Trügerische Idylle

Bedrohtes Naturparadies: der Nationalpark Doñana in Andalusien

  • vonJosé Antonio Nieto
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Der am Mündungsdelta des Guadalquivir gelegene Nationalpark Doñana ist Spaniens wichtigstes Feuchtegebiet. Lang ist indes die Liste seiner Bedrohungen. In einem umfassenden Bericht führt sie die Umweltschutzorganisation WWF alle auf.

  • Doñana ist Rastplatz unzählicher Zugvögel und vorrangiges Habitat des Pardelluchses.
  • WWF setzt sich seit Jahrzehnten intensiv für den Schutz der Flora und Fauna des Nationalparks ein.
  • Eine Überausbeutung der Wasserresourcen durch die Landwirtschaft gefährdet die Subsistenz der Feuchtgebiete.
  • Die wenigen Fortschritte im Umweltschutz bescherte zuumeist die Justiz und nur selten die Politik.

Huelva – Doñana ist nicht nur Heimat, Winterdomizil oder Rastplatz unzähliger Zugvögel auf ihren Wanderungen zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent sowie das vorrangige Habitat des in seiner Art gefährdeten Pardelluchses. Der im Südwesten von Andalusien im Mündungsgebiet des Guadalquivir gelegene Nationalpark - als solcher ist Doñana seit 1969 anerkannt - ist auch Spaniens wichtigstes Feuchtgebiet. Über eine mehr las 54.000 Hektar große Fläche erstreckt sich der Nationalpark, hinzu kommt eine über 68.000 Hektar große, als Naturpark ebenfalls unter Schutz stehende Fläche, die quasi als Pufferzone dient.

NationalparkParque Nacional de Doñana
Ausdehnung543 Quadratkilometer
RegionAndalusien
ProvinzenHuelva, Cádiz, Sevilla

Umweltexperten der Naturschutzorganisation WWF, die sich seit Jahrzehnten intensiv mit Doñana befasst und sich herausragend für die Erhaltung der reichen Flora und Fauna des Nationalparks an der andalusischen Atlantikküste einsetzt, haben das gesamte Gebiet, das 25 Gemeinden im Grenzgebiet der Provinzen Cádiz, Huelva und Sevilla umfasst, eingehend studiert und analysiert. Ihre Ergebnisse und Schlussfolgerungen haben sie in einem umfassenden, 50 Seiten langen Bericht dargelegt, der unlängst den Medien präsentiert wurde.

Zustand des Nationalparks Doñana: kleine Fortschritte und herbe Rückschläge

Eine vergleichbare Studie hatte WWF vor 15 Jahren schon einmal erstellt, sodass sich die Frage, ob sich der Zustand des bedrohten Feuchtgebietes seither verbessert hat, beinahe aufdrängt. Die Antwort von WWF darauf fällt nicht besonders positiv aus. Einige kleine Fortschritte habe es zwar schon gegeben, aber auch herbe Rückschläge. Zudem seien neue Umweltprobleme aufgetaucht, sodass man konstatieren müsse, dass sich Doñana nach wie vor in einem Überlebenskampf befinde. Und ein Einschreiten der staatlichen Instanzen werde immer dringender, denn die Zukunft des Nationalparks sei eine ungewisse.

Bis zu 40 das Feuchtgebiet gefährdende Umweltpropbleme hat WWF ausgemacht und in seiner Studie aufgeführt. Die akuteste Bedrohung sei der zunehmende Entzug der für Doñana wichtigsten Ressource: das Wasser. Ein Umstand, den die Umweltorganisation nicht müde wird immer wieder anzuzeigen. Seit in den 1980er Jahren im Umfeld des Nationalparks mit dem Anbau von Erdbeeren begonnen wurde, ein Wirtschaftszweig, der seither stetig expandiert, habe sich die Wasserzufuhr der anliegenden Bäche in das Feuchgebiet laut WWF um 80 Prozent verringert.

Die landwirtschaftlichen Plantagen im Umfeld von Doñana entziehen dem Nationalpark seine wichtigste Ressource: das Wasser.

Nachdem der Europäische Gerichtshof diesbezüglich die Verletzung einschlägiger EU-Normen moniert hatte, habe Spanien im Februar vergangenen Jahres schließlich reagieren und eine Überausbeutung der Grundwasserreserven in Doñana feststellen müssen. Obwohl in der Folge zahlreiche illegale Brunnen versiegelt wurden, halte der massive Wasserraub im Umfeld des Nationalparks aber weiter an. Noch immer werde ohne Genehmigung aus über 2.000 Brunnen Wasser geschöpft, um eine mehr als 1.600 Hektar große Nutzfläche zu bewässern, auf der vor allem Erdbeeren und andere Beerensorten gezüchtet werden. Die illegalen, zum Teil an Flussufern oder in Schwemmland betriebenen Plantagen müsste die andalusische Landesregierung eigentlich stilllegen, nur komme sie dieser Pflicht kaum nach.

