Ein Rudel Hirsche steht in der Morgendämmerung im Sumpfgebiet des Nationalparks Coto de Doñana.
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Unter dem schrumpfenden Wasserreservoir haben vor allem die im Nationalpark Coto de Doñana lebenden Tiere zu leiden.

Umweltschutz in Spanien

Nationalpark Coto de Doñana in Andalusien: Bedrohtes Eiland im Süden Spaniens

  • Lena Kuder
    VonLena Kuder
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Illegale Brunnen, Reisanbau und Pestizide bedrohen das Wasserreservoir des Naturparks Coto de Doñana. Ein Besuch im Nationalpark in Andalusien zeigt, welche Naturschätze das Gebiet birgt. 

Zwischen den Pinienzweigen blitzen die dunkelbraunen Schilfdächer der Hütten hervor. Vor etwa 100 Jahren waren es noch 80, heute sind zehn für die Touristen übrig geblieben. In der Siedlung Poblado de la Plancha an der südlichen Spitze des Nationalparks Coto de Doñana in Huelva im Süden Spaniens lebten die Menschen ohne große Ansprüche vom Fischfang und dem Sammeln von Pinienzapfen. Ihre Behausung: ein Fußboden aus Lehm, ein Tisch, ein Stuhl, eine Feuerstelle. Nachts schliefen sie beim Ruf der Käuzchen ein und lebten mit dem Kreislauf der Natur, wenn im Frühjahr die Wildschweine ihre Frischlinge aufzogen und der Rothirsch im Herbst röhrend auf Brautschau ging. Nie hätten sie ihren Lebensraum verschandelt oder den dort lebenden Tieren das Wasser genommen. Sie fühlten sich als von der Natur geduldete Gäste und lebten im Einklang mit ihr. Was den Tieren und den wenigen Menschen des Poblado de la Plancha als Lebensraum galt, war jedoch für die anderen der Boden, mit dem sich Geld scheffeln lässt.

Coto de DoñanaNationalpark in Spanien
Autonome GemeinschaftAndalusien
Provinz Huelva
Fläche543 km²
Gründung 1969

Umweltschutz in Spanien: Den Vögeln im Nationalpark Coto de Doñana wird der Lebensraum genommen

„Rohland“ nannte eine Schweizer Firma Anfang der 1990er Jahre das einzigartige Feuchtgebiet in der Provinz Huelva. Investoren sollten in das Gebiet an der Costa de la Luz in Andalusien, wo der Fluss Guadalquivir in den Atlantik fließt, gelockt werden, um Wohnungen, Hotels, Geschäfte und einen Golfclub aus dem Boden zu stampfen, der zahlreichen Vogel- und Pflanzenarten als Lebensraum dient. Schon damals wussten Experten, dass Landwirtschaft und Tourismus das Feuchtgebiet zum Versiegen bringen würden. Damit wären auch zahlreiche Vogelarten gefährdet worden, die im Naturpark überwintern oder Station auf dem Weg nach Afrika machen. Als der Nationalpark Coto de Doñana 1969 geschaffen wurde, sparte man einen 15 Kilometer langen Küstenstreifen aus. Landbesitzer und Inhaber der Sherry-Bodegas aus Jerez de la Frontera waren drauf und dran, eine Küstenstraße von Cádiz nach Huelva zu bauen. Wieder trat die Schweizer Firma auf den Plan, die das Projekt zum Bau der Siedlung Playa Matalascañas anschob. So entstand ein Monstrum aus Beton, das sich über eine sechs Kilometer lange Dünenlandschaft erstreckt. Zwischen 200.000 und 300.000 Touristen verbrauchen hier Saison für Saison bis zu 30 Millionen Hektoliter Wasser. Eine Lagune musste dran glauben, damit die Urlauber in Playa Matalascañas mit Wasser versorgt werden.

