Der andalalusische Gesundheitsminister Jesús Aguirre während einer Pressekonferenz.
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Die aktuelle epidemiologische Entwicklung ist dem andalusischen Gesundheitsminister Jesús Aguirre zufolge weitaus günstiger als jene während der ersten Infektionswelle.

Zweite Welle scheint abzuflauen

Coronavirus in Andalusien: Flacht Corona-Infektionskurve langsam ab?

  • vonJosé Antonio Nieto
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Die jüngsten Entwicklungen der Fallzahlen in Andalusien lassen auf eine baldige Linderung der Corona-Pandemie hoffen. Was die Landesregierung nicht davon abhält Maßnahmen zu ergreifen, die sie lange vor sich hergeschoben hat.

  • Empfehlung: Treffen mit Freunden oder Verwandten sollen auf sechs Personen beschränkt werden.
  • In andalusichen Gemeinden mit besonders hohen Infektionsraten werden Massentests durchgeführt.
  • Corona-Restriktionen sind bislang in Casariche, Linares und Almodóvar del Rio verschärft worden.

Update, 10. Oktober: An vier Tagen hintereinander ist in Andalusien hinsichtlich der vermeldeten Infektionsfälle ein neuer Rekordwert registriert worden. Den 1.788 Neuinfizierten vom 6. Oktober (siehe unten) folgten 1.907 am 7. Oktober, 1.910 am 8. Oktober und schließlich 1.997 am 9. Oktober. Wobei die Provinz Sevilla stets mit Abstand am meisten zu den Spitzenwerten beigetragen hat, gefolgt von der Provinz Granada. Düster ist die jüngste epidemiologische Entwicklung auch in den Provinzen Córdoba und Jáen, während sich in Málaga und Cádiz die Situation allmählich lindert. In Almería wiederum ist eine deutliche Besserung festzustellen und in Huelva ist die Lage seit Beginn der Pandemie noch nie besonders schlimm gewesen.

Der gravierende Anstieg der täglichen Infektionszahlen in Andalusien ist indes vor allem auf den massiven Kauf von Antigentests durch die Landesregierung zurückzuführen, die vor allem zur Realisierung von stichprobenartigen Tests in Gemeinden mit besonders hohen Infektionsraten benutzt werden, wodurch die Testfrequenz noch einmal stark erhöht worden ist. In den letzten Tagen sind in 14 Gemeinden mit bedenklichen Infektionsraten Massentests durchgeführt worden, nachdem in der Vorwoche schon elf Gemeinden diesen unterzogen worden waren. Den als besorgniserregend geltenden Grenzwert von 500 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den letzten zwei Wochen überschreiten bereits 67 Gemeinden aus der Region.

Coronavirus in Andalusien: Infektionsrate steigt an - Krankenhausauslastung nimmt ab

Die stark erhöhte Testfrequenz hat schließlich auch dazu beigetragen, dass in Andalusien die durchschnittliche Infektionsrate der letzten 14 Tage auf 195,4 angestiegen ist, womit sie sich dem landesweiten, leicht gesunkenen Mittelwert von 256,8 doch stark angenähert hat. Ein ganz anderes Bild zeigt indes die Auslastung der Krankenhäuser, die sich nach einer kurzzeitigen Umkehrung der positiven Tendenz wieder zu entspannen scheint. Aktuell befinden sich in der Region 1.016 Covid-Patienten in einem Hospital (Stand 9. Oktober), fünf weniger als sieben Tage zuvor. Von diesen müssen zurzeit 146 auf der Intensivstation behandelt werden, zehn weniger als vor einer Woche.

Dies hat den Sprecher der andalusischen Regierung, Elías Bendodo, denn auch veranlasst von einer Stabilisierung der epidemiologischen Entwicklung zu sprechen. Die Landesregierung werde dennoch weiter Maßnahmen ergreifen, um die Expansion des Coronavirus einzudämmen. Der andalusische Vizepräsident Juan Marín sieht die Evolution ebenfalls positiv, da sich die Zunahme der Infektionsfälle, die nicht zuletzt dank der vielerorts durchgeführten Massentests aufgespürt werden, nicht in einer steigenden Belastung der Krankenhäuser widerspiegele. Marín ist sogar überzeugt, dass die zweite Infektionswelle ihren Zenit bereits überschritten hat, zugleich warnt er jedoch, dass eine dritte Welle nicht auszuschließen sei.

