Ansicht des Museo Casa del Cine in Almería.
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Eines der Gebäude, das unter Denkmalschutz gestellt werden soll, ist das Cortijo Romero in dem sich Almerías Filmmuseum befindet.

Kultur in Spanien

Kulturelles Erbe in Spanien: Almería stellt historische Gebäude unter Schutz

  • vonJosé Antonio Nieto
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Der Denkmalschutz ist in Almería bislang sträflich vernachlässigt worden. Nun aber scheint sich die Kommunalregierung zu besinnen und die Erhaltung geschichtsträchtiger Gebäude garantieren zu wollen.

Almería - Eine Liste mit bis zu 247 Gebäuden, die wegen ihrer historischen Bedeutung oder ihrer architektonischen Attraktivität unter Denkmalschutz stehen sollten, legte die andalusische Landesregierung von Andalusien der Stadt Almería vor geraumer Zeit bereits vor. Die örtliche Kulturvereinigung Amigos de la Alcazaba benennt sogar an die 400 Immobilien, die vor einem drohenden Verfall oder einem möglichen Abriss durch ihre Eigentümer bewahrt werden müssten.

Kulturerbe in Almería: Stadt hat in Sachen Denkmalschutz Versäumnisse nachzuholen

Die Kommunalregierung Almerías ist dabei, Versäumnisse in dieser Hinsicht nachzuholen. Den vorgegebenen Zielen nähert sie sich allerdings nur mit ganz langsamen Schritten. Ein 2018 bereits eingeleitetes Verfahren, mit dem 21 Gebäude unter Schutz gestellt werden sollten, konnte kürzlich erst abgeschlossen werden. Und am Widerstand politischer Widersacher hat es ganz bestimmt nicht gelegen, denn im städtischen Plenum fand die endgültige Absegnung der Initiative die Zustimmung aller Parteien.

Unter den 21 neu unter Denkmalschutz gestellten Konstruktionen befindet sich etwa der Palacio de los Marqueses de Cabra, ein zur Mitte des 19. Jahrhunderts erbauter Adelspalais, in dem sich derzeit das Stadtarchiv befindet oder auch das heutige Bürgermeisteramt, ein 1927 im Neomudéjar-Stil errichtetes Chalet, das wegen der im spanischen Bürgerkrieg erlittenen Bombardierungen und Plünderungen nur 16 Jahre später bereits restauriert werden musste und das ab 1945 zwei Jahrzehnte lang als Sanatorium für unter Tuberkulose leidende Kinder diente.

Dieses 1927 erbaute Chalet, in dem sich aktuell das Bürgermeisteramt befindet, steht bereits unter Denkmalschutz.

Als Baudenkmäler geschützt sind ab sofort außerdem das Gebäude des Trockendocks am Hafen, der ehemalige Sitz des Zivilschutzes im Stadtteil Los Molinos, die Villa Lopez Rull an der Mündung des Andarax, die Wallfahrtskapelle Ermita de Torregarcía am Strand bei Retamar sowie die Kirche von Las Salinas im Naturpark Cabo de Gata – geschätzte Hintergrundkulisse für Dreharbeiten aller Art und einst beliebtes Postkartenmotiv für Urlauber, als diese noch Postkarten verschickten. Bei den 14 übrigen Immobilien handelt es sich um Wohnhäuser aus Almerías Altstadt.

Kulturerbe in Almería: Kommunalregierung will 30 weitere Konstruktionen schützen

Vom städtischen Plenum ist auf seiner jüngsten Sitzung nicht nur der Denkmalschutz für diese 21 herausragenden Gebäude abgenickt worden, sondern auch eine neuerliche Initiative der Kommunalregierung, mit der noch einmal 30 weiteren Immobilien das gleiche Los beschert werden soll. Wieder befinden sich darunter vor allem Ein- oder Mehrfamilienhäuser aus der Alstadt, 21 an der Zahl, von denen 20 bewohnt sind, während eines, das sich direkt neben der Iglesia de Santiago befindet, von der Kirche als Sakristei genutzt wird.

Unter Denkmalschutz sollen indes noch weitere herausragende Konstruktionen gestellt werden, wie etwa der alte Justizpalast an der Plaza Circular oder die ehemalige Fachhochschule Universidad Laboral im Stadtteil La Cañada, die mit dem nationalen Architekturpreis ausgezeichnet ist und heute eine Sekundarschule beherbergt. Oder auch drei geschichtsträchtige Kioske, die während des Bürgerkriegs als Zugang zu den unterirdischen Schutzbunkern dienten, in denen Almerías Einwohner Unterschlupf suchten, wenn ihre Stadt aus der Luft oder von der See her bombardiert wurde.

Auf der Liste der Konstruktionen, die Eingang in den Katalog der denkmalgeschützten Gebäude finden sollen, stehen schließlich noch vier großbürgerliche, Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Landhäuser. Zwei von ihnen, das Cortijo Gongora und das Cortijo Arcos, die beide in dem als La Molineta bekannten, noch nicht erschlossenen Gebiet am nördlichen Stadtrand liegen, bedürfen nicht nur ihres Schutzes, sondern auch einer dringenden Restaurierung, da sie sich bereits in stark ruinösem Zustand befinden.

Das am nördlichen Stadtrand gelegene Cortijo Góngora bedarf einer dringenden Intervention, um seinen Verfall aufzuhalten.

Kulturerbe in Almería: Denkmalschutz für bereits restauriertes Gebäude des Filmmuseums

Die beiden anderen Landhäuser sind die Casa Solariega Muñoz Serrano und das Cortijo Romero, das bereits restauriert wurde und aktuell ein Museum zur Filmvergangenheit Almerías beherbert. In diesem Landhaus war John Lennon 1967 anlässlich der Dreharbeiten zu dem britischen Antikriegsfilm “How I won the war” untergebracht worden und soll er während seines Aufenthalts den Beatles-Hit “Strawberry fields forever” komponiert haben.

Damit noch nicht genug, die Kommunalregierung denkt schon an eine nächste Erweiterung der Liste denkmalgeschützter Gebäude. Dann sollen vor allem weitere Wohnhäuser abseits der Altstadt hinzukommen, etwa im Umfeld der Stierkampfarena, die von der andalusischen Landesregierung unlängst erst ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt worden ist. Etliche Vorschläge für weitere Neuaufnahmen in den Katalog hat ihr die Kulturvereinigung Amigos de la Alcazaba bereits unterbreitet.

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