Umweltschutz in Spanien: Illegale Brunnen, Erdbeerplantagen und Reisfelder sind verantwortlich für das geschrumpfte Wasserreservoir

Ende Januar sind die Möwen die einzigen Besucher der fünf Quadratkilometer großen Gespenstersiedlung Playa Matalascañas. Der grüne Unimog des Besucherzentrums El Acebuche, das Touren durch den südlichen Teil der Coto de Doñana anbietet, knattert durch die menschenleeren Straßen und umrundet autofreie Kreisel, bis er schließlich das Tor des Naturparadieses erreicht. „Let’s dance“, ruft Park-Guide Gonzalo Dorado. Ängstlich klammern sich die Insassen an die Vordersitze, während der geländegängige Wagen im Schaukelgang die erste Düne nimmt. Dorado schickt voraus, dass die Besucher durch recht trockene Gebiete fahren werden, da es eben in letzter Zeit wenig geregnet habe. Er verliert kein Wort über illegale Brunnen, bewässerte Erdbeerplantagen und die 36 Hektar großen Reisfelder entlang der Grenzen des Nationalparks, dabei sind es die Hauptverantwortlichen für das geschrumpfte Wasserreservoir.

Im Zuckeltempo bewegt sich der Unimog eine Düne hinunter zum Strand. Dorado deutet nach links. Alle paar Meter taucht eine Fischerhütte auf. Wie die Bewohner von Poblado de la Plancha fügen sich die Fischer auch heute noch dem Kreislauf der Natur. Sie fischen schonend mit dem Trasmallo (Trammelnetz), der gezielt nur bestimmte Fischarten fängt und nicht wie die Schleppnetzschiffe rigoros den Meeresboden abgrast. „Nun muss ich Schwung nehmen, ansonsten schiebt ihr eben“, ruft Dorado und steuert sein Fahrzeug auf eine steile Düne zu. Die Wanderdünen im Naturpark sind einzigartig in Spanien. Sie bilden sich durch Sandanhäufungen. Ihr vorderer Teil ist steiler als die dem Wind ausgesetzte Seite, der sogenannte Rücken. Zwischen drei und sechs Meter rollen die Dünen pro Jahr landeinwärts und begraben dabei alles unter sich, was ihnen in die Quere kommt. Zwischen den Dünen bilden sich dabei die Corrales (dt.: Pferche), Wäldchen aus Mittelmeer-Kiefern und Gestrüpp. An einigen Stellen ragen die saftig grünen Kronen der Kiefern aus dem Sand wie willkürlich in die Landschaft gestreute Brokkoliröschen. Sie zeugen davon, dass hier einst ein Pinienwäldchen stand, was ihnen auch den Namen „Pinos testigos“ (dt.: Zeugen) verliehen hat. Dorado deutet mit dem linken Zeigefinger auf das Dünenmeer: „,Lawrence von Arabien‘ und einige Szenen von ,Die unendliche Geschichte‘ wurden hier gedreht.“

Umweltschutz in Spanien: Sumpfgebiet im Nationalpark Coto de Doñana bietet zahlreichen Enten- und Vogelarten eine Brutstätte

Die Wurzeln der Kiefern bahnen sich ihren Weg, denn sie sind flexibel und passen sich der Dünenbewegung an. Noch einmal nimmt der Unimog Schwung, und schon finden sich die Naturfreunde vor einer anderen Kulisse wieder. Aus etwa 800 Meter Entfernung ist das Sumpfgebiet auszumachen. Es ist ein wahrer Verwandlungskünstler. Geringe Regenfälle lassen es im Sommer zu einer trockenen und rissigen Ebene erstarren. Während der Wintermonate entsteht durch die Regenfälle ein riesiger See, der zahlreichen Enten- und Vogelarten als Ort zum Überwintern dient. Ein dichter grüner Teppich aus Schilfrohr und Strandsimse überzieht den See im Frühjahr. Dort rasten 80 Prozent aller westeuropäischen Enten, darunter Graugänse, Krickenten, Pfeifenten und Spießenten. Flamingos, Löffler Stelzenläufer und Purpurhühner finden dort eine Brutstätte. Letztere sind zugleich das Symbol des Naturparks.

