Ein Mann zieht einem kleinen Kind beim Verlassen eines Hotelbungalows eine Jacke an.
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Die wie kleine Siedlungen angelegten Villas Túristicas eignen sich ob ihrer Abgeschiedenheit besonders für einen Familienurlaub mit Kindern.

Defizitäres Geschäft

Tourismus in Andalusien: Landesregierung will wegen Verluste als Hotelunternehmer aussteigen

  • José Antonio Nieto
    VonJosé Antonio Nieto
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Mit ihren Villas Túristicas ist die andalusische Landesregierung als Hotelbetreiber im Tourismusgeschäft aktiv. Da ihr die Landhotels jedoch Jahr für Jahr Verluste in siebenstelliger Höhe bescheren, sollen die neun Komplexe nach und nach abgestoßen werden.

Sevilla - Mit neun Villas Túristicas – eine in jeder Provinz und in der Provinz Granada sogar zwei – ist die Landesregierung von Andalusien im Tourismusgeschäft als Hotelunternehmer aktiv. Die Geschäfte gehen aber alles andere als gut, obwohl sich die Villas Turísticas in einigen der beliebtesten Ausflugsziele der Region befinden. Von den Villas Túristicas aus kann man etwa die Axarquía im Hinterland der Costa del Sol, die Bergregion der Alpujarras, die Sierra de Grazalema oder auch die Sierra de Cazorla erkunden. Die Nachfrage nach ihrem reizvollen Angebot hält sich dennoch in Grenzen, weshalb die anfallenden Kosten die generierten Einnahmen Jahr für Jahr deutlich übersteigen.

AndalusienSpanische Autonome Gemeinschaft
Fläche87.268 Quadratkilometer
Einwohner8,427 Millionen (Stand 2019)
HauptstadtSevilla

Die Villas Turísticas liegen alle in ländlichen Gebieten, sind aber mehr als reine Landhotels. Wie ihr Name (touristische Dörfer) suggeriert, handelt es sich um größere, wie eine Siedlung angelegte Komplexe. Diese sind mit kleineren Apartments, aber auch geräumigeren Bungalows gespickt, abseits des Straßenverkehrs, samt Restaurant und einem Pool für den Sommer. Ein öffentliches, dem Landestourismusministerium unterstehendes Unternehmen übernahm 2007 erst ein Drittel, später die Hälfte und am Ende gar 100 Prozent der Anteile an den Villas Turísticas.

Tourismus in Andalusien: Nur fünf der neuen Villas Túristicas sind aktuell noch geöffnet

Von den neun Villas Turísticas sind vier, also fast die Hälfte, seit längerer Zeit bereits geschlossen. Der Komplex in Huescar (Granada) seit 2010, jener in Periana (Málaga) seit 2009 und jene in Fuenteheridos (Huelva) sowie in Cazalla de la Sierra (Sevilla) sogar schon seit 2006. Betrieben werden zurzeit noch die fünf Villas Turistícas in Laujar de Andarax (Almería), in Grazalema (Cádiz), in Priego de Córdoba (Córdoba), in Bubión (Granada) sowie in Cazorla (Jaén). Diese halten allerdings, trotz des Booms im lnlandstourismus, mehr schlecht als recht durch und das nicht erst seit Ausbruch der Pandemie.

Inmitten der Natur: Die Villa Túristica in Laujar de Andarax bietet sogar einen Rundweg durch ein Waldstück samt einem Spielplatz in einer Lichtung

Denn mit den Villas Turísticas fährt das öffentliche Betreiberunternehmen Jahr für Jahr Verluste in siebenstelliger Höhe ein. Und auf das Coronavirus kann man diese keineswegs zurückführen, denn 2020 beliefen sie sich auf 1,8 Millionen Euro. Damit lagen sie niedriger als 2019 und 2018, als sie jeweils bei knapp zwei Millionen Euro lagen. Ein defizitäres Geschäft also. Teuer zu stehen kommen der Landesregierung auch die bereits geschlossenen Villas Turísticas. Um sie mit einer minimalen Instandhaltung vor dem Ruin zu bewahren sowie Steuern, Versicherungsprämien und dergleichen zu begleichen, muss das Tourismusministerium jedes Jahr rund 500.000 Euro an Ausgaben einkalkulieren. Ohne davon auch nur einen Cent wieder hereinzuholen.

Tourismus in Andalusien: Geschlossene Hotels sollen kurzfristig, geöffnete mittelfristig verkauft werden

Kein Wunder also, dass sich der andalusische Tourismusminister Juan Marín zum Ziel gesetzt hat, die Villas Turísticas loszuwerden, und zwar alle. Kurzfristig, will heißen so bald wie möglich, will man sich natürlich der ohnehin geschlossenen Anlagen entledigen. Für zwei von ihnen, die Villa Turística in Fuenteheridos und jene in Cazalla de la Sierra, hätten auch schon private Unternehmen ein Interesse an ihrer Übernahme und Wiedereröffnung bekundet.

Ohne eine konkrete zeitliche Vorgabe will die Landesregierung aber auch die noch funktionierenden Anlagen abstoßen. Früher oder später, will heißen, sobald ein potenzieller Käufer ein akzeptables Angebot unterbreitet. Bis dahin, versichert die Landesregierung, werde man die Villas Túristicas aber nicht langsam dahinsiechen lassen, sondern weiter Geld in sie investieren und auch die Kommerzialisierung verbessern, nicht zuletzt, um die Verluste in Grenzen zu halten. Tatsächlich, so die Prognose des Tourismusministeriums, könnte das Minus bis Ende des Jahres auf nur noch 1,5 Millionen Euro reduziert werden.

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