Coronavirus in Spanien

Málaga: Holpriger Start in die Phase 1 des Deeskalationsplans

  • vonNicolas Hock
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Nur ein Teil der Geschäfte und Restaurants haben am ersten Tag der Phase 1 des Deeskalationsplans wieder geöffnet. Geschäftsinhaber und Restaurantbetreiber haben Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Gäste der Terrassen gehen mit der neuen Freiheit relativ unbekümmert um.

  • Deeskalationsplan zur Coronavirus-Pandemie erlaubt Eröffnung von Geschäften und Terrassen.
  • Viele Lokale bleiben am ersten Tag der Phase 1 geschlossen.
  • Geschäftsbesitzer und Restaurantbetreiber haben Sicherheitsvorkehrungen getroffen.
  • Gäste der Terrassenlokale gehen mit der neuen Freiheit sorglos um.

Málaga – Dass am ersten Tag der Phase 1 des Deeskalationsplans, der aus der Coronavirus-Krise in eine „neue Normalität“ führen soll, viele Geschäfte und Restaurants in Málaga geschlossen bleiben würden, war von vornherein abzusehen. Zahlreiche Geschäfte hatten bereits in den ersten Wochen des Notstands definitiv dicht gemacht und von den Restaurants durften nur die Terrassen geöffnet werden und dies auch lediglich mit der Hälfte der vorhandenen Sitzplätze, sodass die Dachverbände der Einzelhändler und Restaurantbetreiber Málaga Comercio und Mahos für beide Branchen bereits prognostiziert hatten, dass maximal 20 Prozent der Lokale wieder ihren Betrieb aufnehmen würden.

Gegen 19 Uhr am Montag sah es im Zentrum von Málaga jedoch so aus, als ob weitaus mehr Geschäfte und Restaurants wieder geöffnet hätten. In der Calle Ollerías waren nahezu alle Lokale wieder geöffnet, von den marokkanischen Schnellimbissen über die China-Läden bis hin zu den beiden Second-Hand-Boutiquen und dem Schallplattengeschäft. Dasselbe Bild bot sich in der Calle Carretería, wo auch das auf Wanderer und Kletterer spezialisierte Sportgeschäft „La Trucha“ seit dem Vormittag wieder Kunden bediente.

Eröffnung ohne Angestellte

„Mein Mann und ich sind die Besitzer und derzeit arbeiten wir nur zu zweit, weil unsere Angestellten im Erte sind“, sagte Mariana Sotomayor. „Am Vormittag war hier einiges los und am Nachmittag ist es dann ein wenig ruhiger geworden.“ Einiges los bedeutet, dass die beiden die meiste Zeit über einen Kunden bedienen konnten, mehr als zwei Kunden dürften sich derzeit ohnehin nicht gleichzeitig in dem Geschäft aufhalten.

Für die Sicherheit ihrer Kunden haben sie ihre Vorkehrungen getroffen: Jeder, der den Laden betritt, muss sich die Hände mit Desinfektionsmittel waschen, die Teppiche sind entfernt worden, der Boden wird zweimal täglich mit Chlorreinger geputzt und die anprobierten Kleidungsstücke werden 48 Stunden lang im Lager ausgelüftet, bevor sie wieder im Laden ausgestellt werden.

Terrassen bis auf den letzten Platz besetzt

Auf der Plaza de la Merced waren die Terrassen von mehr als der Hälfte der Restaurants wieder aufgebaut und alle bis auf den letzten Platz besetzt. Trotzdem fiel auf, dass es etwas weniger Tische als sonst waren, da die Tische in einem größeren Abstand als üblich zueinander aufgestellt waren.

„Wir haben darauf geachtet, den Sicherheitsabstand von zwei Metern zwischen den Tischen einzuhalten“, erklärte Carmen Caparros, die als Kellnerin in der Kneipe „Picasso“ arbeitet. „Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind, dass wir die Tische mit Desinfektionsmittel reinigen, wenn die Gäste gegangen sind und dass auch jeder, der auf die Toilette geht, sich vorher die Hände mit Desinfektionsmittel waschen muss und nicht mehrere Personen gleichzeitig die Toilette betreten dürfen.“

Gäste zeigen sich realtiv unbekümmert

Bei den Gästen schien allerdings kaum jemand an besondere Sicherheitsmaßnahmen zu denken. Man konnte beobachten, wie Hände geschüttelt und Küsschen verteilt wurden, und Atemschutzmasken oder Handschuhe trug kein einziger von ihnen. An einem Tisch machte sogar ein Joint seine Runde. „Die Angst verschwindet natürlich nie“, meinte Antonio García, der mit drei Freunden an einem der Tische des Restaurants „Picasso 2“ saß. „Allerdings habe ich mein eigenes Sicherheitsprotokoll. „Wie auch schon vorher nach dem Einkaufen, werde ich nachher zu Hause meine Schuhe reinigen und die Kleider bei 60 Grad waschen. Wenn man solche Sicherheitsvorkehrungen strikt einhält, braucht man nicht mehr so viel Angst zu haben.“

Von den Gästen der Terrasse des Restaurants „Picasso“ trug kein einziger eine Atemschutzmaske oder Handschuhe.

Gänzlich unbekümmert zeigte sich Guadelupe Serradilla, die am Nachbartisch mit drei Freundinnen saß. „Ich bin der Meinung, dass das Notstandsdekret überhaupt nichts bringt und finde es auch heftig, dass die Leute solche einschneidenden Beschränkungen unserer Freiheit so einfach ohne Widerspruch akzeptieren. Der Coronavirus ist für mich nichts anderes als eine schwerere Grippe, gegen die man wenig unternehmen kann.“

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