Der Maler Antonio Torres sitzt in seinem Atelier vor einem seiner Gemälde.
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Antonio Torres ist ein erfolgreicher Ballettmaler aus Ondara.

Kunst an der Costa Blanca

Antonio Torres aus Ondara malt Ballett-Tänzerinnen und hat damit Erfolg in Amerika

  • vonAndrea Beckmann
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Antonio Torres ist gern gesehener Gast, wenn etwa Russlands Staats- oder Englands Nationalballett in Spanien gastieren. Dann öffnen sich dem Maler aus Ondara bereitwillig die Türen der Theatergarderoben.

  • Der spanische Maler Antonio Torres hat sich mit der Ballettmalerei längst einen Namen gemacht.
  • Der Künstler Antonio Torres erzählt mit seinen Bildern Geschichten von Ballett-Tänzerinnen auch jenseits der Bühne.
  • Bescheidenheit ist eine Eigenschaft von Antonio Torres, der nicht an die große Glocke hängt, mit welchen Startänzerinnen er zusammenarbeitet.

Ondara - Antonio Torres erzählt mit seinen Bildern Geschichten. Auf einem aus zwei Teilen bestehenden Gemälde zum Beispiel die der Ballett-Tänzerin, die sich in einer Tanzpause ausruht, den Kopf auf den Unterarmen ruhend, während sie von einer Karriere in Amerika träumt. Dass Träume wahr werden können, erzählt der Maler aus Ondara (Provinz Alicante) im zweiten Teil des Ölgemäldes, in dem sich Traum und Wirklichkeit zu vermischen scheinen und das die Tänzerin in anmutender Pose vor der New Yorker Freiheitsstatue zeigt.

Antonio Torres und der amerikanische Traum

Wie es der Ballett-Tänzerin im wahren Leben ergangen sein mag, ist nicht bekannt. Antonio Torres’ wahre Geschichte hingegen klingt wie der Beginn eines amerikanischen Traums. Vor einem Jahr in den USA noch völlig unbekannt, schickt sich der in Spanien überaus erfolgreiche Künstler, der seine Leidenschaft für die Ballett-Malerei entdeckt hat, an, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Fuß zu fassen. Innerhalb eines Jahres hat der Künstler, der die Chance bekam, seine Werke in einer Galerie in Atlanta auszustellen, bereits mehr als 30 Gemälde an amerikanische Kunstsammler verkauft. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Bilder, die Szenen aus dem Wirken von Ballett-Tänzerinnen zeigen.

„Zu verdanken habe ich das alles meinem Agenten Carlos Vila aus Alcoy“, berichtet Antonio Torres. „Er hatte schon längere Zeit Kontakt zu dieser Galerie in Atlanta. Die Inhaber Robert und Rob Harris, Vater und Sohn, sind sehr an Kunstwerken europäischer Künstler und insbesondere spanischer Maler und Bildhauer interessiert.“ Vor eineinhalb Jahren haben die Galeristen während eines Europa-Aufenthaltes auch Spanien besucht. „Carlos vereinbarte einen Besuchstermin in meinem Atelier und sagte noch zu mir, ich solle mir nicht allzu viel davon versprechen“, erinnert sich Torres. „Die beiden kamen in mein Atelier und waren total begeistert von meinen Bildern. Wir waren uns sofort sympathisch – und seit einem Jahr sind meine Werke Teil einer Dauerausstellung in ihrer Galerie, der „R. Alexander Fine Art“ in Atlanta.“

Antonio Torres wirkt euphorisch, wenn er über seine ersten Schritte als Maler in Amerika berichtet

Einer der Sponsoren der Ausstellung sei das Atlanta Ballet gewesen, verrät der Maler. „Besonders schön war, dass mich zwei der Tänzer des Ensembels, die Japanerin Airi Igarashi und der Spanier Sergio Masero, einer Probe beiwohnen ließen.“ Antonio Torres hält kurz inne, um sich diesen Moment noch einmal in Erinnerung zu rufen. „Was habe ich diesen Tag genossen!“, schwärmt der Spanier. „Du siehst, diese Erlebnisse, die mein Beruf mit sich bringt, sind einfach toll.“

Antonio Torres wirkt euphorisch, wenn er über seine ersten Schritte als Maler in den USA berichtet. „Ich mag die lockere amerikanische Art“, meint er. „Die Aufgeschlossenheit liegt mir sehr, und ich freue mich, dass ich durch meine Kontakte nun die Möglichkeit habe, dieses Land gemeinsam mit meiner Frau zu bereisen, und Privilegien zu genießen, die einem nicht einfach so zufliegen.“ So habe er bei seinem letzten USA-Besuch in Boston nicht nur die Möglichkeit bekommen, einer Aufführung des romantischen Balletts „Giselle“ beizuwohnen.

