Titel der Europäischen Filmakademie

Wüste von Tabernas: Schatz der europäischen Filmkultur

  • vonJosé Antonio Nieto
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In der Wüste von Tabernas in der Provinz Almería sind seit den 1950er Jahren mehr als 300 Spielfilme gedreht worden, vor allem aber bei weitem nicht nur Western. Die Europäische Filmakademie hat ihre Bedeutung für die Filmgeschichte nun honoriert.

  • Ihre Blütezeit als Filmstandort erlebte die Wüste von Tabernas in den 1960er Jahren.
  • Sergio Leone machte die karge Landschaft zur Heimat des Italo-Western.
  • Spielfilme werden in der Wüste von Tabernas bis heute noch immer gedreht.

Almería - Der seit 1989 unter Naturschutz stehenden Wüste von Tabernas, die einzige natürliche, ohne Zutun des Menschen entstandene Wüste in Europa, ist vor wenigen Tagen eine besondere Ehre zuteil geworden. Die als Badlands der Provinz Almería bekannte Landschaft, in der seit den 1950er Jahren mehr als 300 Filme gedreht worden sind, ist von der Europäischen Filmakademie zum “Schatz der europäischen Filmkultur” erhoben worden.

NaturschutzgebietWüste von Tabernas
Fläche280 Quadratkilometer
Lageetwa 30 Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Almería
GemeindenTabernas, Gádor, Gergal, Alboloduy, Santa Cruz de Marchena
Umweltschutzseit 1989 im Natura-2000-Netzwerk der EU
Almerías Badlands: Die als Western-Kulisse prädestinierte Wüste von Tabernas weist das trockenste Klima in ganz Europa auf.

In den Bergen, Ebenen und Ramblas (dt. Trockenflussbette) der Wüste von Tabernas drehte der italienische Filmregisseur Sergio Leone (1929-1989) seine ersten Meisterwerke wie “Spiel mir das Lied vom Tod” (1968) mit Henry Fonda und Claudia Cardinale oder auch die Filme seiner Dollar-Trilogie “Für eine Hand voll Dollar” (1964), “Für ein paar Dollar mehr” (1965) und “Zwei glorreiche Halunken” (1966). Mit diesen Filmen, mit denen er das bis in die späten 1970-er Jahre erfolgreiche Genre des Italo-Western begründete, ermöglichte er nicht nur sich selsbt eine Hollywood-Karriere, sondern machte auch den damals noch kaum bekannten Schauspieler Clint Eastwood zum Filmstar.

Den Italo-Western folgten Western-Persiflagen, wie etwa jene mit Bud Spencer und Terence Hill oder mit Guiliano Gemma, die ebenfalls größtenteils in der Wüste von Tabernas entstanden. Aber nicht nur Western wurden in den kargen Landschaften im Hinterland der Provinz Almería gedreht, sondern auch unvergessene Leinwandklassiker wie das Wüstenpos “Lawrence von Arabien” (1962) von David Lean, der mit vier Oscar prämierte Streifen “Cleopatra” (1963) mit Elizabeth Taylor und Richard Burton oder der Kriegsfilm “Patton” (1970), für den Francis Ford Coppola das Drehbuch schrieb.

Auch in späteren Jahren vergasen die Filmemacher die Wüste von Tabernas nicht und kehrten immer wieder zu ihr zurück, wie etwa John Milius für seinen Fantasy-Film “Conan, der Barbar” (1982) mit einem jungen Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle oder Steven Spielberg für “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” (1989), dritter Teil der Indiana-Jones-Saga mit Harrison Ford und Sean Connery. Für Western,  ernste aber auch lustige, haben die Kulissen der Wüste von Tabernas bis unsere Zeit immer wieder hergehalten, wie unter anderem “Der Schuh des Manitu” (2001) von und mit Bully Herbig, “Die Daltons gegen Lucky Luke” (2004) mit Till Schweiger oder die französischen Produktionen “Blueberry” (2004) oder “The Sisters Brothers (2018) belegen.

Western-Dörfer und ein internationales Filmfestival halten den Western am Leben

Die anhaltende Aktualität des Western belegt auch das “Almería Western Film Festival” das seit 2011 alljährlich im Oktober in Tabernas veranstaltet wird. Es ist dies europaweit, das einzige internationale Filmfestival, das ausschließlich dem Western-Genre gewidmet ist. An der Organisation beteiligt sind nicht zuletzt auch die drei seinerzeit von Sergio Leone errichteten Western-Dörfer, die bis heute erhalten geblieben sind: das “Western Leone”, das noch immer als Filmset dienende “Fort Bravo” sowie das “Mini Hollywood”, das mit einem Tierpark erweitert und in “Parque Tematico Oasys” umbenannt wurde.

In den einst für die Italo-Western von Sergio Leone errichteten Kulissen werden noch immer Western-Shows dargeboten.

Unterstützt wird das Filmfestival auch von der Gemeinde Tabernas. Über die Ausweisung der Wüste von Tabernas als “Schatz der europäischen Kultur” hat sich ihr Bürgermeister José Díaz sehr erfreut geäußert. “Die Anerkennung durch die Europäische Filmakademie erfüllt uns mit großem Stolz” hat der Bürgermeister erklärt. “Sie unterstreicht die außerordentliche Beziehung, die unseren Ort mit der Filmwelt und ganz besonders mit dem europäischen Kino verküpft”, bemerkt José Díaz. “Außerdem ist sie ein Lohn, für unsere Anstrengungen, Filmproduktionen aller Art in Tabernas zu ermöglichen”, fügt er noch hinzu.

Zwölf Schätze der europäischen Filmkultur, drei davon in Spanien

Mit dem Titel “Schatz der europäischen Filmkultur”, will die 1989 begründete Europäische Filmakademie (EFA), die ihren Sitz in Berlin hat, nicht nur natürliche Landschaften, sondern auch architektonische Elemente hervorheben, die in der Filmgeschichte eine herausragende Rolle gespielt haben. Mit ihrer Anerkennung will die EFA, nicht zuletzt für die Erhaltung der in besonders vielen oder besonders wichtigen Filmen auftauchenden Kulissen eintreten. Seit der Einführung des Titels vor fünf jahren ist er erst zwölf Mal vergeben worden, drei Mal an spanische Filmschauplätze. Der Liste gehören bislang an:

  • Bergmancenter in Farö (Schweden)
  • Kirche von San Vicente in Cardona (Spanien)
  • Eisenstein Center in Moskau
  • Naturreservat Hovs Haller in Skande (Schweden)
  • Institut Lumière in Lyon (Frankreich)
  • Kulturzentrum Moulin d‘Andé in Andé (Frankreich)
  • Paradjanow Museum in Eriwan (Armenien)
  • Plaza de España in Sevilla (Spanien)
  • Potemkin-Treppe in Odessa (Ukraine)
  • Riesenrad in Wien (Österreich)
  • Museum Tonino Guerra in Pennabili (Italien)
  • Wüste von Tabernas in Almería (Spanien)

“Die Wüste von Tabernas ist in die Liste aufgenommen worden, weil sie auf dem europäischen Kontinent einzigartig ist und für die weltweite Filmindustrie einen enormen Beitrag geleistet hat”, bekundet der derzeitige Vorsitzende der EFA, Mike Downey. Der britische Filmproduzent hebt außerdem noch hervor, dass in Tabernas auch mehrere Streifen gedreht wurden, die für den von der Efa vergebenene Europäischen Filmreis nominiert gewesen sind, wie zum Beispiel “Brimstone” von Martin Koolhoven, “Morvern Callar” von Lynne Ramsay oder “Brothers” von Susanne Bier. 

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