Zwei Urlauber lesen Bücher am Strand.
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Urlaub, endlich Zeit zum Lesen. Aber was? Einige Buchtipps aus spanischen Federn.

Urlaubszeit - Lesezeit

Buchtipps aus Spanien: Des Urlaubs schönste Seiten

  • Marco Schicker
    VonMarco Schicker
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Spanische Krimis wie Horrorgeschichten zum Vergnügen, erzählerische Labyrinthe wie Fabelhaftes zum Genießen und Klassiker ohne Ablaufdatum. Eine literarische Reise in deutscher Sprache durch das Spanien von Montalbán und Redondo, über Zafón bis Cervantes und Kolumbus, - dessen größtes Abenteuer schließlich auch an einem spanischen Strand begann.

Alicante/Málaga – In der Urlaubszeit erinnert sich so mancher an das Vergnügen, ein Buch zu lesen. Am Strand, auf der Terrasse, beim Fliegen. Nicht zu schwer sollte die Lektüre sein, physisch – Ryanairs Gepäckpolitik ist bücherfeindlich – und auch vom Anspruch, schließlich dient die Urlaubszeit der Entspannung, dem sprichwörtlichen Abschalten.

Die nachfolgenden Empfehlungen spanischer Literatur für den Spanien-Urlaub – oder die Sehnsucht danach, für die, denen die deutsche Quarantäne für Spanien-Urlauber einen Strich durch die Rechnung machten – versuchen, diese Anforderungen zu erfüllen. Unsere spanischen Buch-Tipps in deutscher Sprache sind daher nicht avantgardistisch, sondern urlaubsfreundlich. Ist das Buch dennoch zu schwer für das Gepäck, gibt es notfalls den praktischen, wenn auch nicht so sinnlichen E-Book-Reader oder man bestellt das Buch schnell über Amazon und hinterlässt es dann in der Ferienwohnung dem Nachmieter – mit freundlichen Grüßen.

Privatdetektiv Pepe Carvalho: Detektiv am Puls der Zeit und in allen Lokalen zu Hause

Für literarische Kurzweil sorgen Krimis. In diesem Genre ist es nicht nur in Spanien fast unmöglich, an Manuel Vázquez Montalbán vorbeizukommen, ganz zu Recht. Denn der 2003 verstorbene Autor aus Barcelona, ein Tausendsassa der schreibenden Zunft, hinterließ mit seiner Reihe über den Privatdetektiv Pepe Carvalho nicht nur 24 spannende Kriminalgeschichten, sondern vermittelt in seinen Büchern auch unterhaltsam Landeskunde. Der erste „Carvalho“ erschien bereits 1972, also noch unter Franco. Jedes Buch spinnt seitdem seine Geschichte rund um Ereignisse der internationalen und oft spanischen Geschichte, sei es die Transición von der Franco-Diktatur zur Demokratie, ETA-Attentate oder die Olympia-Korruption in Barcelona 1992. Das Detektivbüro an den Ramblas von Barcelona ist immer mitten drin. Bei dem Schriftsteller und Poeten Montalbán kommt in den Büchern auch das leibliche Wohl nicht zu kurz, denn Montalbán ist ein ausgesprochener Gourmand. Sein Schwanengesang heißt nicht zufällig: „Carvalho Gastronómico.“ und reist durch Spaniens Küchen.

Horror zum Vergnügen: Die Baztán-Trilogie von Dolores Redondo

Deutlich finsterer und mystischer geht es bei der baskischen Autorin Dolores Redondo zu, deren Baztán-Trilogie bereits in über 20 Sprachen veröffentlicht wurde. Der rote Faden ist auch hier eine Ermittlerin, die Inspektorin Amaia Salazar, die von Pamplona aus verzwickte Fälle in Navarra und im Baskenland löst. Doch hier geht es weniger um Zeitgeschichte als um die Untiefen im Inneren der Menschen und die haben einen Namen: Horror. Ihre „Novelas negras“ kreisen um Mythen, nebelige Täler, alte Riten und zeichnen einmal mehr ein Bild der Basken von sich abgrenzenden Sonderlingen rund um das Dorf Baztán.

Die Baztán-Trilogie von Dolores Redondo. Krimi und Mystik im Norden Spaniens. Ein Welterfolg.

Die drei novelas negras (schwarzen Romane) haben es bereits zu einer ansehnlichen Verfilmung geschafft, die unter anderem auf Netflix in drei Teilen abrufbar ist, Sie aber nicht vom Lesen der Bücher abhalten sollte: Das Echo dunkler Tage (El guardián invisible), Die vergessenen Kinder (Legado en los huesos) und Der nächtliche Besucher (Ofrenda a la tormenta). Derzeit sind die Bücher auf Deutsch offenstichtlich "nur" in der Kindle-Version erhältlich.

