Mehrere Personen gehen vor den Mauern der Alcazaba in Málaga entlang.
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Der Komplex der Alcazaba und der Burg Gibralfaro ist die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Málagas. Die Aufwertung solcher Kulturstätten hält die Stadträtin für wichtiger als eine Eremitage-Filiale.

Kultur in Andalusien

Eremitage-Filiale in Málaga? Kulturamt hat andere Priorität - das historische Erbe

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Málaga gilt als Kandidat für eine Außenstelle des Sankt Petersburger Eremitage. Aber nur wenn es das Rathaus nichts kostet, ist auch das Kulturamt dafür. Die Stadt habe nämlich andere Prioritäten, wie den Schutz des eigenen historischen Erbes.

Málaga - Das Sankt Petersburger Eremitage soll in Spanien eine Außenstelle bekommen. Erste Wahl der Betreiber hierfür war die katalanische Metropole Barcelona. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande. Als Alternativen sind nun mehrere Städte im Gespräche, wie etwa Sevilla, die Hauptstadt der Region Andalusien, oder auch Málaga. In der wirtschaftlich und kulturell aufstrebenden Hafenstadt an der Costa del Sol, könnte man meinen, müssten alle Lokalpolitiker darauf erpicht sein, eine Filiale von einem der größten und bedeutendsten Museen der Welt zu beherbergen.

Historisches Erbe: Málagas phönizische Wurzeln an der Mündung des Guadalhorce

Zumindest der Bürgermeister, Francisco de la Torre (PP), scheint es auch zu sein. Es gibt aber auch kritische Stimmen. So hält sich ausgerechnet bei der Stadträtin für Kultur, Noelia Losada, die Begeisterung für die Idee in Grenzen. Die Sprecherin von Ciudadanos, Juniorpartner in der Regierungskoalition, findet, dass Málaga in Sachen Kunstmuseen schon sehr gut aufgestellt ist. Ein weiteres würde ihren Zuspruch nur dann finden, wenn es für das Rathaus mit keinerlei Kosten verbunden wäre. In kultureller Hinsicht müssten für die Stadt nämlich andere Bereiche Priorität haben.

Die lange vernachlässigte Pflege des historischen Erbes, meint Losada, sollte in Málaga in den nächsten Jahren Vorrang haben. Als Beispiel führt sie die archäologische Stätte Cerro del Villar an. In dieser befinden sich bislang hintangestellte Überreste einer phönizischen Siedlung, die nicht als direkter Vorläufer, aber doch als Keim der Stadt Málaga gelten. Die damaligen Einwohner waren aufgrund ihrer Lage an der Mündung des Guadalhorce immer wieder Überschwemmungen ausgesetzt, weshalb die Siedlung zum Ende des 8. Jahrhunderts vor Christus, vermutlich nach einer katastrophalen Flut, aufgegeben wurde. Die Phönizier zogen allerdings nicht weg aus der Gegend, sondern begründeten abseits des Flusses Malaka, das heutige Málaga.

Málaga: Wichtige phönizische Fundstätte mit Sand zugeschüttet

Angesichts ihrer relativ guten Konservierung gilt die archäologische Stätte Cerro del Villar in Málaga als eine der wichtigsten im westlichen Mittelmeerraum aus phönizischer Epoche. Was bisher offenbar nicht als ausreichender Grund für eine Freilegung und Inwertsetzung erachtet wurde. Ausgrabungen wurden zwar schon ab den späten 1980er Jahren und in der Dekade der 90er vorgenommen, dann aber wieder aufgegeben. Woraufhin die Überreste zu ihrem Schutz wieder mit Sand zugeschüttet wurden.

Nun aber soll das Versäumte nachgeholt werden. Archäologen der Universität von Málaga haben die Ausgrabungen bereits wieder aufgenommen. Das Kulturamt der Stadt Málaga, in dem Noelia Losada das Sagen hat, finanziert die wissenschaftliche Erforschung der Funde, an der auch Experten der deutschen Universitäten in Aachen und Marburg teilhaben sollen. Und das Kulturministerium von Andalusien hat wiederum angekündigt, die Stätte künftig für Besucher zugänglich machen zu wollen.

Hitorisches Erbe: Alcazaba und Burg Gibralfaro sollen herausgeputzt werden

Das historische Erbe, das es besser zu pflegen gilt, beschränkt sich für Losada auch nicht auf archäologische Überreste, sondern umfasst auch die historischen Baudenkmäler Málagas. Wie etwa den Komplex der Alcazaba und der Burg Gibralfaro aus maurischer Epoche, Málagas meistbesuchte Sehenswürdigkeit. Die beiden Anlagen hat das städtische Kulturamt mit einer 3D-Technologie abscannen lassen, um zu sehen, wo sie besonders stark vom Zahn der Zeit zerfressen sind.

Die Landesregierung von Andalusien wird der Stadt Málaga auch hier zur Seite stehen und erforderliche Restaurierungen mitfinanzieren, so wie sie auch die bereits im Gang befindlichen Restaurierungen auf der Burg Alcazaba in Almería finanziert. Noelia Losada will darüber hinaus bislang nicht besuchbare Bereiche der Festungen zugänglich machen. Hierfür hat sie Mittel des spanischen Bauministeriums beantragt, das nämlich jährlich 1,5 Prozent seines Budgets für Projekte zur Erhaltung des kulturellen und historischen Erbes bereithält.

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