Autonome GemeinschaftAndalusien
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,43 Millionen (Stand 2019)
Hauptstadt Sevilla

Zum neuen Artikel über die Corona-Krise in Andalusien.

Zur aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie in Spanien.

Weitere aktuelle Daten zum Coronavirus in der Region Murcia.

Coronavirus in Andalusien: Schwarzer Tag mit Rekord an Neuinfizierten und Todesfällen

Update, 7. Oktober: Bis zum 6. Oktober, einem schwarzen Dienstag, ist die jüngste Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in Andalusien verheißungsvoll gewesen. Die Belegung der regionalen Krankenhäuser mit Covid-19-Patienten nahm zunehmend ab, und die tägliche Zahl der Neuinfizierten wies ebenfalls eine sinkende Tendenz auf. Mit 571 Infektionsfällen wurde noch am 5. Oktober der niedrigste Wert seit dem 24. August registriert. Und am Tag darauf schnellte die Zahl dann plötzlich wieder auf 1.788 hinauf, der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Wofür vor allem die Provinz Sevilla verantwortlich gewesen ist, die mit 581 mit deutlichem Abstand die meisten Neuinfizierten vermeldete, gefolgt von Granada mit 243, Málaga mit 241, Jaén mit 224, Córdoba mit 194, Cádiz mit 180, Almería mit 64 und Huelva mit 59.

Ein trauriger Spitzenwert ist am 6. Oktober, dem wahrlich schwarzen Dienstag, auch hinsichtlich der Zahl der Todesopfer registriert worden, mit 30 Verstorbenen, so viele wie seit Ende Mai nicht mehr. Seit dem Ausbruch der Pandemie sind in Andalusien bereits 1.956 Personen dem Coronavirus erlegen. Zu allem Überfluss beginnt auch die Auslastung der andalusischen Hospitäler zuzunehmen. In den Krankenhäusern der Region befinden sich aktuell 1.075 Covid-19-Patienten, das sind zwar 28 mehr als noch vor einer Woche, aber 51 mehr als am Vortag. Ähnlich sieht es mit der Zahl der Corona-Infizierten auf, die auf die Intensivstation verlegt werden mussten. Mit 149 liegt die Zahl hat die Zahl im Verlauf der letzten Woche um fünf abgenommen, im Vergleich zum Vortag stieg sie hingegen um zwei an.

Coronavirus in Andalusien: Zwei weitere Gemeinden sind in den Lockdown geschickt worden

Noch schwärzer ist der Dienstag für die Einwohner von Linares (Jaén) und Almodóvar del Rio (Córdoba) gewesen, zwei der elf andalusischen Gemeinden, in denen vergangene Woche stichprobenartige Massentests durchgeführt worden waren. Und die beiden einzigen, in denen die Ergebnisse die Gesundheitsbehörden nicht beruhigt, sondern noch besorgter gestimmt haben. In der rund 57.000 Einwohner zählenden Kleinstadt Linares fielen von 1.900 durchgeführten Tests 25 positiv aus, in der knapp 8.000 Einwohner zählenden Ortschaft Almodóvar del Rio zeigten acht der 300 realisierten Tests ein unerwünschtes Ergebnis.

Wie im Frühjahr: Polizeisperren zur Kontrolle der Mobilität in isolierten Gemeinden beginnen erneut den Alltag zu prägen.

Da in beiden Gemeinden die als bedenklich geltende Infektionsrate von 500 pro 100.000 Einwohner in den letzten Tagen deutlich überschritten wird - in Linares liegt der Wert bei 1.000 und in Almodóvar del Rio sogar bei 1.500 - hat die Landesregierung die Reißleine gezogen. Beide Gemeinden sind wie zuvor schon Casariche (Sevilla) abgeschottet worden. Zudem sind die Corona-Restriktionen für Geschäfte, Gaststätten und soziale Aktivitäten in gleicher Weise verschärft worden (siehe unten). In Casariche scheint die Maßnahme die erhoffte Wirkung gezeigt zu haben. Die Infektionsrate ist dort drastisch gesunken, so dass die isolierung und die sonstigen Einschränkungen kommende Woche wieder aufgehoben werden dürften.

