Mädchen mit rotem Pullover, langen Haaren und blauem Buch in Spanien.
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Kolibris in Alicante: Schülerin Lucía Zurita erfüllt sich Traum - Erstes eigenes Buch.

Tag des Buches in Spanien

Kolibris in Alicante: Schülerin erfüllt sich Traum von eigenem Buch

  • Stefan Wieczorek
    vonStefan Wieczorek
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Was macht Spaniens Jugend so? Lucía Zurita, 17, aus Alicante schreibt Geschichten über bunte Vögel der Gesellschaft. Und hält am Tag des Buches (23. April) ihr erstes eigenes Buch in den Händen. Wie sie das schaffte, und was hinter „Colibries“ steckt, verriet sie uns im Interview.

Alicante – Noch nie von Kolibris aus Alicante gelesen? Einer Schülerin aus Spanien erfüllten sie nun einen Traum. Hier ist einer dieser bunten Vögel: „Liebend gern lackierte er sich die Fingernägel. Lila, immer lila. Er sagte, dass es ihm gefiel, sie so zu tragen wie ich. Das Seltsamste war, dass, als man ihm sagte, dass er aussah wie sein Vater, er zu weinen anfing. Er weinte so viel, dass ich dachte, ihm würden die Tränen ausgehen.“ Die Sätze stammen aus „Colibries“ (Kolibris), einer Sammlung von Geschichten von Lucía Zurita. Für die 17-Jährige ist es ihr erstes Buch, das sie nun am Tag des Buches, 23. April, in den Händen hält.

KolibrisVögel
Wissenschaftlicher Name: Trochilidae
Lebenserwartung: 3 – 5 Jahre
Geschwindigkeit: Annakolibri: 98 km/h

Kolibris in Alicante: Schülerin erfüllt sich Traum von eigenem Buch

Der Titel des Buches „Kolibris“ der Schülerin aus Alicante entstammt einer Geschichte, in der die Vogelwelt eine besondere Rolle spielt. Oben lasen wir zunächst aber eine Passage aus „Carla“, einer Geschichte über einen jungen Menschen, der bemerkt, dass sein Körper nicht seinem gefühlten Geschlecht entspricht. Schon mehrere Preise hat Lucía Zurita als Jungautorin an der Costa Blanca gewonnen, unter anderem einen vom Rathaus ihrer Stadt. Doch als ein Verlag aus Alicante ihr erstes Buch druckte, wurde für die junge Spanierin ein Traum wahr. Mit costanachrichten.com sprach Zurita über ihr Debütwerk.

costnanachrichten.com: Herzlichen Glückwunsch zum erfüllten Traum mit „Kolibris“. Was bedeutet es für Dich, ein eigenes Buch herauszugeben?

Lucía Zurita: „Colibríes“ ist mein erstes Werk. Es sind alle meine bisherigen Geschichten, mein Anfang in der Literatur. „Colibríes“ ist Frieden, Freude, Emotion. Tausend Dinge in einem Buch. Und ich, als ich es endlich in meinen Händen sah, konnte nicht glücklicher sein.

costnanachrichten.com: Wie hast Du es geschafft, das Buch vom Verlag Libros de Balmenhorn drucken zu lassen?

Lucía Zurita: Dank meiner Großmutter, die den Verleger kannte. Sie organisierten die Texte und gestalteten das Buch bestmöglich.

costnanachrichten.com: In einem anderen Interview lobtest du deine Großmutter auch als deine Fördererin. Wer inspirierte Dich noch zum Schreiben?

Lucía Zurita: Ohne meine Großmutter gäbe es „Colibríes“ nicht. Sie ist eine Frau, die auch schreibt und Literatur liebt. Sie ermunterte mich schon seit jungen Jahren zum Schreiben. In der Schule verdanke ich zudem viel meiner Lehrerin Loli Antón. Meinen Stil dagegen prägte besonders Blue Jueans (spanischer Jugendbuchautor, Anm. d. Red.) mit seinen kurzen, direkten Sätzen. Aber generell viel zu lesen – das brachte mich im Schreiben zur Blüte.

Kolibris in Alicante: Schülerin Lucía Zurrita - „Das Anderssein fand ich immer interessanter.“

costnanachrichten.com: Erlebst Du im Umfeld auch Unverständnis für Deine Kunst?

Lucía Zurita: Wirklich nicht. Immer haben mich die Menschen um mich unterstützt und, wenn nötig, korrigiert. Entmutigt hat es mich höchstens, wenn mir eine Geschichte nicht so gelang. Aber es hat mich nie aufgehalten.

