Eine Fähre läuft aus dem Hafen von Almería aus.
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Solange die marokkanische Grenze dicht ist, liegt der Fährverkehr zwischen Andalusien und Marokko lahm.

Marokko hält Grenzen geschlossen

Operation Meerenge: Andalusien fürchtet Stau von nordafrikanischen Heimaturlaubern

  • vonJosé Antonio Nieto
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Mehr als drei Millionen maghrebinische Migranten strömen jedes Jahr aus weiten Teilen Europas an die andalusischen Häfen. Wann in diesen der reguläre Fährverkehr mit Nordafrika wieder aufgenommen werden kann, ist unklar.

  • Wegen Corona abgeschottet: Marokko hält seine Grenzen seit 13. März geschlossen.
  • Für ihren Heimaturlaub steuern in Europa lebende Marokkaner andalusische Häfen an.
  • In diesem Jahr verspätet: Spanien will sich für die erwartete große Reisewelle wappnen.

Algeciras – Das Königreich Marokko hatte am 13. März bereits wegen der Coronavirus-Pandemie die Schließung seiner Außengrenzen beschlossen. Obwohl zu jenem Zeitpunkt erst acht Infektionsfälle bekannt waren und nur eine Person an Covid-19 verstorben war, wurde das Land nahezu völlig abgeschottet.

Ausländische Touristen, die sich zu jenem Zeitpunkt noch in Marokko befanden, konnten das Land nur nach und nach verlassen. Und hineingelassen wurde seither niemand mehr, nicht einmal eigene Staatsbürger. So saßen in Spanien zum Beispiel etliche Marokkaner fest, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkonnten, wie etwa die Saisonarbeiterinnen, die zur Erdbeerernte in die Provinz Huelva gekommen waren.

Corona im Zaum gehalten: Abschottung des Landes hat sich für Marokko bewährt

Die vom marokkanischen Staat gewählte Strategie einer strikten Verriegelung der Grenzen hat sich, zumindest was die Fallzahlen im eigenen Land anbelangt, als nicht so verkehrt erwiesen. In dem rund 35 Millionen Einwohner zählenden Land haben sich, wenn man den offiziellen Statistiken glauben kann, bisher erst 8.610 Personen mit Sars-CoV-2 infiziert und sind nur 212 Menschen an Covid-19 verstorben (Stand: 13. Juni).

Wann Marokko seine Grenzen wieder zu öffnen gedenkt, ist bislang nicht bekannt. Die dortige Regierung hat hierfür noch keinen Stichtag genannt. Was für das Nachbarland im Norden, jenseits der Meerenge von Gibraltar, ein ernstes Problem darstellt. Denn Spanien ist das Hauptzugangstor nach Nordafrika, für Marokkaner wie auch für Algerier, und zwar aus ganz Europa, nicht nur jene, die auf der iberischen Halbinsel leben.

In den Sommermonaten sind auf den spanischen Straßen und Autobahnen Jahr für Jahr rund drei Millionen aus dem Maghreb stammende Migranten unterwegs, um in der Urlaubssaison ihre Verwandten zu besuchen. Und die französische Grenze passieren jedes Jahr etwa 800.000 Fahrzeuge, mit denen vor allem in Frankreich aber auch in anderen europäischen Ländern residierende Marokkaner oder Algerier zum Sommerurlaub in ihre Ursprungsländer fahren.

Für die Überfahrt nach Marokko oder Algerien steuern die maghrebinischen Migranten die andalusischen Hafenstädte an.

Ihr vorläufiges Ziel sind die andalusischen Häfen von Cádiz bis Almería, von wo aus sie mit der Fähre nach Nordafrika übersetzen. Allen voran der Hafen von Algeciras, an dem im Rahmen der alljährlichen Operación Paso del Estrecho (dt. Operation Überquerung der Meerenge) in der Regel etwa die Hälfte der nordafrikanischen Passagiere und sogar 60 Prozent der Fahrzeuge registriert werden.

Spanien lässt ab Juli wieder Ausländer ins Land - wann öffnet Marokko seine Grenzen?

