Eine der typischen engen Gassen in Mojácar Pueblo, einem Weißen Dorf in Andalusien.
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Mocájar ist der Idealtyp des Weißen Dorfes von Andalusien und hat bis heute seinen Charme bewahrt.

Tourismus an der Küste

Bauwut an Spaniens Küsten: Von Almería bis Marbella

  • Sandra Gyurasits
    vonSandra Gyurasits
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Umweltschützer sind entsetzt: Aus ihrem zauberhaften Mojácar könnte sich eine Touristenhochburg à la Marbella entwickeln. Der Flächennutzungsplan verheiße nichts Gutes, meinen sie. Von Nachhaltigkeit keine Spur.

Mojácar – In Mojácar ist man stolz. Oben auf einem der Hügel mit Blick auf das Mittelmeer liegt Mojácar Pueblo, der Prototyp eines typischen Weißen Dorfes in Andalusien. Seit 2013 darf es sich „Eines der schönsten Dörfer Spaniens“ nennen. Die Vereinigung „Los Pueblos Más Bonitos de España“ (Die schönsten Dörfer Spaniens) nahm Mojácar in die erlesene Gruppe auf. Am Fuße des Hügels breitet sich Mojácar Playa an der Küste von Almería aus, nicht weniger beliebt, auch wegen der Chriringuitos, die noch direkt auf den Stränden stehen. Die Bars, die aus den 70er Jahren stammen, haben sich ihren Hippie-Charme bewahrt und bilden ein Alleinstellungsmerkmal, das Mojácar von all den anderen Küstenstädten an Spaniens Mittelmeerküste unterscheidet, wie viele Mojaqueros meinen.

AlmeríaProvinz
Fläche8.774 km²
Bevölkerung706.871 (2019) Eurostat
SehenswürdigkeitenCabo de Gata, Alcazaba, Mini Hollywood
UniversitätUniversität Almería

Doch der Zauber könnte bald verfliegen, wie Umweltschützer befürchten. Aus Hippie könnte Schickimicki werden. Mojácar könnte sich in das Marbella von Almería verwandeln, warnt die Umweltgruppe Salvemos Mojácar (Rettet Mojácar) und hat eine Kampagne gegen den Flächennutzungsplan (PGOU) der Gemeinde gestartet. Der Plan sehe vor, die bebaubare Fläche in Strandnähe um das Zweifache zu erweitern und im Innern rund um Mojácar Pueblo sogar zu verfünffachen. Die Aktivisten sprachen von wilder Bauwut, die wertvolle Naturlandschaften und Ökosysteme zerstöre.

Von Mojácar zu Marbella: Tausende Wohnungen stehen leer, kein Bedarf an Naubauten

Nach Ansicht von Salvemos Mojácar besteht überhaupt kein Bedarf an Neubauten. Im Gegenteil. In Mojácar gebe es Tausende von leerstehenden Wohnungen und gravierende Mängel an Infrastrukturen wie zum Beispiel das Kanalisationssystem. Dieser Probleme nehme sich der Flächennutzungsplan jedoch nicht an, hieß es in einer Mitteilung der Organisation. Der Plan spiegle die wirtschaftlichen und spekulativen Interessen von Unternehmern und Politikern wieder.

Am heftigsten betroffen ist das Gebiet am Fuß der Sierra Cabrera zwischen der geplanten neuen Umgehungsstraße und dem Küstenstreifen. Das Reservat für bedrohte Tierarten wie die maurische Landschildkröte oder das Chamäleon und Tiere wie Bergziegen und Wildschweine würde dem Bau von neuen Wohnsiedlungen weichen. Selbst die Junta de Andalucía habe seinerzeit zugegeben, dass die neue Küstenumgehungsstraße vernichtende Auswirkungen auf die Umwelt habe, hieß es.

Wird Mojácar das neue Marbella? Flächennutzungsplan bedeutet „definitive Zerstörung“

Die Strandbars in Mojácar Playa stammen noch aus den 70er Jahren der Hippie-Zeit.

Salvemos Mojácar zeigt bereits seit 2019 massive Rodungen und Bauarbeiten in den Gebieten El Albardinar, La Mata und Cañada Aguilar an und wirft dem Rathaus vor, die negativen Auswirkungen auf die Landschaft und Umwelt erst zugegeben, die Projekte später aber ohne Angabe von Gründen legalisiert zu haben.

Die Organisation fordert, Projekte wie die neue Umgehungsstraße, neue Wohnsiedlungen oder den geplanten Sporthafen zu stoppen und sich stattdessen um ein funktionierendes Kanalisationssystem zu kümmern und auf nachhaltigen Tourismus zu setzen. Mojácar könnte eine Art Pilotprojekt für nachhaltige Entwicklung werden, sagte der Präsident von Salvemos Mojácar, Jaime del Val.

Zum Thema: Küsten in Spanien ohne Schutz? Gericht kippt Küstenschutzgesetz.

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