„Im Fine Art Museum gab man mir sogar die Erlaubnis, eine Skizze von einer Skulptur von Degas anzufertigen.“ Antonio Torres freut sich ganz besonders darüber, dass er das Privileg hatte, in einem angesagten US-Kunstmuseum eine Skulptur dieses französischen Malers skizzieren zu können, der sich neben der Portraitmalerei auf einige wenige Bildthemen wie etwa das Ballett konzentrierte.

Nicht nur in Atlanta, sondern auch in Galerien in Charleston und New Orleans ist Antonio Torres mit seinen Werken präsent

Nicht nur in Atlanta, sondern auch in Galerien anderer Landesteile der USA werden die Ballett-Bilder von Antonio Torres mittlerweile im Auftrag der Galeristen Robert und Rob Harris angeboten werden. So sei ihm zum Beispiel bekannt, dass er bereits in Charleston und New Orleans mit seinen Werken präsent sei. „Welche Galerien das genau sind, die meine Bilder ausstellen, kann ich allerdings nicht sagen“, meint Torres. „Die Galeristen sprechen nicht darüber, es ist ein von ihnen wohl gehütetes Geheimnis. Für mich ist das in Ordnung, ich muss es nicht unbedingt wissen.“

Auch Antonio Torres hängt nicht an die große Glocke, mit welchen Startänzerinnen er zusammenarbeitet. Dem Maler, der aus El Ballestero, einem kleinen Dorf in Castilla-La Mancha, stammt, liegt der Wirbel um seine Person fern. Und so muss man schon gezielt nachfragen, um zu erfahren, dass in mehr als 15 Jahren Ballettmalerei, der sich der Künstler mit großer Leidenschaft widmet, Freundschaften mit so erfolgreichen Balletttänzerinnen wie Natalia Gubanova (Russisches Staatsballett), Nino Samadashvili (Georgien), Bianca Fota (Rumänien), Vesela Vasileva (Bulgarien) oder Laurretta Summerscales entstanden sind. In besonders engem Kontakt ist Torres mit Summerscales. Die Britin, ehemals Haupttänzerin im Englischen Nationalballett, lebt derzeit in München, nachdem sie das Bayerische Staatsballett als eine der Haupttänzerinnen engagiert hat.

Antonio Torres wird in der internationalen Ballettszene sehr geschätzt

In der internationalen Ballettszene wird Antonio Torres sehr geschätzt. Das öffnet dem Ballettmaler Türen, die anderen verschlossen bleiben. So hat er sich im Laufe der Jahre sehr viel Wissen über die klassische Form des Bühnentanzes aneignen können, die er eingehend nicht nur bei Aufführungen, sondern vor allem auch bei den Proben studieren kann.

Bevor Antonio Torres seine Tänzerinnen auf die Leinwand bringt, entstehen zunächst Fotografien, die er von ihnen vor, während, zwischen und nach ihren Auftritten machen darf. Die Ballerinas schenken dem Spanier dabei ihr vollstes Vertrauen, wissen sie doch, dass er beim Fotografieren unauffällig und diskret agiert. Dies sei ein großes Privileg, meint der Künstler. Wie auch die Freundschaft zu Lauretta Summerscales. Schon seit Jahren begleitet er die Ballettänzerin durch ihre Karriere. Sie war eine der ersten klassischen Tänzerinnen, die sich von Antonio Torres fotografieren und malen ließ und die sich ihm von Anfang an ohne Scheu und in ihren verletzlichsten Momenten zeigt.

Antonio Torres malt mit großer Leidenschaft Tänzerinnen.

Antonio Torres und die Begegnung mit Tänzerin Laurretta Summerscales

„Ich kann nur immer wieder betonen, dass die Begegnung mit Laurretta schicksalsbestimmend für mich war“, schwärmt Antonio Torres. Die Britin habe ihn von Anfang an mit ihrer Natürlichkeit und Anmut in ihren Bann gezogen. So sehr, dass ihn das zu einer ganzen Bilderserie mit dem Namen „Blue Dream“ animiert habe.

„Bald wird es ein weiteres Projekt mit ihr geben“, verrät Antonio Torres. „Ich möchte Bilder malen, die jeweils eine klassische und eine Flamencotänzerin zeigen. Die klassische Tänzerin wird Laurretta sein, und die Flamencotänzerin die wunderbare Ana Agraz, die als Solotänzerin im Spanischen Nationalballett tanzt und mit der ich ebenfalls befreundet bin.“

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