Ein Rudel Rehe steht am Waldrand im Naturpark Coto de Donana und blickt neugierig in Richtung Kamera.
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Im Nationalpark Coto de Doñana in Andalusien leiden vor allem die Tiere unter der exzessiven Wasserentnahme.

Umweltschutz in Spanien

Nationalpark Doñana in Andalusien: Europäischer Gerichtshof verurteilt Spanien

  • Lena Kuder
    VonLena Kuder
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Der Europäische Gerichtshof gibt den Umweltschützern des WWF recht. Spanien hat im Nationalpark Doñana weder den Schutz des Wassers noch des Lebensraums garantiert. Exzessive Grundwasserentnahme fügt dem Naturpark gravierende Schäden zu.

Madrid – Jetzt ist es amtlich: Der Europäische Gerichtshof hat am 24. Juni die „exzessive Grundwasserentnahmen“ im Nationalpark Coto de Doñana in Huelva in Andalusien aufs Schärfste verurteilt. Der Gerichtshof erstattet Anzeige gegen Spanien wegen des Verstoßes gegen Direktiven zum Schutz von Wasser und Lebensraum. Seit Jahrzehnten prangern Umweltschutzorganisationen wie der WWF die Zerstörung der Natur im Nationalpark Coto de Doñana sowie die Untätigkeit der andalusischen Landesregierung und der Zentralregierung an.

Nationalpark Coto de Donana
Lage Huelva
Nächste StadtHuelva
Fläche543 km²
Gründung 1969

Umweltschutz in Andalusien: Illegale Brunnen schaden Feuchtgebieten im Nationalpark Coto de Doñana

Aus dem in Luxemburg veröffentlichten Urteil geht deutlich hervor, dass die Extraktionen von Grundwasser dem Nationalpark gravierende Schäden zufügen. In dem Urteil wird Spanien vorgeworfen, tatenlos mit anzuschauen, wie die geschützten Lebensräume, wie beispielsweise Feuchtgebiete unter der Grundwasserentnahme leiden. WWF prangert zudem an, dass die Verwaltungen keine Informationen über Zustand und Pegel des Grundwassers haben, da die Verwaltungen über die illegalen Brunnen zu wenig informiert seien.

Bereits vor zehn Jahren hatte sich WWF gegenüber der Europäischen Kommission darüber beschwert, dass die enorme Wasserentnahme durch die exzessive Bewirtschaftung der Erdbeerplantagen nicht nachhaltig sei. Bis heute haben weder die spanischen Behörden, noch die Stadtverwaltungen in dem Gebiet nahe des Nationalparks, noch die andalusische Landesregierung, noch die Zentralregierung auf die Beschwerde vor der Europäischen Kommission reagiert.

Umweltschutz in Andalusien: WWF führt akribisch Protokoll über den Zustand des Nationalparks Coto de Doñana

Während dieser zehn Jahre hat WWF akribisch Protokoll geführt und so für den Gerichtsprozess eigene Berichte beigesteuert. Experten und öffentliche Institutionen haben diese Berichte erarbeitet. Sie reflektieren die Ausbeutung des Grundwasserreservoirs und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Lebensräume der Vögel und mediterranen Feuchtgebiete. Daraus resultierte, dass der Europäische Gerichtshof am 24. Juni 2019 entschied, Spanien zu verklagen.

Der Nationalpark Coto de Doñana befindet sich in einem kritischen Zustand. Noch immer gibt es illegale Brunnen im Gebiet Condado. Das dortige Anbaugebiet wird immer größer. Hinzu kommt, dass auch im Norden des Nationalparks intensive Landwirtschaft betrieben wird. Darunter leidet vor allem das Feuchtgebiet Aznalcázar, da dem Fluss Guadimar ständig Wasser entnommen wird. Ausbleibender Regen führt außerdem dazu, dass das Feuchtgebiet im Norden des Nationalparks seit zwei Jahren so gut wie ausgetrocknet ist. Hierdurch schrumpfen die an die Dünen grenzenden Lagunen kontinuierlich, das Grundwasser wird weniger und seine Qualität schlechter. Zudem leidet die Naturenklave unter dem Klimawandel. WWF fordert Zentralregierung und andalusische Landesregierung dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. So soll die Junta dafür sorgen, umgehend die illegalen Fincas zu schließen. Die andalusische Landesregierung ist für den Nationalpark, die Landwirtschaft und die dortige Flächennutzung zuständig. Auch die Gemeindeflächen, auf denen illegale Landwirtschaft betrieben wird, soll sie laut WWF zurückgewinnen. Schätzungsweise gibt es 1.000 illegale Brunnen im Nationalpark Doñana. Das Anbaugebiet für die Erdbeerplantagen erstreckt sich über 1.653 Hektar. Drei von fünf Gebieten mit wichtigem Grundwasservorkommen wurden im Jahr 2020 als ausgebeutet erklärt.

Etwa 1.000 illegale Brunnen gibt es zurzeit im Nationalpark Coto de Doñana in Andalusien.

Umweltschutz in Andalusien: WWF fordert Maßnahmenkatalog für die Schließung illegaler Brunnen im Nationalpark Coto de Doñana

WWF räumt zwar ein, dass es einige Fortschritte bei der Schließung illegaler Brunnen gegeben habe, dennoch solle die Konföderation für Wasserwirtschaft des Guadalquivir, die dem Ministerium für ökologische Transition untersteht, dafür sorgen, dass sofort alle illegalen Brunnen verschwinden. Zudem fordert WWF, dass die Zentralregierung einen Maßnahmenkatalog für die Wasserentnahme in Matalascañas erstellt und die hydraulische Infrastruktur im Norden des Nationalparks beseitigt. Letztere dient dazu, die intensive Landwirtschaft auszubauen. Der Plan Hidrológico 2021 – 2027 (Plan für Wasserwirtschaft ) soll für den Nationalpark Coto de Doñana eine Kehrtwende herbeiführen.

Laut WWF müsse verhindert werden, dass Gelder aus dem EU-Fonds für Regenerierung, Transformation und Resilienz dafür genutzt werden, um neue hydraulische Infrastrukturen zu schaffen, die dem Naturpark schaden. Vielmehr sollten sie dafür genutzt werden, ein neues Projekt zu schaffen, das dabei hilft, das Grundwasserreservoir wieder aufzufüllen.

„Dieses Urteil ist ein Skandal für Spanien, denn das Land wird einen Imageschaden erleiden, da es dabei scheiterte, einen einzigartigen Lebensraum wie Doñana zu schützen. Der Naturpark gehört allen Europäern und ist ein Kulturerbe der Menschheit“, sagte der WWF-Vorsitzende Juan Carlos del Olmo. „Nun müssen wir alle für die Konsequenzen aufkommen, da die lokalen, regionalen und nationalen Behörden es zugelassen haben, dass Doñana ausgebeutet wird und der intensiven Landwirtschaft Tür und Tor geöffnet haben.“ Del Olmo fügte hinzu: „Seit 50 Jahren engagieren wir uns für den Schutz des Nationalparks Coto de Doñana. Noch nie befand sich der Naturpark in einem solch schlechten Zustand wie heute. Es handelt sich um ein geschwächtes Ökosystem. Das Urteil appelliert an die andalusische Landesregierung und die Zentralregierung, endlich Verantwortung zu übernehmen, bevor es zu spät ist.“

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