Zwei Guardia-Civil-Beamte stehen mit verschränkten Armen vor ihrem Streifenwagen. Im Hintergrund ist das Fußball-Stadion von Marbella zu sehen.
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Organisierte Kriminalität: Das Archivbild zeigt eine Razzia der Guardia Civil in Marbella, die der russischen Mafia an der Costa del Sol galt.

Kriminalität in Spanien

Mafia an der Costa del Sol: Eldorado für Kriminelle aus aller Welt

  • Lena Kuder
    vonLena Kuder
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Seit den 1960er Jahren zieht es immer mehr kriminelle Banden an die Costa del Sol. Die Mafia agiert zwischen dem Campo de Gibraltar und Málaga.

Marbella – Rolex am Arm, Porsche, Calvin-Klein-Bauchtasche und mindestens fünf Mobiltelefone – so in etwa kommt der junge Kriminelle an der Costa del Sol im Süden von Spanien daher. Seit den 1960er Jahren hat sich zwischen dem Campo de Gibraltar und Málaga ein weites Netz der organisierten Kriminalität und Mafia-Banden gespannt. Die spanische Tageszeitung „El País“ bot vor kurzem eine detaillierte Momentaufnahme der kriminellen Banden an der Costa del Sol.

Costa del Sol
LandSpanien
Provinzen Málaga und Cádiz
Längerund 300 Kilometer

Antonio Romero, Co-Autor des Buchs „Cosa Nostra“, betont, dass mit dem Beginn des Massentourismus vor allem in Torremolinos in den 1960er Jahren auch der Jetset und Mafias den Süden von Spanien ansteuerte. „Zur Zeit der Franco-Diktatur hatten Kriminelle einen Freifahrtschein“, so Romero. „Der Deal lautete, dass die Ganoven zwar kommen konnten, um sich zu erholen und Geld zu bringen, nicht aber, um Verbrechen an der Costa del Sol zu verüben.“

Costa del Sol: Süden von Spanien als Eldorado für Mafias aus der ganzen Welt

Damals hätten die Behörden weggeschaut, die Costa del Sol sei zum Eldorado für Mafias aus der ganzen Welt geworden. Die Nähe zum Campo de Gibraltar, einem der wichtigsten Drogenumschlagplätze in Andalusien, und zum Hafen von Algeciras, einem der bedeutendsten strategischen Häfen für den Transport von Kokain aus Südamerika, begünstigen das Agieren der sogenannten Narcos.

Nach Angaben des spanischen Zentrums zum Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität (Citco) sind an der Costa del Sol mindestens 113 kriminelle Banden mit Mitgliedern aus 59 verschiedenen Nationen zu finden. An keinem anderen Ort der Welt gebe es derart viele Mafias auf einem so engen Raum wie in der Region im Süden von Spanien. Die Nationalpolizei bezeichnet die Costa del Sol als ein Hub oder Zentrum für Co-Working, in dem alle kriminellen Banden und Mafias vereint sind und zusammenarbeiten. Wie gut und international vernetzt die Kriminellen sind, zeigt auch die Festnahme von zwei Deutschen und einem Briten im Januar, die Drogenclans an der Costa del Sol mit Waffen versorgt haben sollen.

Kriminalität an der Costa del Sol: Mafiosi zeigen ein neues Profil

Marbella sei ein Aushängeschild für Tourismus, aber auch ein Markenzeichen der Mafias, so einer der befragten Polizisten gegenüber „El País“. Ein Mitglied des Mafia-Clans Camorra bestätigte, dass sich die Clans an der Costa del Sol zwar nicht vermischen, sie aber gelegentlich zusammenarbeiten. In den vergangenen Jahren hat sich das Profil der Mafiosi verändert. Einer der Mitarbeiter der Spezialeinheit der Nationalpolizei zum Kampf gegen die organisierte Kriminalität in Spanien (Greco), betonte, dass heute vor allem junge bewaffnete Kriminelle die Straßen von Puerto Banús und Nueva Andalucía bevölkern. Die Mafiaclans vermischen sich mit den Millionären in Marbella. Für Schlagzeilen sorgte vor etwa vor zwei Monaten ein selbst gebautes U-Boot, das die Guardia Civil in einer Industriehalle in Monda im Hinterland von Málaga gefunden hatte. Es sollte Drogen von Südamerika an die Küste Málagas transportieren.

Im Immobilienportal Idealista sind fast 4.000 Häuser in Marbella zu finden, die über eine Million Euro kosten, 100 mehr als beispielsweise in Madrid. Dabei beziffert sich das durchschnittliche Jahreseinkommen pro Kopf in Marbella auf 21.818 Euro und liegt somit unter dem spanischen Durchschnitt. Der Anwalt Ricardo Álvarez-Ossorio, der sich auf Strafrecht spezialisiert hat, sagt, dass die organisierte Kriminalität an der Costa del Sol kaum sichtbar sei. Jahrelang habe Marbella davon gelebt, dass die Kriminellen und Mafiosi sich hier bereichert und im Süden von Spanien ihr Geld ausgegeben haben.

Lokalpresse an der Costa del Sol berichtet nur gelegentlich über Mafias

Beim Kommissariat der Nationalpolizei in Marbella gehen täglich bis zu 150 Anzeigen ein. Etwa 32.000 Fällen geht die Nationalpolizei pro Jahr nach. Eine Zahl, die sonst für Städte in Spanien mit einer dreimal so hohen Bevölkerungszahl üblich ist. Lediglich die Lokalpresse berichtet gelegentlich über die organisierte Kriminalität. Oft werden die Vorfälle nicht publik gemacht, denn in vielen Fällen erstatten Kriminelle selbst keine Anzeige – aus Angst vor einem Rachefeldzug.

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