Coronavirus in Andalusien: Hotspots verlagern sich von der Küste ins Landesinnere

Update, 5. Oktober: Mit dem Ende der Urlaubssaison scheint in Andalusien das Coronavirus innerhalb der Region zu wandern, wobei dieser Umstand, was in der Natur der epidemiologischen Entwicklung liegt, erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung zu beobachten ist. Während des Sommers, als sich die Bevölkerung verstärkt auf die Küstengebiete konzentrierte, bereiten vor allem Provinzen wie Málaga und Almería die größten Sorgen. Nun aber, wo die Urlauber aus dem Hinterland wieder in ihre Herkunftsorte zurückkehrt sind, steigen die Infektionsfälle vor allem in den Provinzen Sevilla und Granada sowie in geringerem Maße auch in Córdoba und Jaén stark an. Während in Almería und Málaga mittlerweile die täglichen Zahlen der wieder geheilten Virusträger jene der Neuinfizierten zumeist deutlich übertrifft.

Andalusienweit sind zuletzt 1.138 Neuinfizierte vermeldet worden (Stand 4. Oktober), die meisten davon in Sevilla mit 309, gefolgt von Granada mit 277, Málaga mit 119, Córdoba mit 118 und Jaén mit 102. Die drei übrigen andalusischen Provinzen - Almería, Cádiz und Huelva - vermeldeten mit 91, 87 beziehungsweise 35 jeweils weniger als 100 Neuinfizierte. Die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern der Region hat sich, nachdem sie zuletzt vier Tage hintereinander gesunken war, auf 998 reduziert. Unter die 1.000-er-Marke war sie bereits am 3. Oktober gefallen, um am Tag darauf unverändert zu bleiben. Die Zahl der Corona-Infizierten in Intensivbehandlung hat sich indes weniger positiv entwickelt. Im Verlauf der letzten Woche, in der sie Mal anstieg und mal abfiel, hat sie sich insgesamt um 14 auf aktuell 156 erhöht.

Coronavirus in Andalusien: Tägliche Zahl der Genesenen nähert sich jener der Neuinfizierten

Erstmeldung, 2. Oktober: Sevilla – Die zweite Corona-Welle scheint in Andalusien an Wucht einzubüßen. Die jüngsten Fallzahlen deuten auf ein allmähliches Abflachen der Infektionskurve hin. Die täglichen Zahlen der Neuinfizierten bleiben in den letzten Tagen zumeist deutlich hinter den Rekordwerten der letzten Wochen zurück. Und auch in den Krankenhäusern der Region sowie in den Intensivstationen der Hospitäler nehmen die Zahlen der Covid-Patienten inzwischen öfter ab als zu. Auf der anderen Seite zeigt die tägliche Zahl der wieder Gesundgeschriebenen eine positive Tendenz und nähert sich stetig jener der neuen Infektionsfälle, sodass die Zahl der aktiven Virusträger bald wieder zu sinken beginnen könnte.

In den letzten sieben Tagen sind in Andalusien 6.184 Personen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Im gleichen Zeitraum mussten 413 Corona-Infizierte in ein Krankenhaus eingewiesen und 24 auf die Intensivstation verlegt worden. Aktuell befinden sich sich 1.043 Covid-Patienten in einem Hospital, 154 von ihnen in Intensivbehandlung (Stand 1. Oktober). Dem Virus erlegen sind in den letzten sieben Tagen 75 Personen, sodass die Zahl der seit Beginn der Pandemie in der Region registrierten Todesopfer auf 1.862 angestiegen ist. Von den insgesamt 63.378 ermittelten Corona-Infizierten sind 31.118 schon wieder gesundgeschrieben.

Coronavirus in Andalusien: Infektionsrate der Region weit unter dem landesweiten Mittelwert

Die Infektionsrate der letzten 14 Tage beläuft sich in Andalusien zurzeit auf 161,24 pro 100.000 Einwohner, weit unter dem nationalen Durchschnitt, der bei 290,24 liegt. Im landesweiten Vergleich weist die Region damit den sechstniedrigsten Wert auf. Für den andalusischen Gesundheitsminister Jesús Aguirre sind indes weniger die Infektionszahlen, sondern vielmehr die Auslastung der Hospitäler ein entscheidendes Kriterium. Gegenüber den Mitte März, auf dem Höhepunkt der ersten Infektionswelle, erreichten Spitzenwerten, seien aktuell 59 Prozent weniger Krankenhausbetten und sogar 65 Prozent weniger Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Coronavirus Andalusien: Zweite Infektionswelle weniger verheerend als die erste Welle

Die epidemiologische Situation ist dem Gesundheitsminister zufolge in der zweiten Infektionswelle eine ganz andere als während der ersten Welle, weil das Durchschnittsalter der Betroffenen deutlich niedriger sei. Die meisten Corona-Infizierten sind laut Aguirre zwischen 15 und 29 Jahre alt und direkt dahinter folge die Altersgruppe der 30 bis 39-Jährigen. Dies habe bewirkt, dass der Anstieg der Covid-Patienten in den Krankenhäusern weitaus gemäßigter gewesen sei als zu Beginn des Frühlings. Und die hohen Infektionszahlen hält Jesús Aguirre nicht für so ausschlaggebend, weil jetzt viel mehr Tests durchgeführt werden und die allermeisten positiv getesteten Personen keine oder nur geringe Symptome aufweisen würden.

