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Lärmende Plage: Immer mehr Jetskis an Spaniens Stränden - Badegäste in Almuñécar genervt

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Von: José Antonio Nieto

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Drei junge Männer fahren mit einem Jetski.
Zu hohes Tempo, drei Personen an Bord: An die geltenden Regeln für Jetskis halten sich längst nicht alle Fahrer. © Andrew Milligan/dpa

Die Zahl der Jetskis nimmt an vielen Stränden in Spanien von Jahr zu Jahr stetig zu, ebenso die Klagen von Anwohnern und Urlaubern. In Almuñécar an der Costa Tropical zielt eine Bürgerinitiative nun auf ihre Limitierung ab.

Almuñécar - Über rund 20 Kilometer erstreckt sich die Küste von Almuñécar in Andalusien. Zu einem großen Teil handelt es sich um eine unzugängliche Felsküste. Den Rest nehmen mehrere nicht allzu weite Strände ein sowie einige noch kleinere Buchten. Geschätzt werden sie vor allem wegen ihrer natürlichen Umgebung und früher auch wegen ihrer weitgehenden Ruhe. Mit dieser aber ist es inzwischen größtenteils vorbei.

Schuld daran sind vor allem die Jetskis, deren Zahl von Jahr zu Jahr kontinuierlich zunimmt. Ebenso wie die Klagen von Anwohnern, Urlaubern und Geschäftsleuten. An einem Sommertag können schon Mal Dutzende der PS-starken Gefährte auf dem Wasser unterwegs sein. Und ihr Lärm stresst nicht nur die Badegäste, denn er ist auch in den Wohnungen, Läden und Lokalen in Strandnähe zu hören.

Plage der Jetskis: Überwältigende Mehrheit der Residenten hält die Gefährte für sehr lästig

Die Asociación Amigos del Mar Costa Tropical, eine Vereinigung, die sich für den Schutz der maritimen Ökosysteme an der Küste der andalusischen Provinz Granada einsetzt, hatte im vergangenen Jahr eine Umfrage unter Residenten durchgeführt. Aus dieser ging unter anderem hervor, dass 95 Prozent der Befragten, Einheimische wie Ausländer, die Jetskis für sehr lästig halten – und zudem glauben, dass sie dem lokalen Tourismus schaden.

Die Dauerbeschallung, die Touristen veranlassen könnte, Almuñécar künftig den Rücken zu kehren, ist für die Umweltvereinigung nur eines der Probleme. Hinzu käme die Gefährdung von Surfern, Tauchern und Seglern durch die Jetski-Fahrer. Und nicht zu vergessen auch die Beeinträchtung der Meeresfauna vor Ort. Für die Amigos sind weniger die Leute ein Problem, die bei örtlichen Anbietern Jetskis mieten, als vielmehr jene, die mit eigenen anreisen. Denn diese würden nicht über die Mindest-Distanz zum Strand belehrt werden und hätten oftmals keine Ahnung, dass einige unter Naturschutz stehende Küstenzonen für sie tabu sind.

Plage der Jetskis: Bürger beklagen Regelübertretungen und mangelnde Kontrollen

Nur kontrollieren tue dies niemand. Das Rathaus verweist darauf, im Meer keine Zuständigkeit zu haben. Lediglich die Guardia Civil könnte einschreiten, kann aber nicht permanent mit einem Patrouillenboot präsent sein und käme ob der Anzahl der Regelübertretungen auch mit den Anzeigen gar nicht nach. Die Umweltvereinigung beharrt indes darauf, dass der Zugang kontrolliert, die Zahl der Jetskis beschränkt und die Einhaltung der Normen schärfer überwacht werden müsste. Der Ansicht sind auch an die 1.500 Anwohner und Urlauber, die eine von den Amigos gestartete Unterschriftenkampagne unterstützt haben.

Eine Bootspatrouille der Guardia Civil hat Jetskifahrer gestoppt.
Hin und wieder schreitet bei Regelübertretungen eine Patrouille der Guardia Civil ein, deren Boote können indes nicht allgegenwärtig sein © Rathaus Málaga

Auf Initiative der oppositionellen Unidas Podemos hat das städtische Plenum daraufhin jüngst beschlossen, Restriktionen für Jetskis an der Küste von Almuñécar in Betracht zu ziehen. So sollen etwa keine weiteren Verleiher eröffnen und bestehende Verleiher ihr Geschäft nur mit geräuscharmen Fahrzeugen erweitern dürfen. Privatleute mit eigenen Jetskis sollen die Zugangsrampen nur noch von 9 bis 13 Uhr nutzen können. Und die Ortspolizei soll regelmäßig den Lärmpegel an den Stränden kontrollieren.

Plage der Jetskis: Almuñécar ist längst nicht die einzige betroffene Küstengemeinde

Das Rathaus hat sich derweil an den Verband der spanischen Kommunen und Provinzen (Femp) gewandt. Dieser soll von den staatlichen Instanzen eine Verstärkung der Kontrollen erwirken. Die Anzeigen von Strandbesuchern gegen Jetskifahrer, die etwa das Tempolimit überschreiten oder den Mindestabstand zum Ufer nicht einhalten, würden sich nämlich häufen. Und von dem Problem sei schließlich nicht nur Almuñécar betroffen, sondern sehr viele Gemeinden an der spanischen Küste.

Den Kommunen fehlt jenseits des Festlandes wohlgemerkt eine rechtliche Handhabe. Im Meer können sie nicht einschreiten, dafür aber den den Zugängen zu diesem, nämlich an den Stränden. Und in Almuñécar erwägt die Kommunalregierung nun doch. zumindet an jenen, die mit blauen Fahnen oder dem Qualitätssiegel Q ausgezeichnet sind, die Jeskis zu verbieten. Zumindest die privaten, jene von dort bereits niedergelassenen Verleihern soll man weitere mieten können.

Radar-Pistolen an Costa del Sol: Pilotprojekt an Málagas Stränden

In Málaga Stadt wurde dieser Tage ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Ortspolizei vom Strand aus mit mobilen Radarpistolen die Geschwindigkeit der Jetski-Fahrer kontrolliert und auch erfasst, ob sie die Sperrzonen für Badende und Taucher einhalten. Die Guardia Civil schnappt sich dann Tempo- und Zonensünder und führt auch Alkoholkontrollen durch, die Konsequenzen können verkehrs-, aber auch strafrechtliche Weiterungen wegen der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sein. An den zwei ersten Tagen dieses konzertierten Einsatzes wurden an den Stränden von Málaga Stadt schon 18 Anzeigen erstattet.

Mehr zum Thema: Almuñécar soll einen zweiten Sporthafen bekommen.

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