„Der Nebel schaffte es nicht, die Tiefe ihres Blicks zu bedecken. Ich spürte jeden ihrer Gedanken sich tief in meinem Körper festnageln, als ob er brennen würde. Als ob sie und ich brennen würden. Unsere Ideen flogen mit dem Feuer. Und ich konnte die Flammen lesen.“

costnanachrichten.com: Ob ein Mädchen, das in einem Gemälde im Museum Prado zu sich selbst findet, ein autistischer Junge oder ein transsexuelles Kind. Gern erzählst Du in „Kolibris“ von Menschen, die sich auf die eine oder andere Weise ausgegrenzt fühlen. Sind es Erfahrungen, die Du kennst?

Lucía Zurita: Das Anderssein fand ich für das Erzählen immer interessanter. Mich in diese Menschen hineinzuversetzen und auch den Leser dazu zu bringen, erscheint mir spannend. Ich suche immer neue solche Herausforderungen. Es sind aber keine nahen Erfahrungen, und es gefällt mir nicht, mich in Geschichten selbst zu porträtieren. Mich inspirieren Dinge, die ich lese oder sehe, ob im Fernsehen oder im wahren Leben.

Kolibris in Alicante: Schülerin Lucía Zurita (ganz rechts) bei Preisverleihung im Rathaus 2019.

costnanachrichten.com: Am 23. April ist der internationale Tag des Buches, aber auch der Welttag des Castellano. Hat diese Sprache für Dich einen besonderen Reichtum? Etwa im Vergleich zu Englisch und Deutsch, die Du lernst?

Lucía Zurita: Für mich ist das Castellano die Muttersprache und die Sprache meines Alltags, sie ist ein Teil von mir, und das freut mich. Ich glaube zwar nicht, dass sie über mehr Reichtum als andere verfügt. Alle Sprachen repräsentieren einen Teil der Menschheit und sind alle gleichviel wert. Aber mir ist bewusst, dass Spanisch als romanische Sprache dem Latein entstammt, das voller Schönheit und Geschichte ist.

Kolibris in Alicante: Schülerin erfüllt sich Traum - In Corona-Krise motiviert

costnanachrichten.com: Ärgert es Dich, dass Sprache - vor allem im Internet - zunehmend verstümmelt wird?

Lucía Zurita: Es ärgert mich nicht, aber ich muss zugeben, dass ich es tatsächlich hasse, das zu sehen. Manchmal korrigiere ich andere Menschen, Freunde, Familie... Ich kann es nicht vermeiden. Immer öfter sehe ich mich schon als Korrekturleserin arbeiten!

costnanachrichten.com: Hat sich die Corona-Krise auf Dein Schreiben ausgewirkt?

Lucía Zurita: Es hat mich motiviert, noch mehr zu schreiben, da ich mehr Zeit hatte. Ich habe einen Roman begonnen, den ich Anfang 2022 beenden will. Das Coronavirus hat mich also – zum Glück – nicht negativ betroffen.

„Jemand fängt zu singen an. Ein Flüstern, das nur ich hören kann. Es ist ein Mädchen, das neben mir sitzt; und sie ist nicht meine Mutter. Normalerweise würde ich losschreien, auf dem Stuhl wackeln oder wegrennen. Aber nein. Mir gefällt ihre Stimme. Sie singt sehr gut.“

Kolibris in Alicante: Schülerin erfüllt sich Traum - Cover von „Colibríes“

costnanachrichten.com: In deinen Geschichten fallen so einige Hoffnungsschimmer auf. Etwa der Glaube daran, dass es gute Menschen gibt. Und daran, dass jeder seinen Platz in dieser Welt finden kann. Glaubst Du wirklich daran?

Lucía Zurita: Ja, warum denn nicht? Hoffnung zu haben ist immer gut. Die Welt ist zu groß, als dass nicht jeder seinen Platz finden könnte. So seltsam deine Situation sein kann, sicher gibt es Menschen, die dasselbe erleben oder die dir helfen wollen.

costnanachrichten.com: Kommen wir nun zur Geschichte „Kolibris“, die dem Buch den Titel gibt. Hier begegnen wir einem jungen Menschen, der sich für das Zeichnen und für die Welt der Vögel begeistert. Sind Kunst und Umwelt besondere Werte für Dich?

Lucía Zurita: Beide sind unentbehrlich. Kunst lässt uns das Leben fühlen und erleben. Was wäre es ohne Musik, Malerei, Literatur, Architektur? Das Leben wäre leer! Mit der Umwelt ist es ähnlich, wir hängen an ihr, existieren dank ihr. Wir brauchen beide Dinge, und jeden Menschen, der sich ihnen widmet und sie bewahrt.

Leseproben von „Colibríes“ von Lucía Zurita auf Instagram. Das Buch bestellen Sie unter lachicadeazzul@gmail.com.

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