Zafóns Labyrinthe: Schwanengesang des großen Magiers aus Barcelona

Der 2020 in seiner Wahlheimat Kalifornien mit nur 55 Jahren verstorbene Romancier und Journalist Carlos Ruiz Zafón aus Barcelona hat seinen Lesern neben seinem bekanntesten Werk, „Der Schatten des Windes“, ein literarisches Labyrinth miteinander verwobener Personen und Sujets hinterlassen.

„Der Friedhof der vergessenen Bücher“. Die Novellensammlung ist gleichzeitig der Schwanengesang von Carlos Ruis Zafón.

„Der Friedhof der vergessenen Bücher“ ist nicht nur der Titel der letzten Anthologie (bei S. Fischer), sondern Ausgangspunkt und Erzählprinzip seiner literarischen Lebensreise, in der er Geister weckt, die am Anfang nur er sehen kann oder die von der Geschichte verschüttet wurden. In elf Erzählungen suchen die Protagonisten rote Fäden durch die und ihre Geschichte, Zafóns Lust am Ungefähren, am Historischen und Fabelhaften verliert und findet sich in der Schattenwelt Barcelonas, bei Hexen, Dienstmägden und sogar bei Cervantes und deren Geheimnissen.

Don Quijote: Deutsche Neuübersetzung legt Wortwitz und Tiefe offen

Apropos. Warum nicht einen Klassiker? Den spanischen Klassiker überhaupt. Der Don Quijote, „die Mutter aller Romane“ liegt seit 2008 in einer komplett neuen deutschen Übersetzung vor. Susanne Lange zeichnet für dieses Titanen-Werk verantwortlich. Ihr gelang es nicht nur, die 200 Jahre alte Tieck-Version zu entschlacken, sondern vor allem das spezifisch Spanische wieder ins Buch zu bringen. Tieck gab selbst zu, nur mäßig Spanisch zu können, so blieben vor allem viele „indirectos“ auf der Strecke: Andeutungen, Wortspielereien, Redensarten, die in Spanien zum Allgemeingut geworden sind.

Der „Don Quijote“ von Cervantes. Zeitlose Weltliteratur in einer zeitgemäßen Neuübersetzung von Susanne Lange.

Unsterblicher Cervantes: Biograhpie eines geborenen Abtenteurers

Den Quijote zu lesen, bedeutet, das Haupttor zum Lande aufzustoßen und dabei auf universelle Typen zu treffen, ein endloses Vergnügen. Das 400 Jahre alte Werk hat nichts, aber so gar nichts an Aktualität eingebüßt. Wem es zu schwer ist, rein physisch, dem sei ein Abenteuerbuch empfohlen, das das echte Leben schrieb: Denn Cervantes‘ Biografie liest sich selbst wie ein fast unwahrscheinlicher Abenteuerroman voller überraschender Wendungen. Cervantes war, wie sein Werk ist: nicht tot zu kriegen. Unser Favorit ist die Biographie von Uwe Neumahr „Miguel de Cervantes: Ein wildes Leben“ (C.H. Beck), das es auch als E-Book gibt.

Mit Columbus am Strand: Schiffstagebuch des Amerika-Entdeckers

Es ist ein bibliographischer Treppenwitz, dass die einzig wirklich verfügbare Ausgabe des „Schiffstagebuch“ des europäischen Amerika-Entdeckers Christoph Columbus aus einem DDR-Verlag stammt. Ausgerechnet aus dem Land, das seine Bürger einsperrte, weil es sonst - zu Recht - fürchten musste, dass es den Heilsversprechungen seines surrealen Sozialismus entfliehen wollte. Ab 1980 erschienen die Aufzeichnungen der epochalen Reise des Cristobal Colón, der je nach patriotischer Laune aus Genua, Kroatien, Katalonien, Portugal oder Spanien stammt, bei Reclam in Leipzig in etlichen Auflagen bis kurz nach der Wende. Bei Amazon findet man das Bändchen günstig in zweiter Hand.

Die detaillierten Schilderungen des Kolumbus sind gezielt für die Nachwelt komponiert worden, fußen aber auf den originalen Eintragungen, die in Sevilla archiviert sind. Sie sind also nicht frei von Beschönigungen und „Fake-News“, enthalten aber unendlich viel Entdeckerromantik aus erster Hand und einen Einblick in das hoffnungsvolle und fast noch unschuldig wirkende Unternehmen im europäischen Wendejahr 1492, den westlichen Seeweg nach Indien zu finden. Ein Abenteuer, das den Lauf der Welt änderte und dereinst an einem Strand in Spanien begann...

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