In diesem Jahr aber ist die Operación Paso del Estrecho, die normalerweise stets am 15. Juni anläuft und bis zum 15. September andauert, kaum planbar, eben wegen der Grenzfrage. Spanien wird seine Grenze mit Frankreich nach neuestem Stand zwar schon zum 21. Juni öffnen und nicht erst zum 1. Juli, wie ursprünglich vorgesehen war. Wann aber Marokko seine Grenze öffnen wird, um den Fährverkehr mit Spanien wieder aufnehmen zu können, ist noch offen.

Wegen der bis dato noch anhaltenden Abschottung Marokkos sind zwei negative Auswirkungen zu befürchten, eine schlimmer als die andere. Die erste ist, dass die reisewilligen Nordafrikaner größtenteils die Öffnung der marokkanischen Grenze abwarten. Dann würden sich die Heimatreisen der marokkanischen und algerischen Migranten, die sich bislang über drei Monate streuten, auf einen mehr oder weiger kürzeren Zeitraum konzentrieren.

Die zweite mögliche Auswirkung ist, dass viele Nordafrikaner schon jetzt die andalusischen Hafenstädte anzusteuern, um bei Öffnung der marokkanischen Grenze die Ersten zu sein, die mit der Fähre übersetzen können, um entsprechend länger in ihren Heimatländern bleiben zu können. Das könnte indes dazu führen, dass sich die Urlauber, sollte sich der Zeitpunkt der Grenzöffnung noch länger hianuszögern, in einem unhaltbaren Maße akkumulieren.

Geringere Auslastung der Fähren könnte Kapazitäten andalusischer Häfen überlasten

Zumal man die Fähren in Corona-Zeiten sicherlich nicht mit ganz so vielen Passagieren wird beladen können, wie in der Vergangenheit. Und inwieweit die Fährunternehmen die Verkehrsfrequenz mit zusätzlichen Fähren intensivieren können, ist ebenfalls fraglich. In den Häfen die soziale Distanz zu gewährleisten, wenn dort allzu viele nordafrikanische Migranten zusammenkommen, dürfte wohl schwierig werden.

Dichtes Gedränge vermeiden: In den Häfen wird die Polizei unter anderem die Einhaltung der sozialen Distanz überwachen müssen.

Ungeachtet der ungelösten Grenzfrage hat die spanische Regierung - was bleibt ihr auch andres übrig - bereits begonnen, die Operación Paso del Estrecho zu planen. Erwogen wird zum Beispiel die Erstellung von Transitrouten für den Fahrzeugverkehr im Land. Zum Tanken oder Verpflegen bestimmte Raststätten anzufahren, um Überfüllungen zu vermeiden, kann den nordafrikanischen Urlaubsreisenden allerdings nur empfohlen, nicht aber vorgeschrieben werden.

Für die Häfen sind wiederum Protokolle ausgearbeitet worden, die alle wegen Corona erforderlichen Maßnahmen vorsehen, um die notwendige Hygiene der Installationen sowie die Einhaltung der sozialen Distanz unter den auf die Einschiffung wartenden Passagiere gewährleisten. Die Protokolle sind in Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften erstellt, die mit der Wahrung der Ordnung an den Häfen betraut sind.

Europäische Touristen willkommen, maghrebinische Migranten eher weniger

Die andalusische Regierung, die in Bezug auf die Operación Paso del Estrecho keine Kompetenzen hat, bietet der zuständigen Zentralregierung ihre Kooperation an und verlangt von ihr zugleich eine besonders sorgfältige Planung der Operation, um die Gefahr möglicher Infektionsausbrüche an den Häfen zu minimieren. Ein Einlenken seitens der Landesregierung, denn wenige Tage zuvor hatte sie noch gefordert, die Operation Überquerung der Meerenge abzublasen und auf einen Fährverkehr mit Marokko in diesem Sommer zu verzichten.

Was der Koalitionsregierung von PP und Ciudadanos eine harsche Kritik der linken Oppositionsparteien PSOE und Adelante Andalucía, aber auch der Gewerkschaften sowie diverser Nichtregierungskoalition einbrachte. Diese werfen der andalusischen Regierung vor, zwischen Reisenden erster und zweiter Klasse zu unterscheiden, da sie für eine baldige Öffnung des Landes für ausländische Urlauber sehr wohl plädiere und die Ende Mai von der spanischen Zentralregierung beschlossene Karantänepflicht für ausländische Staatsbürger seinerzeit wegen der negativen Ausweirkungen auf den Tourismus scharf kritisiert hatte.

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