Abfallvermeidung sowie auf eine Verbesserung der Abwasserklärung und eine Ausbesserung der Staudämme ab – beides zur Schonung der natürlichen, knapper werdenden Grundwasserreserven. Der Aktionsplan verpflichtet außerdem alle andalusischen Gemeinden bis zum Oktober kommenden Jahres eigene Pläne für den Kampf gegen den Klimawandel auszuarbeiten.

Klimaschutz in Andalusien: ökologische Landwirtschaft und erneuerbare Energien

Als Ziele gibt der Plan der Landesregierung zum Beispiel eine Reduzierung der Treibhausgase um 40 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. Bis zum Jahr 2050 wiederum soll Andalusien klimaneutral werden. Und die Vorgabe der EU, wonach bis 2030 mindestens 25 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion ökologisch sein sollte, will man bereits 2023 erfüllen. Schon jetzt habe man schließlich einen Anteil von 23,5 Prozent erreicht, weit über dem nationalen Durchschnitt, der laut Juanma Moreno bei elf Prozent liegt. In der Stromproduktion habe man wiederum erreicht, dass bereits 60 Prozent der Energie emissionsfrei produziert wird. Und im Bereich der erneuerbaren Energien lägen in Andalusien an die 1.000 Projekte vor, die eine Investition von insgesamt 23,4 Milliarden Euro und eine Schaffung von rund 70.000 Arbeitsplätzen mit sich bringen würden.

Im Kampf gegen den Klimawandel sieht Juanma Moreno Andalusien als eine der treibenden Kräfte in Europa. Schließlich gelte es die große biologische Vielfalt der Region zu erhalten und ihre Naturlandschaften an der Küste wie im Landesinneren zu schützen, nicht zuletzt auch weil der Tourismus in hohem Maße davon abhänge. Und es gelte, so Moreno, die jüngeren Generationen vom Damoklesschwert der drohenden Klimakatastrophe zu befreien. Vonseiten der Wissenschaft wird die Rolle Andalusiens als Speerspitze beim Klimaschutz indes infrage gestellt. Die grüne Revolution sei eher Schall und Rauch, da die Maßnahmen des Aktionsplans längst nicht weit genug gehen. Anders als etwa Katalonien oder das Baskenland habe Andalusien auch noch nicht die klimatische Notlage erklärt, obwohl die Region Gefahr laufe, sich bis zum Ende des Jahrhunderts weitestgehend in eine Wüste zu verwandeln.

Klimaschutz in Andalusien: Schutz der Wasserreserven und der Wälder vernachlässigt

Das 2018 bereits in Andalusien beschlossene Gesetz zum Klimawandel und zur energetischen Transition wartet drei Jahre später noch immer auf seine inhaltliche Umsetzung, beklagen Umweltexperten. Zum Kampf gegen den Klimawandel müsse in der Region außerdem nicht nur das Energiemodell dringend transformiert werden, sondern auch das Tourismusmodell und die Landwirtschaft, die beiden Grundpfeiler der andalusischen Wirtschaft. Insbesondere der Wasserbedarf des Agrarsektors müsse in Zeiten zunehmender Dürreperioden gründlich überdacht werden. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch die Viehzucht, hätten in Andalusien überdies einen großen Anteil an den Kohlendioxidemissionen. Und gerade der Schutz des Forstbestandes, der dem entgegenwirkt, sei in der Region in den letzten Jahren besonders stark vernachlässigt worden.

Ähnlich sieht es auch die im andalusischen Landtag oppositionelle Unidas Podemos, die Juanma Moreno vorwirft, in Sachen Umweltschutz ein Heuchler zu sein. Direkt nach dessen Rückkehr vom Klimagipfel in Schottland ist im regionalen Parlament nämlich das neue, von der Landesregierung ausgearbeitete Bodengesetz (Ley Lista) eingebracht worden. Die Ley Lista sieht einen Abbau bürokratischer Hürden für Bebauungsprojekte vor, darunter auch bisher geltender Umweltauflagen. Unidas Podemos zufolge öffnet das Gesetz der urbanistischen Spekulation Tür und Tor. Das umstrittene Bodengesetz, das in einem ersten Anlauf im Mai dieses Jahres noch von der Opposition abgewiesen worden war, konnte diesmal dank der Unterstützung der rechtspopulistischen Vox die erste parlamentarische Hürde nehmen. Die grüne Revolution von Juanma Moreno sei daher vielmehr eine Revolution des Ziegelsteins, die einen Raubbau an der Natur in Kauf nehme, urteilt Unidas Podemos.

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