Als der Unimog in den Pinienwald einbiegt, fliegt ein Roter Milan mit seinen etwa 1,50 Meter breit ausgespannten Flügeln über die Köpfe der Besucher hinweg. Außer ihm gibt es zahlreiche andere Greifvogelarten. Besonders sticht der Spanische Kaiseradler hervor, der von der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft ist. In Spanien gibt es heute nur noch rund 400 Paare (Stand 2020). Gefestigte Sanddünen mit Mittelmeerpflanzen bilden das Herzstück des Ökosystems von Wald und Gebüsch im nördlichen Abschnitt der Doñana. Dabei gibt es zwei Arten von Cotos, die bei Exkursionen, die von El Rocío aus starten, gesehen werden können: Als „Monte negro“ werden die tiefer gelegenen und feuchteren Abschnitte bezeichnet, in denen Heidekraut, Besenheide, Stechginster und Farne dominieren. Höher liegt dagegen der „Monte blanco“ mit den für ihn typischen Pflanzen wie Zistrosen, Ginster, Rosmarin und Majoran. Charakteristisch für den Wald im nördlichen Teil des Naturparks sind Mittelmeer-Kiefern, Korkeichen, Mastixsträucher und wilde Olivenbäume. Dort können dem Besucher auch Mangusten und Ginsterkatzen über den Weg laufen. Mit viel Glück bekommt man einen der etwa 420 Luchse (Stand 2019) zu Gesicht. In der Aufzuchtstation des Besucherzentrums El Acebuche leben derzeit rund 20 Tiere. In der Eingangshalle können die Besucher die Jungtiere per Livestream in ihrem Gehege beobachten.

Umweltschutz in Spanien: Korridor zwischen zwei Ökosystemen im Nationalpark Coto de Doñana

Zwischen dem Sumpfgebiet und den Sanddünen oder Cotos liegt ein Übergangsgebiet, ein Korridor, der von Süden nach Norden breiter wird. Durch den Sand kann dort das Wasser durchsickern und sorgt dafür, dass dieser Streifen immer grün ist. Sobald dieses Wasser den undurchlässigen Sumpfboden erreicht, tritt es an die Oberfläche und sorgt dort für eine konstante Feuchtigkeit, wodurch weitflächiges Weideland entsteht. Hier leben zahlreiche Tierarten beider Ökosysteme. Rotwild, Damwild, Füchse, Wildschweine, wilde Kühe und Wildpferde teilen sich dieses Habitat mit Schlangen und Eidechsen. „Mira, mira!“ (dt.: Schau mal!), schreit ein 15-jähriger Naturfreund und drückt seine Nase an die Unimogscheibe. Zehn Meter vom Exkursionsmobil steht ein Damkitz und blinzelt den Zweibeinern gelassen zu. Mit Menschen scheint es bislang keine schlechten Erfahrungen gemacht zu haben. Der Luchs schon. Noch immer läuft er gelegentlich Wilderern vor die Flinte oder wird überfahren. Deshalb gibt es für die Pinselohren im Naturpark gebogene Holzbrücken, die über die Straßen führen.

Wie eine Fata Morgana taucht ein prächtiges Gebäude im englischen Kolonialstil auf: der Palacio de las Marismas. 1912 erbaut, diente er Altkanzler Helmut Kohl, dem ehemaligen britischen Premier Tony Blair und dessen Amtskollegen François Mitterrand als Feriensitz, um von hier aus auf die Jagd zu gehen. Offenbar ist es einfacher, das Gewehrobjektiv auf frei laufendes Wild zu richten als den Fokus auf die gravierenden Probleme der Doñana. „Die Doñana trocknet allmählich aus“, sagt Juan Romero, Koordinator im Naturpark Coto de Doñana für die Umweltschutzgruppe Ecologistas en Acción. Vor 13 Jahren habe die andalusische Landesregierung einen Flächennutzungsplan erstellt, so Romero. Dieser sollte die Nutzung des Grundwassers regulieren. Geplant war, die Brunnen zu schließen und stattdessen das Wasser der Stauseen zu nutzen. Es sei bislang jedoch nur bei leeren Versprechen geblieben.

Nationalpark Coto de Doñana: Proteste der Landwirte gegen illegale Brunnen

Ángel Gorostidi, Präsident des Agrarverbands Comunidad del Regante del Fresno, zeigt sich dagegen optimistisch. Rund 12.000 Landwirte seien im August 2013 auf die Straße gegangen, um an die andalusische Landesregierung zu appellieren, die Verfahren gegen die etwa 2.000 illegalen Brunnen vorerst einzustellen, bis eine Alternativlösung gefunden wird. Bereits 2013 hatte die Vereinigung Sociedad Estatal de Infraestructuras Agrarias (Seiasa) ein Projekt zugesagt, bei dem für rund 20 Millionen Euro die Bewässerung von 850 Hektar landwirtschaftlichem Boden in den fünf Gemeinden Moguer, Lucena del Puerto, Bonares, Almonte und Rociana del Condado in der Provinz Huelva gesichert sein soll Das Projekt sah vor, die Wassernutzung dieser an den Naturpark angrenzenden Gemeinden bis 2018 zu garantieren und die illegale Nutzung zu unterbinden. Bis heute gibt es noch immer über 1.000 illegale Brunnen im Nationalpark Coto de Doñana. Aufgrund der Untätigkeit der Zentralregierung, der andalusischen Landesregierung und den Stadtverwaltungen hat der Europäische Gerichtshof am 24. Juni Anzeige gegen Spanien erstattet.

