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Satelliten aus Andalusien: High-Tech gegen den schlechten Ruf

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Von: Marco Schicker

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Satelliten aus Andalusien.
Klein, aber oho: Die beiden Gründer mit ihren Micro-Satelliten aus Andalusien. © WISekey

Zwei Start-Ups aus Cádiz in Andalusien starten erfolgreich Mini-Satelliten für die NFT-Technologie ins All. Sie sollen ihrer Region an der Straße von Gibraltar, die als Drogenumschlagplatz berüchtigt ist, Hoffnung und bessere Schlagzeilen bringen.

La Línea/Gibraltar - Für die weltraumerfahrenen Experten am Cap Canaveral in Florida war der 13. Januar 2022, 16.30 Uhr spanische Zeit, nur ein weiterer Start zweier kommerzieller Kleinsatelliten von vielen. Für Carlos Moreira und Julián Fernández, die Manager der Unternehmen WISekey und Fossa Systems, aus dem andalusischen La Línea de la Concepción, ist der Raketenstart jedoch der sprichwörtliche große Sprung in eine erfolgreiche Zukunft gewesen. Die Falcon 9 Rakete brachte die beiden Mini-Satelliten sicher ins All auf ihre Umlaufbahn, für Fernández ist es bereits der zweite Start, er sorgte 2019 für weltweites Aufsehen, als der damals 16-Jährige seinen ersten Minisatelliten starten ließ.

Satelliten-Kontrollzentrum an der Meerenge von Gibraltar

Die beiden Firmengründer sitzen seitdem im Kontrollzentrum in La Línea de la Concepción, einem Ort in der Provinz Cádiz, der sonst meist wegen Drogenschmuggel in die Nachrichten kommt. "Ich sah auf Netflix eine Serie über den Drogenhandel in La Línea und das hat mich wütend gemacht, dass wir so einen furchtbaren Ruf in der Welt haben, daher setzten wir darauf, hier einen technologischen, einen positiven Impuls zu setzen", erklärt Carlos Moreira.

Ihre Entwicklung und die damit verbundenden Arbeitsplätze und Perspektiven in der Raumfahrt und Hochtechnologie sollen der ganzen Gegend Hoffnung machen. Die Systeme dienen keinem auf den ersten Blick spektakulärem Zweck, aber einem wichtigen. Denn sie sollen, ist das System einmal komplett, die NFT-Technologie verbessern. NFT, Abkürzung für Token no fungible, ist ein wichtiges kryptographisches Tool, dass es Nutzern von Mobiltechnologie ermöglicht, sich sicher, unhackbar, für bestimmte Anwendungn zu identifizieren und einzuloggen.

Die beiden Startups WISekey und Fossa Systems bieten diesen Dienst weltweit an, er ist sowohl für Private im Hintergrund auf ihren Handys nützlich, als auch und vor allem für kommerzielle Anwendungen wie Warenlieferungen, Finanztransaktionen oder die Übermittlung von senisblen Daten von Behörden, aber natürlich auch für die Sicherheitsorgane. WISekey-Chips sind immerhin bereits in 1,5 Milliarden Geräten eingesetzt. Der Weg über die Satelliten soll für diese Token, die einmaligen Datenpakete, sicherstellen, dass sich niemand zwischen der ausgebenden Seite und dem Anwender hineinklinken kann. Die Technologie gehört zur 4IR, der sogenannten vierten industriellen Revolution und das die auch in dem kleinen Winkel der Bucht von Cádiz, direkt neben Gibraltar stattfindet, wo einige vorherige industrielle Revolutionen ausgelassen wurden, das ist das eigentliche Ereignis daran.

Im Cluster in die Zukunft: Start up aus Andalusien bringt Satelliten ins All

Unterstützung fanden die Unternehmer über ein sogenanntes Exzellenz-Zentrum, das auch vom örtlichen Rathaus unterstützt wird. Internationale Integration und Austausch sind dabei der Schlüssel, so ist das Kontrollzentrum in Cádiz mit einem Zentrum im schweizerischen Genf verbunden, wo die Signale der weltraumbasierten Blockchain-Technologie im Rahmen eines Clusters zusammenlaufen, damit alle daran Beteiligten gleichermaßen davon profitieren können.

Vor einem historischen Gebäude ist horizontal eine Weltraumraumrakete platziert.
Spaniens erste Weltkraumrakete: Miura 1 wurde in Madrid vorgestellt. © Eduardo Parra / dpa

Dabei waren die Anfänge für den Chef von WISekey abenteuerlich, vor allem als er bei potentiellen Finanziers vorsprach: "Wir kommen vom Tor zu Afrika und wollen La Línea und Gibraltar als ein Zentrum für die vierte technologische Revolution positionieren", war sein Eröffnungssatz im Nasdaq-Gebäude in New York, große Augen waren die erste Antwort. Auch die Briten im benachbarten Gibraltar sind mit Antennentechnik und mit seiner "steuerlichen Sonderstellung" mit an Bord des Projektes. Die globale wie die lokale Komponente ihrer Erfindung fasst der jugendliche Fossa-Chef Julián Fernández so zusammen: "Der Markt für diese Geräte und Dienste wächst enorm, es gibt dafür weltweit ebenso hohen Bedarf wie in der heimischen Landwirtschaft, wo Spanien in der Anwendung der satellitengestüzten NFT-Technik sogar Weltmarktführer ist".

Zum Thema: Noch 2022 soll in Huelva Spaniens erste Weltraumrakete ins Weltall abheben.

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