Migrationskrise am Mittelmeer

Flüchtlinge an Costa Blanca: Film zeigt Leben in Spanien - Kein sicherer Hafen

  • Stefan Wieczorek
    VonStefan Wieczorek
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Vor drei Jahren brachte das Schiff Aquarius 629 afrikanische Auswanderer nach Spanien. Ein Film stellt drei von ihnen vor: Eine marokkanische Familie an der Costa Blanca, die noch längst keinen sicheren Hafen erreicht hat.

Elche - Am 17. Juni 2018 war der Hafen von Valencia der Schauplatz einer großen Ankunft. 629 Menschen wurden von Bord des Rettungsschiffs Aquarius an Land gebracht. Nach einer tragischen Odyssee über das Mittelmeer, in der die Flüchtlinge von Italien und Malta abgelehnt wurden, bot ihnen am Ende Spanien einen sicheren Hafen an. 629 Menschen. Was aus all den Auswanderern wohl geworden ist? Drei von ihnen erzählen in einem an der Costa Blanca gedrehten Film ihr Leben in Spanien. Eine Familie aus Marokko: Das Paar Abdelali Dahrabou, Meryem Hamdi und die kleine Miral.

Costa BlancaKüstenabschnitt in Spanien
ProvinzAlicante
RegionValencia

Flüchtlinge an Costa Blanca: Film zeigt Leben von Auswanderern in Spanien

Drei Jahre nach der Ankunft der Aquarius in Valencia wird der Film „Vengo de las olas“ (Ich komme aus den Wellen) des Regisseurs Sergio Jaén diese Woche in dessen Heimatstadt Elche an der Costa Blanca uraufgeführt. Dann soll der Streifen, dessen Trailer bereits online zu sehen ist, auch auf Festivals in Barcelona, Paris, New York und Mexiko gezeigt werden. In Elche wohnen die drei Auswanderer, die im Film vorgestellt werden, mittlerweile. Nach der Ankunft mit der Aquarius wurde auch das Leben der Familie in Spanien zu einer regelrechten Odyssee.

„Ich spürte den Drang, einen Film über sie zu drehen, in dem ich sie als Menschen zeige, und nicht als Flüchtlinge.“

Sergio Jaén, Regisseur von der Costa Blanca

Über das Meer aufgebrochen waren die drei Auswanderer aus Marokko in Libyen, wo man sie angelogen hatte: Statt einer sicheren Überfahrt wurde die Familie eingesperrt und drei Monate lang unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Als es ihnen gelang, auf die Aquarius zu steigen, erwartete sie eine dramatische Überfahrt, bei der sie lange nach einem sicheren Hafen in Europa suchten. Doch nicht auf jene Geschehnisse, sondern auf die Gegenwart der Familie konzentriert sich der 20-minütige Film, dessen englischer Titel „I come from the waves“ lautet.

Flüchtlinge an Costa Blanca: Der Film zeigt das Leben der Familie, die mit der Aquarius kam, in Spanien

Flüchtlinge an Costa Blanca: Film mit „Botschaft der Hoffnung“

Regisseur Sergio Jaén hatte in der Presse von der Familie gelesen und die NGO Ayuda a Personas Refugiadas von der Costa Blanca um den Kontakt zu ihr gebeten. „Ich traf die Auswanderer, und sie erzählten mir persönlich ihr Schicksal“, sagt Jaén. „Daraufhin spürte ich den Drang, einen Film über sie zu drehen, in dem ich sie als Menschen zeige, und nicht als Flüchtlinge.“ So erklingen im Film auch die Worte der drei Marokkaner alle in ihrer Heimatsprache.

Das sei „die beste Form, ihre Gefühle auszudrücken“, so der Regisseur. „Es ist eine harte Geschichte, in der aber auch eine Botschaft der Hoffnung rüberkommt“, lobt Joaquina Agulló von der genannten Elcher NGO.

Jaén vermied im Film drastische Bilder und Erinnerungen - ob ertrinkende Menschen, Panik auf See oder Gewalt in Libyen. „Sondern er vertiefte sich in die Reflexionen und den Mut der dargestellten Personen“, urteilt die Flüchtlingshelferin aus Elche. Gedreht wurde der Film an unterschiedlichen Teilen der südlichen Costa Blanca. Für Bilder am Mittelmeer nutzte die Filmcrew den Dünenstrand des Vororts El Altet. Musikalisch begleitet werden die Bilder von einem weiteren Elcher Künstler, Komponist Carlos Maciá.

Flüchtlinge an Costa Blanca: Film, der in die Welt einer Familie eintaucht

Auf „eine andere Weise“ will Sergio Jaén mit seinem Film das Leben der afrikanischen Auswanderer in Europa zeigen. Damit die hiesige Gesellschaft sie nicht „vergesse“, wie bisher. Fakt ist: Für die allermeisten Flüchtlinge stellt die Ankunft in Europa keineswegs einen sicheren Hafen dar. Viele landen in der Arbeitslosigkeit, wie ein von uns vorgestellter Überlebender eines Bootsunglücks bei Libyen. Viele weitere landen - auch an der Costa Blanca - in der Kriminalität, der Verlorenheit und in den Fängen des Menschenhandels.

Flüchtlinge an Costa Blanca: Miral war ein Baby, als sie auf der Aquarius Spanien erreichte.

Die von Sergio Jaén vorgestellte Familie aus Marokko leidet ebenfalls daran, dass ihr Asylantrag in Spanien abgelehnt wurde. Doch die Auswanderer sind nicht allein. Nur neun der 629 Flüchtlinge erlangten bisher einen geregelten Aufenthalt. Der Rest lebt verstreut, hoffend, verzweifelnd...

Bevor der Film über die marokkanischen Familie auf Weltreise zu den internationalen Filmfestivals geht, läuft er zum dritten Jahrestag der Aquarius-Ankunft diese Woche in der Palmenstadt Elche.  Am Mittwoch, 16. Juni, um 20.30 Uhr im Kino ABC. Darauf freut sich der Regisseur, der in die Welt einer Familie eintauchte, die übers Meer nach Spanien kam.

Rubriklistenbild: ©  Salvatore Cavalli/AP/dpa / Sergio León

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