Trotz der Relativierung der Fallzahlen durch den Gesundheitsminister und der Anzeichen, dass sich die Infektionskurve abzuflachen beginnt, meint die andalusische Landesregierung gerade jetzt doch etwas tun zu müssen, nachdem sie in den letzten Wochen die rasant steigenden Infektionszahlen und die kontinuierlich zunehmenden Patientenzahlen mehr oder weniger untätig verfolgt hatte. Jene Regierung, die sich in der ersten Infektionswelle ob des im Vergleich zu anderen Regionen in Spanien relativ positiven Verlaufs der Pandemie für ihre Effektivität und Antizipation permanent selbst lobte, obwohl damals die Zentralregierung einen Großteil der Kompetenzen im Gesundheitswesen an sich gerissen hatte, zögerte und zauderte, als sie mit dem Ende des Notstands die alleinige Verantwortung trug.  

Coronavirus in Andalusien: Schärfere Regeln oftmals angedroht - bislang aber nie umgesetzt

Der andalusische Ministerpräsident Juanma Moreno versicherte zwar schon seit Monaten stets vor einer Verschärfung der Corona-Restriktionen nicht zurückzuschrecken. Auf der anderen Seite aber gab er immer wieder zu bedenken, dass eine Beschränkung der Mobilität der Bürger zur Eindämmung der Expansion des Coronavirus zugleich auch die wirtschaftliche Entwicklung limitieren würde. So wurde eine unkontrollierte Expansion des Virus, als sie zumindest in verschiedenen Hotspots wie der westlichen Costa del Sol in der Provinz Málaga kaum noch zu leugnen war, von Ministern seines Kabinetts in Abrede gestellt. Bis zuletzt versicherte die Landesregierung gebetsmühlenartig die Situation unter Kontrolle zu haben und vor der Ergreifung weiterer Maßnahmen erst noch abwarten zu wollen.

Auf seiner letzten Sitzung am 29. September sah das Kabinett von Juanma Moreno dann doch den Zeitpunkt gekommen, Entscheidungen zu fällen, nachdem sich der Ministerpräsident und sein Gesundheitsminister Jesús Aguirre tags zuvor mit dem Expertenkomitee zusammengesetzt hatten, welches die Landesregierung in der sanitären Krise berät. Wobei die einzige Maßnahme, die andalusienweit gilt, halbherzig als Empfehlung ausgesprochen und nicht als Gebot beschlossen wurde. Und zwar sollen soziale Treffen mit Freunden oder Angehörigen, sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen, auf maximal sechs Personen reduziert werden. Ungeachtet dessen dürfen in Gaststätten unverständlicherweise nach wie vor zehn Personen gemeinsam an einem Tisch sitzen.

Zur Bewältigung der Corona-Krise war ein Expertenkomitee gegründet worden, das die andalusische Regierung in epidemiologischen Fragen berät

Des Weiteren legte das andalusische Regierungskabinett die Kriterien fest, nach denen in einzelnen Gemeinden die bisherigen Corona-Restriktionen weiter verschärft werden könnten. Zum einen wird vorausgesetzt, dass die Infektionsrate der letzten 14 Tage bei über 500 pro 100.000 Einwohnern liegt, was derzeit in über 30 Gemeinden der Region der Fall ist. Außerdem müssten die Infektionszahlen in den letzten sieben Tagen eine anhaltend steigende Tendenz aufweisen. Als weitere Kriterien werden das Durchschnittsalter der positiv getesteten Personen, die Zahl der Infizierten, die einer stationären Behandlung bedürfen, sowie jene der vom Coronavirus geforderten Todesopfer hinzugezogen.

