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Frachtschiff vor Gibraltar zerbrochen: Öl und Diesel erreicht spanische Küste + Updates

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Von: Marco Schicker

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Havarierter Öltanker vor Küste von Gibraltar.
Halb versunken liegt der Öltanker OS35 vor den Küsten von Gibraltar und Spanien. © EFE

Nach dem Zusammenstoß zweier Schiffe im Mittelmeer am Hafen vor Gibraltar brach ein Frachtschiff, das rund 500 Tonnen Öl und Diesel an Bord hat, auseinander. Daher schrillen die Alarmglocken in Spanien. Die Costa del Sol ist nur 30 Kilometer entfernt.

Update, 4. September, 15 Uhr: Eindringen von Wasser in den gebrochenen Rumpf der OS35 erschwert die Bergungsarbeiten. Nach Schätzungen spanischer Behörden, sind bisher rund eine Tonne des Diesels und Schmieröls an Bord ins offene Meer gelangt, „was beim Abpumpen unter diesen Umständen sich nicht ganz verhindern lässt“, wie die Hafenaufsicht von Gibraltar ergänzt. Ein Schlierenteppich kam an einigen Stränden an, Einsatzkräfte sind mit der Reinigung befasst, eine Umweltkatastrophe wie vor 20 Jahren bei der Prestige ist aber augeschlossen, dazu sind die Mengen viel zu gering. Die Bergungskräfte bemühen sich nun um das Abpumpen des Schmieröls, wie das Wrack am Ende geborgen wird, ist noch unklar. Der Kapitän bleibt in Haft, er hatte sich nach dem Zusammenstoß Anweisungen der Hafenmeisterei zur Rückkehr widersetzt.

Update, 2. September, 20 Uhr: Ein Teil des aus dem Schiffsrumpf der OS35 entwichenen Öls und Treibstoffs wird an den spanischen Stränden von La Línea de la Concepción und Algeciras angespült, Reiniungstrupps sind im Einsatz. Es handelt sich um keinen großen Ölteppich, mit bloßem Auge ist die Verschmutzung kaum wahrzunehmen. Der größere Teil treibt auf dem Meer Richtung Süden, in Summe handelt es sich um einige Tonnen. Die Bergungskräfte konnten den größten Teil der 500 Tonnen Treibstoff abpumpen und belassen nur einige Tonnen an Bord, um einige Anlagen des Schiffes betriebsfähig zu halten. Am Samstag sollen auch rund 20 Tonnen Schmieröl abgepumpt werden.

Kapitän verhaftet, erster Ölteppich treibt in Richtung spanische Küste

Update, 2. September, 9:00 Uhr: Seit Donnerstagabend werden die Ladekammern des havarierten Schiffes leergepumpt. Am Freitagmorgen informierte die Regierung von Gibraltar, dass bis dato 112 Kubikmeter Treibstoff aus dem Frachter OS35 abgepumpt wurden, „fast die Hälfte der gesamten Ladung im Depot“. Die Polizei hat außerdem den Kapitän des Frachtschiffs verhaftet, weil er Befehle der Hafenaufsicht missachtet hatte. Ein mehrere hunderte Meter großer Teppich aus Schmieröl bewegt sich vom Schiff in Richtung Küste, die spanischen Behörden bereiten sich auf eine Reinigungsaktion an den Stränden von Cádiz vor.

Erstmeldung vom 1. September: Gibraltar/Algeciras - Beim Zusammenstoß eines Öltankers (eigentlich ein Frachtschiff, das aber nur Diesel, Öl und Schmieröl geladen hatte) mit einem ankernden Frachtschiff vor der Küste von Gibraltar am Montagabend versank der Öltanker OS35 teilweise und lief auf den 17 Meter tiefen Grund etwa 700 Meter vor der Küste. Das andere Schiff, die Adam LNG, erlitt weniger schwere Schäden.

Der Unfall ereignete sich, als der Tanker den Hafen der britischen Kolonie auf der Iberischen Halbinsel in Richtung Vlissingen in den Niederlanden verlassen wollte. Laut Hafenbehörde weigerte sich der Kapitän, der Anweisung zur Umkehr in den Hafen Folge zu leisten, sein Schiff hätte keine Schäden erlitten. Dann lief es auf Grund. Die 24 Besatzungsmitglieder blieben unverletzt und arbeiten mit sehcs Insepktoren weiter auf dem Tanker. Die Hafenbehörde stellte zunächst eine etwa zehn Meter langen Riss an der Bordwand der OS356 fest. Allerdings brach am Mittwochabend, 31. August, der Rumpf des Schiffes. Es ist beladen mit 215 Tonnen Heizöl, 250 Tonnen Diesel und 27 Tonnen Schmieröl, das zum Betrieb des Schiffes dient.

