Terasse eines Restaurants mit wenigen Gästen
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Die Terrassen dürfen in der Phase 1 des Deeskalationsplans der spanischen Regieurung maximal zu 50 Prozent ausgelastet sein.

Coronavirus in Spanien

Coronavirus hält Bars, Cafés und Restaurants geschlossen: Andalusische Gastronomen fürchten um die Zukunft ihrer Betriebe

  • vonNicolas Hock
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Spaniens harte Auflagen machen für viele Wirte die Wiedereröffnung ihrer Lokale unrentabel. Zunächst dürfen nur die Außenterrassen mit einer maximalen Auslastung ihrer Gesamtkapazität von 50 Prozent ihren Betrieb aufnehmen.

  • Deeskalationsplan der spanischen Regierung sieht vier Phasen vor.
  • Erst dürfen die Terrassen eröffnet werden, dann die Innenräume.
  • Viele Kneipenwirte halten eine Wiedereröffnung mit weniger Gästen für unrentabel

Málaga - Die Terrassen von Kneipen und Restaurants werden in den meisten spanischen Provinzen schon am 11. Mai wieder öffnen dürfen. Allerdings mit weitaus weniger Gästen als vorher möglich war. Am Sonntag hat die spanische Zentralregierung einen Ministerialerlass veröffentlicht, laut dem die Gaststätten ihre Terrassen mit einer maximalen Auslastung ihrer Gesamtkapazität von 50 Prozent betreiben dürfen. Als weitere Auflagen wurde festgesetzt, dass ein Mindestabstand zwischen den Gästen von zwei Metern gewährleistet sein muss und die Gruppengröße an einem Tisch zehn Personen nicht überschreiten darf.

Damit hat die Regierung auf die landesweiten Proteste der Kneipenwirte auf den am Dienstagnachmittag vergangener Woche von Ministerpräsident Pedro Sánchez präsentierten Deeskalationsplan reagiert, der in seiner ersten Fassung vorsah, dass die Terrassen zunächst nur mit einer 30-prozentigen Auslastung ihrer Gesamtkapazität betrieben werden dürfen. In dem Deeskalationsplan ist festgelegt worden, dass die Wiedereröffnung der Gastronomiebetriebe stufenweise in vier Phasen erfolgen soll, die alle spätestens Ende Juni abgeschlossen sein sollen.

Vier Phasen für die Wiedereröffnung von Kneipen vorgesehen

In der ersten Phase, der sogenannten Phase 0, die bereits am heutigen Montag begonnen hat, dürfen Kneipen und Restaurants Essen auf Bestellung ausliefern und einen Straßenverkauf durchführen. Nachdem in der Phase 1 die Eröffnung der Terrassen gestattet wird, dürfen in der Phase 2 die auch Innenräume mit einer Auslastung von 30 Prozent ihrer Kapazität wieder betreiben werden und in der Phase 3 beides zusammen mit einer Auslastung von 50 Prozent. „Die Terrassen mit nur 30 Prozent der Sitzplätze wieder zu eröffnen, ist schwer durchführbar“, hatte Juan Frutos, der Vorsitzende der Gastromomievereinigung Mahos in Málaga, bereits einen Tag nach dem Bekanntwerden des Plans erklärt. „Vor der Phase 3 werden die meisten Gastronomiebetriebe nicht öffnen wollen.“

Kneipenwirt dürfte nur noch zwei Tische aufstellen

Marco García Mota, der bis zum Inkrafttreten des Notstandsdekrets das kleine RestaurantLa Mota“ auf der Plaza San Pedro Alcántara im Zentrum von Málaga betrieben hatte, wo er sich als ausgebildeter Koch auch um das Essen kümmert, wusste am Sonntag noch nichts davon, dass die Regierung die Auflagen für die Terrassen gelockert hat. „Wenn die Terrassen zu 50 Prozent besetzt sein dürfen, wird das mir auch nicht weiterhelfen“, sagte er. „Meine Terrasse ist nur elf Quadratmeter groß. Wenn ein Sicherheitsabstand von zwei Metern eingehalten werden muss, kann ich von vier Sitz- und zwei Stehtischen gerade einmal zwei Sitztische stehen lassen und das ist für mich unrentabel.“

Der 28-Jährige, der sein eigenes Restaurant erst neun Monate vor Beginn des Notstand eröffnet hatte, zahlt nach eigenen Angaben 1.500 Euro Monat Miete für sein Lokal. Hinzu kommen die spanische Steuer für Selbstständige, die sogenannte „cuota de autónomo“, und eine ganze Reihe weiterer Fixkosten von der Stromrechnung bis hin zur Terrassengebühr. „Ich habe im Monat etwa 3.600 Euro an Festkosten, aber keinerlei Einnahmen“, erklärt er. „Und mein Vermieter lässt nicht mit sich reden, der will, dass ich meine Miete wie immer zahle.“

Hilfen der Regierung sind unzureichend

Marco García ist der Ansicht, dass die spanische Regierung mit der aktuellen Situation überfordert ist, aber dennoch versuche, das Richtige zu tun. Die Hilfen, die die Regierung für Selbstständige anbietet, sieht er jedoch als unzureichend an. „Ich könnte einen Kredit aufnehmen oder die Zahlung meiner Rechnungen auf Dezember verschieben“, sagt er. „Das nützt mir aber rein gar nichts, wenn bis dahin nicht genügend Geld reinkommt.“

Marco García Mota sieht es als unrentabel an, seine Terrasse mit nur zwei Tischen wiederzueröffnen.

Der junge Kneipenwirt hatte zu Beginn des Notstands versucht, sein Lokal mit einer Crowfunding-Kampagne zu retten. Alle drei Plattformen, auf denen er die Kampagne durchführen wollte, hatten seinen Antrag jedoch abgelehnt mit der Begründung, es geben derzeit Wichtigeres.

Wirt will Kneipe aufgeben

Vor rund eineinhalb Wochen hat sich Marco García dann zu einem harten Schritt entschieden: Er will sein Restaurant weiterverpachten und woanders eine Arbeit als Koch suchen. „Ich bin schon mit Leuten in Kontakt, die sich für die Übernahme interessieren“ sagt er. „Für mich geht mit der Aufgabe meines eigenen Restaurants natürlich ein Lebenstraum zu Ende, aber im Norden Spaniens oder im Ausland sind die Verdienstmöglichkeiten als Koch sowieso besser.“

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