Coronavirus in Andalusien: Antigen-Tests sollen Kontrolle der Pandemie stark vereinfachen

Ob eine Gemeinde schließlich in den Lockdown geschickt wird, soll nicht zuletzt auch davon abhängen, welche Resultate Massentests hervorbringen, die vor einer Isolierung der Bevölkerung im jeweiligen Ort durchgeführt werden sollen. Dieser Tage werden die Einwohner elf verschiedener Gemeinden, deren Infektionsraten über dem erwähnten Grenzwert liegen, stichprobenartig getestet. Und zwar mit den neuen Antigen-Tests, die mindestens ebenso zuverlässig sein sollen, wie die PCR-Tests, die aber weitaus günstiger sind und deren Ergebnisse obendrein viel schneller vorliegen. Von diesen hatte die Landesregierung zunächst eine Million erworben, um in der Folge noch eine weitere Million zu bestellen.

Zwei Ortschaften, in denen die Bewohner bereits solchen stichprobenartigen Tests unterzogen wurden, sind Lucena (Cordoba) und Casariche (Sevilla). Während die Ergebnisse in Lucena ein Abflachen der Infektionskurve indizierten, war in Casariche das Gegenteil der Fall. Weshalb die in der Sierra Sur de Sevilla, unweit der Provinzgrenzen zu Córdoba und Málaga gelegene Gemeinde als erste in Andalusien von der Landesregierung erneut in den Lockdown geschickt worden ist. Zwar bleiben die Schulen geöffnet, ebenso wie mit Restriktionen auch die Geschäfte und Gaststätten, den Ort verlassen oder in diesen hinein kann man jedoch nur mit einem triftigen Grund wie zum Beispiel zum Arbeiten, zum Arztbesuch, zur Pflege einer hilfsbedürftigen Person oder zur Erneuerung von Dokumenten.

Coronavirus in Andalusien: Gemeinde in Sevilla als mahnendes Beispiel für den Rest der Region

Der Bürgermeister von Casariche, Basilio Carrión (PSOE), der bedauerte von der Landesregierung nicht vorab informiert worden zu sein und über die Medien von der Isolierung der Ortschaft erfahren zu haben, hält den Schritt für längst überfällig. Er selbst habe schon vor zwei Wochen verlangt, die Mobilität in Casariche zu beschränken. In der gerade einmal 5.500 Einwohner zählenden Gemeinde, die in der ersten Infektionswelle nahezu unbehelligt geblieben war, sind in den letzten zwei Wochen 254 Personen positiv getestet worden, 146 davon in den letzten sieben Tagen. Die Infektionsrate im Ort liegt bei 4.500 pro 100.000 Einwohner womit Casariche den Wert des als Epizentrum der Pandemie geltenden Madrider Statteils Vallecas um ein dreifaches übertrifft. Eine mögliche Ursache könnten laut Carrion die Hochzeiten sein, die in diesem Sommer im Ort gefeiert wurden.

Die Quittung zahlen die Einwohner nun mit den folgenden Beschränkungen ihres Alltags, die demnächst auch auf noch auf weitere Gemeinden mit Infektionsraten über dem Grenzwert von 500 pro 100.000 Einwohner zukommen könnten:

  • Geschäfte und Gaststätten dürfen ihre Kapazitäten nur zu 50 Prozent ausschöpfen und maximal bis 22 Uhr öffnen (ausgenommen sind Apotheken und Tankstellen).
  • In Bars und Restaurants Dürfen an Tischen höchstens sechs Personen zusammenkommen und darf nicht am Tresen bedient werden.
  • Parkanlagen und Kinderspielplätze müssen geschlosen bleiben.
  • In Seniorenresidenzen und Behindertenheimen sind Besuche untersagt.
  • Bei Beerdigungen und Totenwachen dürfen im Freien maximal 15 und in geschlossenen Räumen höchsten zehn Personen zusammenkommen.
  • Hochzeiten, Kommunionen und anderen Familienfeiern dürfen höchstens 30 Personen beiwohnen.
  • Freizeit- und Kulturvereine müssen ihre Aktivitäten einstellen.
  • Sport darf nur in Gruppen mit maximal sechs Personen ausgeübt werden.
  • Wochenmärkte dürfen nicht veranstaltet werden.

Die verschärften Restriktionen gelten zunächst für die Dauer von 14 Tagen. Nach einer erneuten Prüfung der Situation in der Gemeinde können sie, abhängig von der epidemiologischen Entwicklung, entweder wieder aufgehoben oder auch weiter verlängert werden. Im Rest der Region bestehen derweil die seit Mitte August geltenden Corona-Auflagen fort.

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