Campo de Golf Almerimar in Almería
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Dürre in Spanien, aber die Golfplätze in vollem Saft. Hier der Campo de Golf Almerimar in Almería.

Dürre in Spanien

Wasser-Notstand an der Costa del Sol und in Málaga: Aber Golfplätze stehen in vollem Saft

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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„Unsere Golfplätze sind Lebewesen“: Während der Wasserverbrauch für Städte und Privathaushalte in Málaga immer öfter eingeschränkt werden muss, sehen sich die Golfplätze der Costa del Sol auf der sicheren Seite. Sie profitieren von ihrer Lobby und einem Trick.

Málaga – Kurz vor den langanhaltenden Regenfällen in der Provinz Málaga im März und April 2022 rief die Andalusische Landesregierung für die Provinz Málaga den Wasser-Notstands aus. Die massiven Regenfälle der letzten Wochen verschieben die latente Notlage nur, um ein halbes, vielleicht ein Jahr. Der Dürrenotstand bedeutet in Phase 1 zum Beispiel, dass öffentliche Parks nicht mehr mit Leitungswasser gegossen werden dürfen, aber „unsere Golfplätze sind nicht davon betroffen“, freut sich Pablo Mansilla, Präsident der Real Federación Andaluza de Golf. Mehr noch, die Golfplätze entlang der Costa del Sol beziehen ihr Wasser sogar aus öffentlichen Ressourcen, nämlich vom Unternehmen Acosol, das neben den Kreisen entlang der Costa del Sol, die als Eigentümer fungieren, auch 45 Golfplätze mit Wasser für die großflächigen Rasen versorgt.

Trick und Systemfehler: Wasseraufbereitung gerade richtig für Golfplätze an Costa del Sol

Gewissermaßen ein „Trick“, besser gesagt ein Systemfehler, lässt das Hobby für die Betuchteren aus den Dürre-Einschränkungen fallen, ein Missstand, der von Ökologen, aber auch Politikern in Madrid schon länger angeprangert wird. Acosol erklärt, „nur aufbereitetes Wasser, das nicht für den menschlichen Konsum geeignet ist“, an die Golfplätze zu liefern.

Zum Thema: Drei von vier Litern Trinkwasser versickern in Málaga ungenutzt.

Es sei aber zwischen Golf-Lobby und Kommunalpolitikern geübte Praxis gewesen, die Aufbereitungsanlagen seit den 1980er Jahren nur so auszulegen, dass die Qualität gerade so für sekundäre Bewässerung zugelassen wird, also nicht einmal für die Landwirtschaft taugt, die am meisten an den Rationierungen leidet. Dabei würde ein weiteres biologisches Aufbereitungsbecken genügen, das Wasser zumindest für die Landwirtschaft tauglich zu machen. Aber das ist offenbar nicht erwünscht.

73 Golfplätze an der Costa del Sol - Milliardenumsätze auf Kosten der Wasserreserven

Der Golfpräsident gibt zudem offen zu, dass man neben dem aufbereiteten Wasser auch Brunnen betreibe und Zugang zu Quoten der Bewässerungsgemeinschaften habe, also direkt Trinkwasser sowie die Ressourcen für den Agrarsektor abgreife. Immerhin wolle Acosol mehr Inspektionen durchführen, um zu überprüfen, ob „wirklich nur nicht trinkbares Wasser“ vergossen wird.

Naturgebiete haben keine so starke Lobby wie der Golfsport. Die Provinz Málaga leidet aktuell wie fast ganz Spanien unter einer extremen Trockenperiode.

Zwischen Estepona und Vélez-Málaga „haben wir die höchste Golfplatzdichte Europas“ mit 73 Anlagen und 1.314 Löchern, erklärt der Präsident und betont, dass das Wasser kein Geschenk an die Spieler, sondern eine Notwendigkeit für einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor sei.

„Unsere Golfplätze sind Lebewesen, die sterben, wenn man sie nicht gießt“. Deshalb sollte die Politik, „die besonders behandeln“, sollte es nötig werden, die Zuteilungen weiter zu drosseln. 2,2 Milliarden Euro Direktumsatz mache die Golfindustrie in Andalusien jährlich, 55.000 Arbeitsplätze hingen daran, außerdem würden 650.000 Touristen nur wegen des Golfspiels an die Costa del Sol kommen.

Zum Thema: Dürre in Andalusien - Gemeinden bestrafen Verschwender.

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