„Der Park wurde geschaffen, um die Natur zu schützen. Es wäre ein Unding, EU-Subventionen für Projekte zu nutzen, die dem Naturpark schaden“

Felipe Fuentelsaz, Verantwortlicher des WWF im Naturpark Coto de Doñana

Nationalpark Coto de Doñana soll nach Plänen der Junta als Lager für Erdgas aus Algerien dienen

„Der Wasserpegel in der Doñana ist bereits so stark abgesunken, dass ganze Waldstücke mit Eschen verschwunden sind“, erklärt Romero. Früher war genügend Grundwasser vorhanden, sodass diese auch in regenarmen Zeiten überschwemmt waren. Mit Sorge betrachtet Romero auch die Pläne der andalusischen Landesregierung, den Guadalquivir zu vertiefen, um einen Kanal für Frachtschiffe zu schaffen, damit diese Sevillas Hafen problemlos erreichen können. Dieses Vorhaben würde auch die traditionelle Landwirtschaft und Fischerei gefährden, meint Felipe Fuentelsaz, Verantwortlicher des WWF im Naturpark Coto de Doñana. Eine Vertiefung des Flussbettes hätte zur Folge, dass größere Mengen Meerwasser in die Flussmündung fließen und Fischarten im Golf von Cádiz, die in einer ausgeglichenen Kombination aus Süß- und Salzwasser (Brackwasser) gedeihen, verschwinden würden. „Der Park wurde geschaffen, um die Natur zu schützen. Es wäre ein Unding, EU-Subventionen für Projekte zu nutzen, die dem Naturpark schaden“, echauffiert sich Fuentelsaz.

Der Naturpark soll, wenn es nach der Junta ginge, auch bald als Lager für Erdgas aus Algerien dienen, so der Umweltschützer Juan Romero von Ecologistas en Acción. „Die Politiker reden über diese Pläne natürlich nur hinter vorgehaltener Hand“, schimpft Romero. Sein Gesinnungsgenosse Fuentelsaz stimmt ihm zu, denn die Erdgaslagerung und die Spekulation mit dem Gaspreis hätten in seinen Augen gravierende Folgen für den Naturpark. „In Spanien stehen zig Industriehallen leer, in denen Erdgas gelagert werden könnte. Dadurch würden auch Arbeitsplätze geschaffen“, meint Fuentelsaz. Das Thema Coto de Doñana wird Fuentelsaz zufolge zu stark politisiert. Die Parkleitung sollte unabhängig von der Politik handeln können, so Fuentelsaz. Schließlich müsse der Umweltschutz an oberster Stelle stehen.

Wie eine grüne Insel liegt der Nationalpark Coto de Doñana inmitten von Agrarflächen

Für die Landwirtschaft in der Gegend nimmt er eine eher unbedeutende Rolle ein. Wie eine grüne Insel liegt der Naturpark inmitten von Agrarflächen. In Huelva wird ein Großteil der in Spanien und Europa verkauften Erdbeeren angebaut. Spanischen Medienberichten zufolge beziffern sich die Einnahmen der Erdbeerernte im Durchschnitt auf über 300 Millionen Euro. In der Regel arbeiten 12.000 Personen auf den Erdbeerplantagen. Während der Ertragszeit kommen etwa 50.000 Erntehelfer hinzu. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Europa Press ist die Produktion der Erdbeeren im vergangenen Jahr bedingt durch die Pandemie um 21,75 Prozent zurückgegangen. Der Export in die traditionell wichtigsten Abnahmeländer Deutschland, Großbritannien und Italien ist gar um 50 Prozent gesunken.

Laut Fuentelsaz bewässert die Hälfte der Erdbeerplantagenbesitzer ihre Beete mit illegal gezapftem Wasser. Einige der Plantagen befänden sich auf Waldgebiet, das zum Naturpark gehört. Fuentelsaz kritisiert den von Gorostidi positiv dargestellten Plan, diese Plantagen mit Oberflächenwasser zu bewässern. „Die EU wird es eines Tages leid sein und die Subventionen streichen, wenn sie merkt, dass ihre Gelder für illegale Aktionen missbraucht werden“, meint er. Vor kurzem war er auf der Messe Fruit Logistica, dem internationalen Branchentreffen des Fruchthandels in Berlin. 90 Prozent der in Huelva angebauten Erdbeeren und Waldfrüchte sind für den Export bestimmt.

