Saisonarbeiter auf einem Feld mit einer Kiste auf der Schulter.
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An den Rändern der Plantagen in Huelva hausen die Saisonarbeiter in dürftigen Baracken.

Immigranten in der Coronavirus-Krise

Tagelöhner und Covid-19: Quarantäne im Plastikmeer

  • vonLena Kuder
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Anfang Februar hat der UNO-Sonderberichterstatter Philip Alston die Situation in den Barackensiedlungen in Huelva scharf verurteilt. „Wie Tiere" hausten die Menschen dort, so der Diplomat. Ohne Strom und fließendes Wasser ist es schwer, den Hygienestandard einzuhalten.

  • UNO-Sonderberichterstatter Philip Alston hat die Lage in den Baracken in Huelva scharf kritisiert.
  • Fehlende Hygiene sorgt in der Coronavirus-Krise für ein erhöhtes Infektionsrisiko.
  • Arbeiter fordern umgehend menschenwürdige Lebensbedingungen.

Huelva - Als der australische UNO-Sonderberichterstatter Philip Alston Anfang Februar die Baracken der Saisonarbeiter am Rande der Plantagen in Huelva besuchte, war er schockiert. Aus seinem Bericht geht hervor, dass dort die Menschen in Favela-artigen Siedlungen wie Tiere hausen. „Die Arbeiter leben dort unter solch schlechten Bedingungen, wie ich sie sonst nirgendwo auf der Erde gesehen habe", so der Diplomat.

Drei Monate später müssen die Saisonarbeiter in verschiedenen Gemeinden der Provinz Huelva durch die derzeitige Corona-Krise noch schlechtere Bedingungen in Kauf nehmen. Ohne fließendes Wasser und Strom ist es schier unmöglich, Hygienestandards einzuhalten. Der eng bemessene Raum macht es zudem unmöglich, den nötigen Sicherheitsabstand zu befolgen, um etwaige Infektionen mit Sars-CoV-2 zu vermeiden. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass eine Quarantäne in diesem dürftigen Verschlag wohl etwas anders ausschaut als in einer komfortablen Wohnung.

Menschenwürdige Unterkünfte schaffen

Der Senegalese Armin Kamara lebt seit über zehn Jahren in den Baracken von Lepe. Einige NGOs hätten ihnen Atemmasken vorbeigebracht, so Kamara, doch diese reichten längst nicht aus für die über 1.500 Arbeiter, die allein in Lepe leben. Während der Erntesaison schufteten in den Plantagen über 2.500 Tagelöhner. Höchste Priorität hat Kamara zufolge, menschenwürdige Unterkünfte für die Arbeiter zu schaffen. Dabei verlangten sie noch nicht einmal unbedingt Häuser, sondern sie würden sich auch mit Wohnmodulen zufrieden geben, sagt der Senegalese. Hauptsache, das Leben in den Baracken ohne Wasser, Duschen und Toiletten nimmt bald ein Ende.

Fließendes Wasser, Toiletten, Duschen und eine Kochnische - das ist alles, wonach sich die Tagelöhner sehnen. „Es reicht nicht aus, wenn wir ab und zu mit Wasser und Lebensmitteln versorgt werden“, verdeutlicht Kamara. „Wir brauchen langfristige Lösungen. Wir wollen keinen Luxus, nur Gesundheit, Hygiene und die Möglichkeit, ein menschenwürdiges Leben zu führen.“

Suppenküche wegen Coronavirus geschlossen

Seit Jahren engagieren sich Nichtregierungsorganisationen wie Caritas, Cruz Roja, Cepaim, Asnuci oder die Europäische Stiftung zur Nord-Süd-Kooperation (Fecons) in Lepe, Moguer, Palos de la Frontera und Lucena del Puerto, um die Situation der Tagelöhner zu verbessern. Fecons leitet die Suppenküche in Lepe, wo die Saisonarbeiter warme Mahlzeiten erhalten. Durch die Coronavirus-Krise ist die Tafel jedoch zurzeit geschlossen, weshalb die Hilfsorganisation mehrmals in der Woche in den Barackensiedlungen Lebensmittelpakete verteilt.

Die Vereinigung Asnuci hat außerdem zwei Duschmodule zur Verfügung gestellt und sorgt dafür, dass ein von der Stadt Lepe finanzierter Tankwagen die neun Siedlungen von montags bis freitags von 15 bis 20 Uhr mit Trinkwasser versorgt. Da die Saisonarbeiter im Moment keinen Zugang zu Geschäften, Internetcafés oder Bars haben, können sie ihre Handys im Büro von Asnuci aufladen.

Herberge für Obdachlose

Die NGO Asnuci hat bei der Stadtverwaltung von Lepe eine Subvention für die Schaffung einer Herberge für obdachlose Saisonarbeiter beantragt. Für den Bau der 331 Quadratmeter großen Unterkunft mit 40 Plätzen werden 96.000 Euro veranschlagt. 10.000 Euro sind durch Spenden verschiedener Institutionen und Privatpersonen bereits zusammengekommen.

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