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Luftfahrtmuseum am Flughafen Málaga: Der Rosinenbomber von der Costa del Sol

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Von: Marco Schicker

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Málagas Luftfahrt-Museum
In Málagas Luftfahrt-Museum darf man sich nicht nur uns Cockpit setzen, sondern auch alle Knöpfchen drücken. © Aeromuseo Málaga

Im ersten Terminal des Airport Málaga, der seit 1919 in Betrieb ist, animiert ein liebevoll eingerichtetes Museum der Luftfahrt Besucher zum Staunen und Anfassen. Alte Flugzeuge, Technik, Historie und Nostalgie.

Málaga - Sie sind als gut organisierter Deutscher viel zu früh am Flughafen Málaga? Oder ist bei Ryanair mal wieder einen Flug verspätet und sie erfahren es erst am Check-In-Schalter? Ein Klassiker. Quälende Airport-Wartezeiten können in Málaga wie im Flug vergehen, denn im alten, im allerersten Terminal, gibt es ein äußerst liebevoll gestaltetes, großartig bestücktes Museum der Luftfahrt.

Das Museo Aeronáutico de Málaga bietet auf 3.000 Quadratmetern im Inneren und einem großen Freigelände einen feinen Überblick über die Geschichte des lokalen wie weltweiten Flugwesens, sozusagen am Originalschauplatz. Anfassen, das betont der Verein, der das Haus aus Spenden und mit Sponsorengeldern, einschließlich des Airport-Betreibers Aena erhält, anfassen, ist ausdrücklich erlaubt.

Eine Finca als Terminal: Málagas Flughafen ist einer der ältesten Europas - mit Museum

Der Besucher könnte denken, er ist auf einer alten Finca, die mitten zwischen den modernen Installationen von Spaniens fünftgrößtem Airport vergessen wurde. Doch tatsächlich ist das "Bauerngehöft" des Aero-Museums das erste Terminal des ältesten durchgehend betriebenen Flughafen Spaniens. Seit 1919 kürten französische Strategen Málaga zum ständigen Zwischenstopp auf ihren Routen von Paris nach Afrika und dann über den Atlantik, Mitte der 1920er Jahre kam das noch ländliche "Terminal" hinzu, aus dem 1950 das erste wirkliche Passagierterminal gemacht wurde.

McDonnell Douglas DC-9
Eine McDonnell Douglas DC-9 aus den Anfängen des Massentourismus. Zu sehen im Luftfahrtmuseum am Airport Málaga. © Aermouseo Málaga

In mehreren Sälen werden kleine Flugzeuge ausgestellt, man kann sich in Cockpits setzen, die elf Kilometer Kabelsalat eines kommerziellen Fliegers bestaunen, Selfis vor und in Turbinen machen, in eine Blackbox schauen, ungläubig mit andalusischem Olivenöl betriebene Landebahn-Leuchten betrachten, aber auch prähistorische Objekte, die beim Bau der verschiedenen Stufen des AGP, des Flughafens Málaga, gefunden wurden.

In einem anderen Saal wird die Baugeschichte des Airports bebildert, bis zur letzten Erweiterung 2005, daneben können verschiedene Flugzeugteile im Detail betrachtet und "benutzt" werden. Das obere Stockwerk beschäftigt sich mit den Frauen der Luftfahrt, Pionierinnen der Lüfte von den Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Russin Tereschkowa, die 1963 die erste Frau im Weltall wurde, bis hin zu jener Heldin, deren Computerprogramm für die Apolo 11 Mission der NASA die erste Landung auf dem Mond überhaupt möglich machte.

Zum Shopping nach Paris: Alte Flugzeuge in Málagas Luftfahrtmuseum

Im Außenbereich stehen mehrere alte Flugzeuge zur Besichtigung bereit, darunter eine Douglas DC-3, auch als Dakota bekannt, die vor allem älteren Berlinern noch als "Rosinenbomber" während der Luftbrücke 1948/49 in legendärer Erinnerung sein dürfte. Das ist insofern witzig, da Málaga ja historisch vor allem auch für seine Rosinenproduktion bekannt ist. Daneben steht eine Convair 440, die innen so seziert wurde, dass die Besucher einmal die Verkabelungen, Isolationen, Hydraulik betrachten können. Manche wollen es vielleicht gar nicht so genau wissen.

Nicht so spektakulär erscheint dagegen die zweimotorige McDonnell Douglas DC-9 einer finnischen Fluglinie. Doch ist es dieses Flugzeug, mit dem in den USA und dann in Europa ab Ende der 1960er Jahre der kommerzielle Flugtourismus so richtig an Höhe gewann. Deren 900 Stundenkilometer Reisegeschwindigkeit sind bis heute Standard geblieben, das Gerät schaffte 3.000 Kilometer, also von Málaga bis Stockholm und verbrannte dabei 14 Tonnen Kerosin. Denen trauert kaum jemand nach, zumal in Andalusien bereits Testflüge mit elektrischen Flugtaxis stattfinden, dem Service dieser Zeiten dafür viele umso mehr. Ein besonderer Leckerbissen für Flugzeugfreunde ist die ausgestellte Beechcraft E-18S, die ab 1937 speziell für die Premium-Kundschaft gefertigt wurde und mit der sich so manche Hollywood-Stars über die Costa del Sol zum Shopping nach Paris schaukeln ließen. Übrigens, ab Juni 2023 bietet Málaga wieder Direktflüge nach New York an.

Museo Aeronáutico de Málaga

Anfahrt zum Museo Aeronáutico de Málaga (kostenlose Parkplätze): MA-21 bis Airport, Ausfahrt 3, die San Miguel-Fabrik links liegen lassend, am ersten Kreisverkehr die dritte Ausfahrt. Wer vom Terminal (erreichbar mit Stadtbus oder Cercanía-S-Bahn C-1) zum Museum will, muss rund 20 Minuten Fußmarsch einplanen. Öffnungszeiten: mittwochs bis samstags 10 bis 14 Uhr, dienstags 10 bis 20 Uhr. Eintritt frei. Gruppenanmeldungen: agpmuseo@aena.es, Weitere Infos: www.aeromuseo.org

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