“Die von uns realisierte Analyse zeigt, dass konfliktreiche Entwicklungsmodelle existieren, die mit einer nachhaltigen Entwicklung in sozialer und ökonomischer Hinsicht nicht vereinbar sind”, bekundet Juanjo Carmona, Koordinator von WWF in Doñana und einer der Urheber der Studie der Naturschutzorganisation. “Die Administrationen bitten wir daher darum, stattdessen auf integrale, den Klimawandel berücksichtigende Entwicklungsmodelle zu setzen, welche die Zukunft des Nationalparks sichern und die Lebensbedingungen seiner Einwohner verbessern”, fügt Carmona hinzu.

Bedrohung des Nationalparks Doñana: Klimawandel verschärft Waldbrandgefahr

Der Klimawandel habe auch eine weitere, die Erhaltung des Feuchtgebietes gefährdende Bedrohung verschärft, und zwar die der Brände. Was sich schon vor drei Jahren bei einem Großbrand in Doñana manifestierte, von dem sich der Nationalpark noch immer erholt. Nicht nur eine steigende Hitze und ein zunehmend trockenes Klima erhöhen WWF zufolge das Risiko eines Feuers, sondern auch die unzureichende Pflege der Forstgebiete. Verbrannt werden oftmals auch das alte Plastik der Gewächshäuser durch wenig umweltbewusste Landwirte, was ebenso wie die illegale Entsorgung von Abfällen in wilden Müllkippen nicht nur die Gesundheit des Nationalparks, sondern auch seiner Bevölkerung beeinträchtige.

Weitere Bedrohungen des Feuchtgebietes seien zum einen die unzureichende Entsorgung und Klärung der Abwässer, die nur in sieben der 25 Gemeinden des Nationalparks nicht zu beanstanden sei, sowie die Verschmutzung der Luft und Gewässer durch den unweit von Doñana gelegenen, petrochemischen Standort, in dem insbesondere Erdölderivate und Düngemittel produziert werden. Eine neue, wiederkehrende Bedrohung könnte zu guter Letzt vom Bergbau ausgehen, da die andalusische Regierung die Kupfermine von Aznalcollar reaktivieren will, womit WWF gar nicht einverstanden ist. Das Unternehmen Boliden, das seinerzeit die Mine betrieb, hatte dort schließlich 1998 eine der größten Umweltkatastrophen des Landes verursacht, von der auch das Feuchtgebiet nicht verschont blieb.

Die eingangs erwähnten Fortschritte, die es in Sachen Umweltschutz in Doñana in geringer Zahl ebenfalls gegeben hat, sind laut WWF vor allem der Justiz zu verdanken. Zum einen dem Obersten Andalusischen Gerichtshof (TSJA) in Granada, das im Januar dieses Jahres ein Projekt zur unterirdischen Lagerung von Erdgas im Nationalpark gestoppt hatte.  Und zum anderen dem Obersten Spanischen Gerichtshof (TS) in Madrid, das bereits im Juli 2019 die geplante Ausbaggerung des Guadalquivir verhinderte, mit der ermöglicht werden sollte, dass künftig größere Frachtschiff auf dem Fluss bis Sevilla hinauf fahren können.

Schutz des Nationalparks Doñana: Limitierung der Wasserentnahme und verbessertes Müllmanagement

Abschließend benennt WWF in dem Bericht zur Lage des Nationalparks auch noch die Petitionen, die die Organisation an die staatlichen Verwaltungsinstanzen richtet. Allem voran fordert sie die Limitierung der Wasserentnahme im Umfeld des Feuchtgebietes sowie die Verbesserung des Müllmanagements, um die Entstehung illegaler Müllhalden sowie die leidigen Plastikverbrennungen zu verhindern. Außerdem spricht sich WWF dafür aus, das unter Naturschutz stehende Gebiet einmal mehr auszuweiten, und zwar auf auf den vorgelagerten Meeresstreifen, wie im Falle des Land-Wasser-Naturparks am Cabo de Gata.

Doñana ist ein Symbol für Naturschutz und Widerstand, seit 50 Jahren kämpfen Umweltorganisationen um sein Überleben”, bemerkt Teresa Gil, die für den Bereich Wasser zuständige Vertreterin von WWF. Das Feuchtgebiet befinde sich in einem schwierigen ökologischen Gleichgewicht, das zu kippen drohe. “Wenn die Administrationen, sowohl die andalusische Regierung als auch die spanische Zentralregierung, die beide für das Feuchtgebiet verantwortlich sind, keine Maßnahmen zu dessen Schutz ergreifen, könne seine Beeinträchtigung bald irreversibel sein”, ergänzt Gil.

Rubriklistenbild: © Diego López Alvarez/WWF España

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