Angst vor Ölpest vor Gibraltar: Spanien aktiviert wegen Tanker-Havarie Notfallpläne

Laut Umweltschützern besteht die Gefahr einer Ölpest an Spaniens Küsten, wenn durch den Bruch des Schiffsrumpfes die Lagerkammern beschädigt werden. Angeblich seien bereits "sichtbare" Mengen von Schmieröl ausgetreten, nur wenige hundert Meter auch von der spanischen Küste von La Línea de Concepción. Die Administration von Gibraltar erklärte, "bisher ist keinerlei Öl oder sonstige Ladung ausgetreten", es gebe nur "sehr geringe Abgänge von Schmieröl", die aber "innerhalb der ersten Barriere" blieben. Allerdings widerlegten Luftaufnahmen spanischer Behörden am Donnerstamittag diese Angaben und zeigten, wie Teile des Treibstoffs bereits auf dem offenen Meer Richtung Küste trieben. Gibraltar forderte daraufhin ein weiteres Schiff an, um eine zweite Barriere zu errichten, bis das Abpumpen abgeschlossen sein wird.

Strand in Spanien mit Öl verseucht.
Eine Katastrophe wie bei der Prestige 2002 ist vor Gibraltar unwahrscheinlich. Doch auch weniger Öl kann enorme Schäden anrichten. © Stéphane M. Grueso/WikiCommons

Zunächst wurden um das Schiff sowie am Hafen und den angrenzenden Stränden der sogenannten Catalan Bay schwimmende Barrieren ausgelegt, Spanien aktivierte ein erstes Notfallprotokoll des Plan Marítimo Nacional, die Hafenbehörde von Algeciras trägt dafür die Verantwortung. Die Behörden Gibraltars arbeiten zudem mit der Oil Spill Response Limited (OSRL), einer von Ölkonzernen nach zahlreichen teuren Katastrophen gegründeten und finanzierten Eingreiftruppe, die bei Havarien größere Umweltschäden verhindern soll.

Erinnerungen an Prestige-Katastrophe: Ladung von OS35 aber viel geringer - Angst um Urlaub an Costa del Sol

Als zusätzliche Barriere wurden Schiffe in U-Form um den havarierten Öltanker platziert bis Spezialschiffe mit dem Abpumpen der Ladung beginnen können. Auch das ist eine heikle Aktion, da beim Kontakt mit eventuell beschädigten Ventilen und Ladeklappen weitere Stoffe austreten können.

Die OS 35 ist in Tuvalu registriert und wird von der Old Stone Management Ltd. betrieben, die am Hafen von Piräus in Griechenland in ihren Sitz hat. Andalusiens Landeschef Juanma Moreno hat Gibraltar "sämtliche Unterstützung" zugesagt, die nötig sei, um eine Ausbreitung von Öl oder anderen Stoffen an der spanischen Küste zu verhindern. Im Vordergrund stehen natürlich die Strände in unmittelbarer Nähe bei Algeciras, aber auch Cádiz und die gen Nordosten die Costa del Sol mit noch sehr vielen Urlaubern ist nicht weit. Estepona ist nur 33 Kilometer vom Unfallort entfernt, Marbella 78 Kilometer. Ein Ölteppich und ungünstige Strömungen könnten die Nachsaison empfindlich stören.

Der Unfall vor Gibraltar erinnert Spanien an die Katastrophe der „Prestige“, fast genau vor 20 Jahren, die eine Ölpest auslöste, die 2.000 Kilometer Küste von Spanien (vor allem die Küste Galiciens), Portugal und Frankreich verseuchte. Die „Prestige“ hatte allerdings 77.000 Tonnen und nicht 500 an Bord, die allerdings für nahe Küstengebiete und deren tierische und pflanzliche Bewohner auch tödlich sein können. Im November 2002 verendeten beim größten Vogelsterben in Spanien und Portugal mehr als 250.000 Seevögel. Elf Jahre später konnte vor Gericht niemand für das Desaster, bei dem 64.000 Tonnen Schweröl ins Meer flossen, verantwortlich gemacht werden – jedenfalls nicht in strafrechtlichem Sinn. Man scheint aus der Katastrophe mit der „Prestige“ gelernt zu haben und versucht nun nicht mehr, einen havarierten Tanker möglichst weit aufs offene Meer zu schleppen, damit er dort auseinanderbricht. Austretendes Öl lässt sich in flachen Gewässern oder Hafengebieten wesentlich besser auffangen als auf dem offenen Meer. Der „Prestige“-Unfall hatte seiner Zeit weite Teile der spanischen und sogar französischen Atlantikküste verschmutzt.

Zum Thema: Schiffsunglück vor Kanada: Spanisches Fischerboot gekentert - Wahrscheinlich 21 Tote (Februar 2022)

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