Passanten spazieren auf einer Strandpromenade.
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Die Rückkehr in eine neue Normalität wollte Andalusien noch stärker beschleunigen.

Andalusien ausgebremst

Stufenplan der spanischen Regierung durchkreuzt Ausstiegspläne der Autonomen Gemeinschaft

  • vonJosé Antonio Nieto
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Der Ausstieg aus den strengen Corona-Maßnahmen wird, wie von der andalusischen Landesregierung gewünscht, räumlich und zeitlich versetzt verlaufen. Die Lockerungen werden allerdings nicht ganz so schnell erfolgen, wie sie es sich vorgestellt hatte.

  • Andalusiche Regierung hatte einen eigenen Deeskalationsplan vorgelegt.
  • Daten für im Plan vorgesehene Reaktivierungsschritte sind hinfällig geworden.
  • Andalusischer Plan enthält indes interessante Vorschläge für das Wie der Deeskalation.

Sevilla - Die andalusische Landesregierung hatte die spanische Zentralregierung darauf gedrängt, den Rückkehr zur „neuen Normalität“ assymetrisch zu vollziehen, wobei jene Territorien Priorität haben sollten, in denen die Infektionsrate am niedrigsten und das Gesundheitswesen durch die Coronavirus-Pandemie am geringsten ausgelastet ist. Für eine räumliche Differenzierung unterbreitete Andalusien drei Vorschläge: nach Provinzen, nach Krankenhausdistrikten oder nach Gemeinden.

Die spanische Zentralregierung hat sich schließlich für eine zeitlich versetzte Deeskalation nach Provinzen entschieden und damit zumindest einer Forderung Andalusiens entsprochen. Vorneweg marschieren könnten, so wie es auch die andalusische Landesregierung ins Auge gefasst hatte, die Provinzen Almería und Huelva. In diesen liegen die Infektionszahlen nämlich weit unter dem regionalen Durschnitt, der im landesweiten Vergleich wiederum deutlich unter dem nationalen Durchschnitt liegt.

Normalisierung nicht vor Ende Juni

Beim Zeitplan hingegen will die spanische Regierung nicht ganz so aufs Tempo drücken, wie es sich der andalusische Regierungschef Juanma Moreno erhofft hatte. Dieser wollte im Verlauf des Mai beinahe das gesamte öffentliche Leben sowie die meisten Sektoren der Wirtschaft reaktivieren. Der in vier Phasen geteilte Stufenplan des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, in dem sich jede Phase zwei Wochen lang hinziehen soll, sieht eine Rückkehr in eine neue Normalität indes nicht vor Ende Juni vor.

Wohl wissend, dass die Entscheidung über das Wie und Wann des Ausstiegs aus dem Notstand der spanischen Zentralregierung unterliegen würde, beauftragte der andalusische Präsident dennoch eine eigens hierfür begründete Kommission mit der Ausarbeitung eines eigenen Deeskalationsplans. Der nun bereits weitgehend obsolet gewordene Plan wurde erst am Montag nach Madrid geschickt, nur einen Tag bevor die Zentralregierung ihre Pläne verkündete.

Peu a peu statt Schlag auf Schlag

Dem andalusischen Plan zufolge sollten ab dem 3. Mai wieder Gottesdienste stattfinden, ab dem 11. Mai Geschäfte und Friseure öffnen, ab dem 18. Mai wieder Beerdigungen wenn auch ohne Totenwachen stattfinden und ab dem 25. Mai wieder Bars und Restaurants öffnen dürfen. Für die Wiederöffnung der Hotels war die erste Junihälfte vorgesehen worden, wenn auch noch ohne ein konkretes Datum. Der Rückgang der Covid-19-Patienten in Krankenhäusern und in den Intensivstationen der Hospitäler sowie der rapide Anstieg der bereits geheilten Virusträger würden diese Schritte befürworten.

Die Daten sind nun, nach dem Beschluss des nationalen Deeskalationsplans, natürlich alle hinfällig geworden. Die nun in Madrid beschlossenen Lockerungen werden nicht nur andere sein, sondern auch in einem langsameren, nämlich zweiwöchigen Rhythmus umgesetzt. Der Plan der andalusischen Landesregierung enthält allerdings auch Angaben, wie etwa die Wiedereröffnung von Geschäften und Gaststätten von statten gehen könnte. Vorgaben, die im Stufenplan der Zentralregierung noch zu definieren sind, und die durchaus als Inspiration dienen könnten.

Beschränkte Verweildauer

So schlägt die andalusiche Regierung zum Beispiel vor, dass man in Geschäften nicht länger als 30 Minuten und in Einkaufszentren höchstens 90 Minuten verweilen können sollte. In Lokalen würde die erlaubte Aufenthaltsdauer vom Komsum abhängen. Für ein Frühstück sollte eine halbe Stunde und für ein Mittag- oder Abendessen eineinhalb Stunden gewährt werden. Ein Tisch könnte auch für höchstens vier Gäste reserviert werden, mehr Personen wären nur erlaubt, wenn sie nachweisen können, dass sie in einem gemeinsamen Haushalt leben.

Desweiteren dürften die Gäste keine Gerichte miteinander teilen und müssten die Tische einen Mindestabstand zueinander haben. Klimaanlagen müssten außerdem mit Filtern ausgestattet werden. Und sämtliches im Lokal benutztes Materiel müsste immer wieder desinfiziert werden, so wie auch in Bekleidungsgeschäften die von Kunden zurückgegebenen oder anprobierten Klamotten jeweils desinfiziert werden müssten.

Was die sanitären Vorkehrungen anbelangt, plädiert die andalusische Regierung dafür, den Angestellten der Gaststätten und Geschäfte vor der Wiederaufnahme ihrer Beschäftigung eine Gesundheitsuntersuchung vorzuschreiben. Den Kunden der Läden und Lokale wiederum müsste vor dem Zutritt die Temperatur gemessen sowie eine Reinigung der Hände mit Desinfektionsgel und das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht gemacht werden.

Nicht alle auf einmal raus

Die Landesregierung regt darüber hinaus an, für die sportlichen Aktivitäten im Freien sowie für die Spaziergänge von Kindern oder Senioren Zeitfenster einzurichten, damit nicht alle zur gleichen Zeit unterwegs sind. So könnten die Senioren zum Beispiel vormittags und die Kinder nachmittags nach draußen, während den Sportlern die frühen Morgenstunden sowie die späten Abendstunden vorbehalten werden könnten. Bezüglich der Gottesdienste könnte nicht nur die Teilnehmerzahl begrenzt, sondern auch die Zeit auf 30 Minuten beschränkt werden.

Begleiten will die andalusische Regierung sämtliche Deeskalationsschritte mit einer Reihe präventiver sanitärer Maßnahmen, um die Coronavirus-Pandemie unter Kontrolle zu behalten. So sollen etwa mit einer Ausweitung der Tests neue Infizierte schneller aufgespürt werden. Damit einhergehen soll eine Erweiterung der Laborkapazitäten zur Auswertung der Tests. Zu guter letzt sollen auch noch im Gesundheitswesen zusätzliche, zur Bekämpfung der Covid-19-Krankheit geschaffene Kapazitäten für den Fall einer erneuten Zunahme der Infektionsfälle auf Stand-by aufrecht erhalten werden.

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