Welttag der Museen

Corona und Kultur: Museen blicken angesichts Covid-19 unsicherer Zukunft entgegen

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In der Corona-Krise feiert die Kulturwelt am 18. Mai den Welttag der Museen. In der Phase 1 des Deeskalationsplans dürfen die Ausstellungshäuser in Spanien wieder öffnen. Angesichts strenger Auflagen blicken Prado, Reina Sofia und Co. der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen.

  • Am 18. Mai ist der Welttag der Museen. Gefeiert wird angesichts der Covid-19-Krise mit gemischten Gefühlen.
  • In Phase 1 des Deeskalationsplans dürfen Museen in Spanien nach der Corona-Quarantäne wieder öffnen.
  • Nur ein Drittel der möglichen Besucher darf einen Saal gleichzeitig betreten. Keine Garderobe und kein Infomaterial.

Madrid/Alicante - Sicher haben die Bars nach der Coronavirus-Quarantäne einen größeren Ansturm erlebt als die Museen. Der Körper sehnte sich vermutlich erst einmal nach einer frisch gezapften Caña als der Geist nach Kunst. Doch sind die Grundbedürfnisse gestillt, sollte man es ausnutzen, dass auch die Museen – natürlich unter Auflagen – wieder öffnen dürfen. Genau rechtzeitig, denn am 18. Mai feiert die Kulturwelt den Internationalen Tag der Museen.

In Phase 1 des Deeskalationsplans dürfen die Museumssäle nur zu einem Drittel mit Besuchern gefüllt sein.

Es dürfte eine Feier mit gemischten Gefühlen werden angesichts der unsicheren Zukunft, der die Museen mit der Coronavirus-Krise entgegenblicken. In Phase 1 des Deeskalationsplans darf nur ein Drittel der möglichen Besucher einen Museumssaal gleichzeitig betreten, didaktische oder kulturelle Aktivitäten der Häuser bleiben bis auf Weiteres untersagt, es gibt weder Audioguides noch Garderobenservice, Prospekte oder anderes Infomaterial. Der Ticketverkauf soll möglichst online ablaufen, der Besuch ist nur individuell oder als Familieneinheit gestattet.

Vor allem nationale Museen, Publikumsmagneten wie Prado, Reina Sofía und Thyssen in Madrid, werden das zu spüren bekommen. Zumal sie größtenteils auf die vielen Touristen werden verzichten müssen, die einen Großteil ihrer Besucher ausmachen. Miguel Falomir, Direktor des Prado, schätzt gegenüber „La Vanguardia“, dass bereits die Schließung wegen Sars-CoV-2 alle zwei Wochen ein „Loch von einer Million Euro durch nicht verkaufte Eintrittskarten“ in den Säckel des Museums riss. Hinzu kämen weitere 30 Prozent an Einbußen durch die Ausfälle im Museumsladen und der Cafeteria sowie aus verschiedenen Aktivitäten.

Die meisten großen Museen haben dennoch angekündigt, erst nach Ende des Notstands wieder zu eröffnen, da es sich vorher kaum lohne. Eine Ausnahme macht an der Costa Blanca Orihuela, das am Montag seine Stadtmuseen öffnete. Viele Häuser haben aber zum Internationalen Tag der Museen virtuelle Aktivitäten auf ihren Internetseiten oder Twitter-Konten organisiert, wie etwa der Prado, das Picasso-Museum in Málaga, das Museo Reina Sofía in Madrid oder das Guggenheim in Bilbao.

Corona-Kultur: Chipsessende Mona Lisa

„Viele Ausstellungshäuser haben bereits angekündigt, dass sie sich angesichts dieser Krise neu erfinden müssen“, sagt Remedios Navarro Mondéjar, verantwortlich für die didaktische Abteilung im Museum der Universität Alicante (MUA). „Das heißt, weg von den Mega-Ausstellungen und hin zu einer anderen Art von Expositionen, nicht unbedingt kleiner, aber eher auf die Kunstforschung gerichtet, auch im Hinblick auf die eigenen Bestände.“

Publikumsattraktive Ausstellungen, wie sie auch das Archäologische Museum von Alicante (Marq) gerne organisiert, das für November etwa die bisher größte Ausstellung der chinesischen Terrakotta-Armee in Spanien geplant hat, seien solche Events „eine große Investition und ein touristisches Lockangebot“, meint Navarro. Wenn dies sich später nicht auszahle, würde das die Museen schwer treffen.

Nichtsdestotrotz habe die Covid-19-Krise auch die Kreativität angespornt. So empfiehlt Navarro etwa den virtuellen Besuch des Covid Art Museums (CAM) auf Instagram. Botticellis Venus mit dem Abdruck einer Atemmaske, eine aufgedunsene, chipsessende, den Stinkefinger zeigende Mona Lisa, ein Knoblauch-Ohrring und viele andere Phänomene der Quarantäne-Kreativität sind dort zu bestaunen.

Verschiedene Werke im virtuellen Covid Art Museum.

Hinweis: Museen in Gebieten, die die Phase 1 des Deeskalationsplans erreicht haben, dürfen theoretisch wieder öffnen. Es ist aber ratsam, sich vor einem Besuch online oder telefonisch zu informieren, ob die Einrichtung tatsächlich aufgemacht hat, da viele mit der Wiedereröffnung noch bis Juni oder bis zum Ende des Notstands warten wollen.

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