Musik aus Spanien

Alicante: Amaral-Konzert von Corona geprägt - Soundtrack für "unsere Zeit"

  • vonStefan Wieczorek
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Im Hafen von Alicante bietet Amaral am 28. August ein reizvolles Konzert. Mit Coronavirus-Abstand hört das Publikum Akustik-Versionen der poetischen Lieder der spanischen Band.

  • In Alicante bietet Amaral am 28. August ein akustisches Konzert mit Coronavirus-Sicherheitsabstand.
  • Zwar verhindert Corona in Alicante beim Amaral-Konzert große Show, nicht aber die Poesie der Lieder.
  • Das Amaral-Album „Salto al color" wirkt mit Songs wie "Nuestro tiempo" wie ein Soundtrack für "unsere Zeit".

Alicante – Am Freitag, 28. August, gibt es im Hafen von Alicante ein Widersehen mit Amaral. Das Duo aus Zaragoza gibt im Rahmen der „Noches Mediterráneas“ (Mittelmeer-Nächte) ein Open-Air-Konzert. Es werden leisere Töne sein als beim letzten fetzigen Auftritt in der Stierkampfarena in Alicante. Das liegt nicht etwa am neuen Album „Salto al color“ („Sprung in die Farbe“); sondern am Coronavirus. Fast hätte es die Tour ganz verhindert. An der Costa Blanca verhindert das Virus eine große Show und sorgt für ein reduziertes Publikum mit Covid-19-Sicherheitsabstand, für das Amarals Lieder akustisch ertönen.

AmaralBand aus Spanien
Gegründet:1992 in Zaragoza
Mitglieder:Eva Amaral, Juan Aguirre
Genre:Pop Rock, Folk Rock, Rock, Spanischer Rock

Amaral in Alicante unter Corona: Songs vom Album „Salto al color" in reinen Akustik-Versionen

Dem Amaral-Konzert im Hafen von Alicante verleiht das aber besonderen Reiz. Denn die Poesie und Leidenschaft der von Eva Amaral gesungenen Verse tritt in akustischen Darbietungen besonder gut zutage. „Deine Hände: Delfine, die über meinen Rücken springen. Dein Haar: Wogen, die mein Boot hinterließ“, lautet der Text zu „Mares igual que tu“ - "Meere, genauso wie du" - vom neuen Album "Salto al color". Sinnlich und auch ungewohnt elektronisch, mit Ethno-Klängen, Synth-Bässen und Dance-Beats versehen, ist das Album, dessen Lieder im Hafen von Alicante in reinen Akustik-Versionen zu hören sein werden.

Den Stil des neuen Albums von Amaral fanden in Spanien nicht alle gut. Eigentlich hatten Sängerin Eva Amaral und Gitarrist Juan Aguirre das Kapitel Elektro hinter sich gelassen. 2002 hatten sie auf diese Weise experimentiert, auf einem Album, das auch damals vom Meer inspiriert war: „Estrella del Mar“ – „Seestern“. Die darauf folgenden Platten aber boten immer härtere Rock-Töne auf, vor allem das letzte Album „Nocturnal“ (2015), das mit düsteren Endzeit-Versen eine nie endende Nacht besang. Was brachte Amaral - ausgerechnet im Coronavirus-Jahr 2020 - auf den dance-lastigen „Sprung in die Farbe“?

Amaral-Album „Salto al color“: Songs von Nostalgie, aber auch Mutmacher - gut zum Spanisch-Lernen

Nun, so fröhlich, wie man denken könnte, ist das Album, das Amaral in Alicante vorstellt, nicht. Nicht„Señales“ („Signale“), auf dem Album ein tanzbarer House-Track, der jedoch im Text das Bild einer verzweifelten Nostalgie malt. Auch nicht „Juguetes Rotos“ („Kaputte Spielzeuge“), das nach fröhlichem Gag klingt, doch in den Lyrics auf beklemmende Weise die Manipulation von Menschen durch eiskalte Machthaber anprangert. Auch „Peces de Colores“ (Bunte Fische) ist kein Gute-Laune-Song, sondern die bewegende Hymne der Unverstandenen, inspiriert vom jungen Gabriel, der im Frauenkörper geboren wurde.

In Alicante bietet Amaral ein Konzert mit Akustik-Versionen und Corona-Abständen.

Der Song "Peces de colores" von Amaral avancierte in Spanien zur Hymne der LGBTI-Bewegung. „Wenn du meine innere Kraft spüren würdest, die Sprache meines Körpers verstehen würdest...“, führt Eva Amarals tiefe Stimme einen Dialog, der ganz unterschiedliche bunte Fische ansprechen kann. Auf dem neuen Album fehlen aber auch nicht die Amaral-typischen Mutmacher. „Bien alta la mirada“ (Hoch das Haupt) plädiert fürs Selbstwertgefühl - mit ermutigender Choreographie im Video. Amarals Youtube-Kanal lohnt sich – mit Lyric-Videos und der klaren Diktion der Sängerin Eva – gerade zum Spanisch-Lernen.

Amarals „Nuestro tiempo“: Wie Soundtrack für schwer fassbare Coronavirus-Zeiten

Auf dem Album, das Amaral in Alicante akustisch spielt, verdient „Nuestro tiempo“ – „Unsere Zeit“- besondere Erwähnung. Vom Sound der Amaral-typischste Track des Albums, lädt der Text dazu ein, über die schwer zu fassende Gegenwart zu reflektieren. „Es gibt eine Zeit zum Glauben, eine Zeit zum Suchen, eine Zeit, um zu vergessen“, heißt es im Track voller Energie, der kurz vor dem Corona-Ausbruch entstand. Lyrics, die aus dem Buch Kohelet stammen könnten, doch wie ein Soundtrack für unsere Gegenwart wirken. „Es ist unsere Zeit, so seltsam, so gewaltsam. Es scheint das Ende zu sein und ist doch nur der Anfang", singt Eva Amaral.

Für das Amaral-Konzert im Hafen von Alicante gibt es Tickets auf der Webseite des Veranstalters „Producciones Baltimore“.

Rubriklistenbild: © Amaral

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