WWF animiert Verbraucher dazu, nur solche Früchte zu kaufen, die ökologisch unbedenklich sind

„Der WWF will den Verbraucher dazu animieren, nur solche Früchte zu kaufen, die mit legalem Wasser bewässert wurden“, sagt Fuentelsaz. Bei den Supermarktketten sei das ökologische Bewusstsein jedoch noch nicht sehr weit gediehen. Allein die Supermarktkette Rewe achte darauf, dass die angebotenen Erdbeeren auf legal bewässerten Feldern gewachsen sind.

Romero sagt, dass die meisten Landwirte eben auf einen größtmöglichen Profit aus sind, wodurch Pestizide zum Einsatz kommen, die das Wasser verunreinigen. Sogar Spuren von entsorgten Medikamenten wie Antibiotika hätten die Experten nachweisen können. Er fordert, dass ausschließlich ökologische Landwirte den Boden im Naturpark beackern sollten. Auch Fuentelsaz meint, dass Biobauern stärker unterstützt werden müssten, schließlich könnten sie mit Landwirten nicht mithalten, die keinen Cent für das Wasser bezahlen. Für Romero ist es auch ein Irrsinn, dass die andalusische Landesregierung Anfang 2014 den Betrieb der Mine bei Aznalcóllar ausgeschrieben hat. 2015 hat die Gesellschaft Minera Los Frailes die Mine gekauft. Im März dieses Jahres hat sie bekanntgegeben, dass sie Ende des Jahres mit dem Wiederaufbau der Mine beginnen will.

1998 war in einer Mine des schwedischen Unternehmens Boliden-Apirsa in der Nähe des Orts Aznalcóllar der Damm eines Rückhaltebeckens für giftige Bergwerksschlämme gebrochen. Fünf Millionen Kubikmeter Schlick, versetzt mit Schwermetallen wie Zink, Blei, Kupfer, Cadmium, Quecksilber, Arsen und Thallium, rauschten durch das Bett des Flüsschens Guadiamar auf den 40 Kilometer südlich gelegenen Doñana-Nationalpark zu. Um den Park zu retten, hatten alarmierte Bauern drei Erdwälle aufgeschoben. Damals konnte die Umweltkatastrophe zwar eingedämmt werden, dennoch verseuchte der giftige Schlamm die Ufer des Flusses Guadiamar auf 40 Kilometern Länge.

„Nach dem Immobilienboom gibt es jetzt einen Minenboom“, sagt Romero. Auch Fuentelsaz hält die Pläne für irrsinnig. Schließlich sei in dem vom Minenunglück betroffenen Gebiet ein „Corredor ecológico“ entstanden, in dem sich die Natur allmählich regeneriert. Er kann nicht begreifen, dass die Junta ernsthaft plant, die Region wieder zu gefährden.

Umweltsünden im Nationalpark Coto de Doñana werden laut WWF nicht hart genug bestraft

In Romeros Augen werden die Umweltsünden im Naturpark nicht streng genug geahndet, und es käme immer wieder vor, dass millionenschwere Strafen aufgehoben würden. „Durch die Wirtschaftskrise wird das Thema Umweltschutz noch weiter in den Hintergrund rücken“, sagt er resigniert.

Während der Unimog im Licht der Abendsonne den Dünenrücken hinunterzuckelt, ruft Dorado: „El último baile“ (der letzte Tanz). Auch ein Wildschwein fühlt sich animiert. Mit gesenkter Nase rennt es eine Weile neben dem Unimog her und dreht kleine Zirkel, um dann in rasantem Tempo mit in die Höhe gerecktem Bürzel wieder die Dünen hochzurasen.

Mahnmalen gleich glotzen die mit Jalousien verschlossenen Fenster der leeren Apartments auf die vorbeifahrende Gruppe. Der Unimog passiert einen Kreisel. Darauf halten zwei Erwachsene und zwei Kinder aus Beton leidenschaftslos einen Erdball in die Höhe – ihnen scheint die Passion zum Schutz der Natur ebenso zu fehlen wie jenen, die am längeren Hebel sitzen.

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